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29.06.2017 "Etwas schaffen, was die Gemeinschaft fördert"

Helga Gruhler hat Leitung beim "Frühstück für jedermann" abgegeben / Weiter Engagement für den Ort

Schaumburger Zeitung / 29.6.2017

Steinbergen

Von Werner Hoppe
Das Frühstück für jedermann ist einmal im Monat Gelegenheit zum zwanglosen Zusammenkommen und Kennenlernen. Im Steinberger Dorfgemeinschaftshaus treffen sich „Eingeborene“ sowie Gäste aus anderen Orten zum Frühstück und fröhlicher Gemeinschaft in entspannter Atmosphäre. Vor 18 Jahren hat Helga Gruhler die nahrhafte Aktion ins Leben gerufen und seitdem verantwortlich geleitet. Beim Jedermann-Frühstück im Juni trat die Gründerin in den Ruhestand – für viele Teilnehmer überraschend.

„Die meisten haben ja gar nicht gemeint, dass ich heute aufhöre.“ Die Macherin, die in aller Regel meistens auch durchbekommen zu haben scheint, was sie sich in ihrem 81-jährigen Leben vorgenommen hat, bleibt aber bei ihrem Entschluss, die ehrenamtliche Tätigkeit aufzugeben. Und das hatten wohl auch ihre bisherigen Team-Mitglieder Annemarie Koepke, Anita Gerber und Gisela Lorenz schon vorausgesehen. Den vorsorglich mitgebrachten Dankeschön-Präsentkorb brauchten sie jedenfalls anschließend nicht wieder mit nach Hause zu nehmen.

Auch Steinbergens Ortsbürgermeister Heiner Bartling, der Helga Gruhler aus ihrer langen Zeit im Ortsrat als streitbares Gegenüber in Erinnerung hat, hatte seine kleine Laudatio zur Verabschiedung ebenfalls nicht umsonst vorbereitet. „Manchmal war Helga auch unbequem, aber immer im Interesse der Gäste“, schrieb er der Wahl-Steinbergerin, die in Groß Köllen bei Allenstein in Ostpreußen geboren wurde, ins Erinnerungs-Album.

Steinbergen ist ihre zweite Heimat geworden. Daran lässt Helga Gruhler keinen Zweifel. Darum hat sie sich über Jahrzehnte engagiert und ehrenamtlich eingebracht ins gesellschaftliche soziale Leben im Ort. Darum war sie ab 1976 mit Unterbrechung 25 Jahre lang Mitglied des Ortsrates, und darum reifte auch ihre Idee: das Frühstück für jedermann. „Mein Gedanke war, etwas zu schaffen, was die Gemeinschaft fördert.“

Es habe ein Frühstück für jedermann, für Jung und Alt, sein sollen und ein Treffpunkt für neue Steinberger Bürger. Am 6. April 1999 hat sie es gegründet zusammen mit Gerda Treiber und Elisabeth Süß im Start-Team. Und ab Juli kamen Inge Kappmeier und Elisabeth Bugenhagen als Verstärkung dazu. Durch Dieter und Beate Hoffmann vom Berghotel habe das Frühstück für jedermann anfangs starke Unterstützung bekommen. Ebenso durch Rolf Grote, der die große Tafel samt Tischgestell tischlerte sowie Rudi Möhlmann, der einen entsprechenden Schriftzug beisteuerte. Später konnten Annemarie Koepke und Anita Gerber fürs Team gewonnen werden sowie Gisela Lorenz. Inge Kappmeier wurde im Juli 2013 verabschiedet.

Helga Gruhler erzählt weiter: „Pastor Stephan Strottmann und der evangelische Kindergarten sowie die Grundschule gehörten von Anfang an dazu. In der Adventszeit tragen die Kinder weihnachtliche Gedichte und Lieder vor.“ Und die Schulkinder hätten sogar schon einen richtigen Weihnachtsbasar aufgebaut „und mit Freude ihre Bastelsachen verkauft“.

Der Kern der Aktion ist aber das Frühstück, kommt Helga Gruhler zum eigentlichen Thema zurück. Das unkomplizierte Konzept kam sofort an und hat gleich funktioniert bis heute. Bis zu 65 Personen kamen zuerst.

Heute sind es noch immer regelmäßig 30 bis 40 Gäste, die es sich an jedem ersten Mittwoch im Monat in der Zeit von 9.30 bis 13 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus gut gehen lassen. Für schlanke 6,50 Euro gibt es ein Frühstück mit allem Drum und Dran. Seit Jahren liefert die Fleischerei Seifert aus Rehren mit großer Auswahl dekorierte kalte Platten, Salate, Quarkspeisen und einen großen Obstteller, schwärmt Helga Gruhler. Dazu dürfe auch „das Rührei nicht fehlen und wird von uns selber frisch gebraten“.

Wichtig sei ihr und dem ganzen Team noch gewesen, dass alle Gäste zum Abschluss um halb zwölf noch eine heiße Suppe mit frischem Gemüse (je nach Saison) serviert bekommen. Denn um diese Zeit habe man doch das Frühstück schon längst hinter sich und die meisten könnten doch noch etwas Herzhaftes für den Heimweg und zur Überbrückung bis zur nächsten Mahlzeit vertragen.

Neben den Steinbergern kommen auch regelmäßig etliche Gäste aus dem Auetal und der Rintelner Kernstadt dazu. Und sogar aus Altenhagen und Bad Eilsen kommen etliche – davon einige mit dem Taxi. Alle „schätzen die Harmonie“ und eine ganze Reihe von Freundschaften sind an der Frühstückstafel entstanden“, verrät Helga Gruhler. Zum Beispiel auch, dass man zum Kennenlernen gerne auch von Tisch zu Tisch gehen könne. „Es ist alles so locker und alle kommen gern ...“

„Die Arbeit leisten wir ehrenamtlich, und wir haben viel Spaß und Freude dabei“, merkt Helga Gruhler an und lässt ahnen, dass sie sich doch noch nicht völlig zurückziehen wird. Denn als Aushilfe, aber nur im Notfall, einzuspringen, das könne sie sich schon vorstellen. Aber als verantwortliche Leiterin wird sie nicht mehr dabei sein, macht sie klar. Denn mit Annemarie Koepke als Nachfolgerin sowie mit Anita Gerber und Gisela Lorenz als erfahrenen Helferinnen wird zunächst erst einmal aus dem Vierer-Team ein Trio werden, das gerne wieder Verstärkung aufnehmen und einarbeiten möchte.

Foto: who
Helga Gruhler und Ortsbürgermeister Heiner Bartling sind zwei, die einander gegenseitig schätzen. Daran lassen sie keinen Zweifel.