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15.06.2017 Noch 25 weitere Ideen?

Bürgerinitiative BIOS "entsetzt" über Stellungnahme der Stadt zur B 83

Schaumburger Zeitung / 15.6.2017

Rinteln

Von Hans Weimann
Die Reaktion der Bürgerinitiative BIOS in Steinbergen auf die Verlautbarung von Politik und Verwaltung, für eine Umgehung der Bundesstraße 83 gebe es keine machbare Trasse, ließ volle fünf Tage auf sich warten. Dafür war sie jetzt dann aber auch umso deutlicher. BIOS-Sprecher Jens Wienecke schrieb in einer Pressemitteilung, die Bürgerinitiative sei „entsetzt“ über die Erklärung der Stadt Rinteln, bei der Bundesstraße 83 solle es beim Status quo bleiben.

Wienecke betont in seiner Presseerklärung darüber hinaus, er habe den Eindruck, eine „Bürgerbeteiligung sei nicht erwünscht“. „Wir, die BIOS, sind mit der Botschaft der Stadt – lieber keine Lösung – nicht zufrieden. Dies ist nicht im Sinne der Bürgerinnen und Bürger und der Wirtschaft in der Region.“

Wienecke unterstellt der Stadt Rinteln dabei indirekt ein falsches Spiel, denn die jetzt von der Verwaltung vorgelegten gleichartigen Trassen-Entwürfe seien von der BIOS bereits im Oktober des Jahres 2016 als „inakzeptable Lösung“ betrachtet worden. Vor allem die Varianten durch Engern wie die Trasse über die sogenannte „Liegewiese“ in Steinbergen habe auch die BIOS von vorherein als untauglich angesehen. Auch die BIOS wolle nicht, dass der Verkehr in andere Ortsteile verschoben wird.

Schon damals hätten die alternativen Entwürfe der BIOS der Stadt vorgelegen, ebenso dem Planungsbüro Vössing in Hannover. Die Stadt habe damals aber das Planungsbüro auf die jetzt drei geprüften Trassenvarianten beschränkt. Genau die Trassen, die jetzt von Verwaltung wie Politik abgelehnt worden seien.

Wienecke ist der Meinung, die Stadt habe hier eine erhebliche Summe „verschleudert“, ohne eine „umsetzbare Lösung, die zu einer baureifen Planung führt“, präsentieren zu können.

Zumindest hier sind sich die BIOS und die konkurrierende Bürgerinitiative „Schutzgemeinschaft Steinberger Landschaft“ einig. Deren Sprecher Markus Schwenk hatte bereits geäußert, er halte die 40 000 Euro für die Trassenuntersuchung für „rausgeschmissenes Geld“. Damit versuchten Kommunalpolitiker nur, sich hinter Experten zu verstecken. Schwenk war gestern für eine Stellungnahme zur aktuellen Entwicklung nicht zu erreichen.

An 28 Trassenvarianten und „vielen Teillösungen“ arbeite der Arbeitskreis der BIOS, heißt es in der Pressemitteilung von Wienecke. Rechnet man die drei Varianten ab, die bei der Prüfung durchgefallen sind, würden noch 25 mögliche Varianten bleiben. Wo die denn verlaufen könnten, wollte Wienecke trotz mehrfacher Nachfrage gestern in einem Telefongespräch nicht weiter erläutern. Nur so viel: Varianten lägen der Verwaltung bereits vor, man müsse eben „großräumiger denken“, als es die Verwaltung getan habe. Weitere Details wollte Wienecke auf keinen Fall nennen.

Wienecke betonte, die Idee sei doch, aus der Vielzahl der möglichen Trassen diejenige herauszufinden, die bei den Naturschutzbelangen, den Anwohnern und auch finanziell die „größtmögliche Akzeptanz“ erzielt. Er stelle sich hier vor, dass man aus den verbleibenden 25 Varianten und Teillösungen wie bei einem „Baukastensystem“ die optimale Trasse zusammenstellt.

Was Wienecke möglicherweise überlesen hat: In der Mitteilung der Verwaltung (von uns veröffentlicht) ist bereits ausdrücklich vermerkt, dass zwar nicht mehr als drei Varianten im Detail geprüft und durchgerechnet worden sind, man sich aber selbstverständlich auch die Ideen der BIOS angeschaut habe.

Dazu stellte die Verwaltung fest: Weitere von der Bürgerinitiative vorgeschlagene Varianten, die noch weiter südlich oder östlich um Steinbergen herumgeführt werden sollten, habe man nicht „näher“ betrachtet, „da sie einerseits den Bezug zur Ortslage Steinbergen nicht mehr gewährleisten und insbesondere bei den östlichen Varianten über den Deckberger Pass umfangreiche Baumaßnahmen im eigentlich nicht betroffenen Auetal nach sich ziehen würden“.

Wienecke sieht das wohl anders, für ihn ist alles letzten Endes auch eine Frage des Geldes. Er verwies gestern in dem Telefongespräch darauf, dass es auch in Lügde möglich gewesen sei, für 35,5 Millionen Euro einen Tunnel zu bauen (Wienecke meint den 850 Meter langen Emmerauentunnel, der 2010 eingeweiht worden ist).

Bei der „Schutzgemeinschaft Steinbergen“ wundert man sich über die Geheimniskrämerei der BIOS, hat den Eindruck, die BIOS spiele hier bewusst „mit verdeckten Karten“, wie das Matthias Lorenz gestern in einem Telefongespräch formulierte. Warum sonst sollte die BIOS nicht die weiteren 25 Varianten nennen, wenn sie es denn gibt? Denn auch die Bergstraßen-Anwohner wüssten nämlich ganz gerne, welche mögliche Trassen man sich für eine Umgehung der B 83 noch vorstellen könnte, über die noch nicht diskutiert worden ist.

Foto: privat