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31.03.2016 Ab durch die Mitte

So könnte die künftige Entlastung für Steinbergen aussehen / Behördenchef freut sich mit

Schaumburger Zeitung / 31.3.2016

Steinbergen

Von Jan Oldehus
„Ich freue mich für die Steinberger“, sagt Markus Brockmann. Der Leiter der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Hameln, weiß, wovon er spricht, denn ihm, wie allen Steinbergern und all jenen, die die Steinberger Kreuzung nicht gerade als ihren Lieblingsort bezeichnen würden, ist klar: So kann es hier nicht weitergehen. „Ich kenne keinen vergleichbaren Ort, wo die Verkehrssituation so schlimm ist wie in Steinbergen“, bekennt der Behördenchef in Hameln freimütig. Immerhin: Seit dem 17. März steht fest: Die lang ersehnte Entlastung für den einstigen Luftkurort kommt.

Die mindestens neun Millionen Euro teure Umgehungsstraße, die die B83 (Bücke- burg–Hameln) auf 2,1 Kilometern Länge um Steinbergen herumführen wird, hat im aktuellen Bundesverkehrswegeplan sogar noch eine höhere Priorität als die 1,5 Kilometer lange, mindestens 16 Millionen Euro teure Trasse, die die B238 (Lemgo–Steinbergen) durch den Berg zur Autobahn und auf die B83 führen soll. Dabei hatten sicherlich nicht wenige Steinberger, Rintelner und überhaupt Schaumburger fast nicht mehr daran geglaubt, dass die seit Jahrzehnten immer wieder diskutierte Tunnellösung noch kommen würde.

Durchschnittlich rund 16000 Fahrzeuge pro Tag mit einem Lkw-Anteil von 12,5 Prozent hatte die Landesbehörde zuletzt auf der B83 in Steinbergen ermittelt, auf der B238 gar 17800 Fahrzeuge täglich. Brockmann: „In einigen Abschnitten der Ortsdurchfahrt wurden sowohl auffällig viele Unfälle mit Personenschaden als auch überdurchschnittlich viele Unfälle beim Überschreiten der Fahrbahn festgestellt.“ Hinzu kommt der Lärm, dem die Steinberger ausgesetzt sind: 71,8 Dezibel am Tag, 64,4 in der Nacht, von den hohen Abgaswerten ganz zu schweigen.

Dass die teilweise Tunnellösung auch ihre Nachteile hat, ist nichts Neues. Die neue B238-Trasse durchquert die bewaldeten Hänge südöstlich der Hirschkuppe und des Arensbergs. Im nördlichen Trassenabschnitt, am Bauende im Übergang zum bestehenden Straßennetz wird vorhandener Waldlebensraum durchquert. Darüber hinaus wird ein sogenannter Kernraum des Waldes zerschnitten. Der Flächenverlust beträgt laut Landesbehörde rund 5,4 Hektar. Die verbleibende Fläche zwischen der alten B238 und der neuen Trasse wird „verinselt“.

Zugleich betroffen ist der Lebensraum der Highland Cattles (Hochlandrinder) von Züchter Günter Brand. Und: Erhebliche Beeinträchtigungen eines am Trassenrand liegenden FFH-Gebiets können nach Behördenangaben nicht ausgeschlossen werden. Die künftige B238-Trasse liegt vollständig im Naturpark und überwiegend im Landschaftsschutzgebiet. Ob die Pläne genauso umgesetzt werden, bleibt abzuwarten.

Foto: tol
Von gegenüber der Grafensteinerhöh hin zur Autobahn soll die neue B238-Trasse einmal führen.