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29.04.2017 "Irgendwas geht immer"

Verkehrschaos auf leisten Sohlen: Wie Geisterfahrer die Baustelle auf der Steinberger Kreuzung unsicher machen

Schaumburger Zeitung / 29.4.2017

Steinbergen

Von Jan Oldehus
Navihörige Geisterfahrer in der Baustelle, die unheimliche Begegnung mit einem entgegenkommenden Motorrad, mutwillige Abkürzungsversuche mit zum Teil haarsträubenden Wendemanövern, Sattelzüge, die die Kurve nicht kriegen, Falschabbieger zwischen Verzweiflung und Augen-zu-und-durch-Mentalität („Irgendwas geht immer“) und Autofahrer, die ihr Fahrzeug sehenden Auges zwischen den rot-weißen Sperrbaken hindurch in den ausgekofferten B 83-Abschnitt vor der Steinberger Kreuzung lenken – das alles sind Momentaufnahmen der vergangenen Wochen. „So was passiert hier andauernd“, versichern Peter Blana und Frank Petzold von der Bauaufsicht des Landesstraßenbauamts gegenüber der Schaumburger Zeitung.

Knapp drei Minuten zuvor ist der Fahrer eines auswärtigen Sattelzugs von der mehrfach abgesperrten Rintelner Straße/B 238 aus in die Baustelle gefahren. Das Verkehrszeichen Nr. 267 (Verbot der Einfahrt) hat er dabei offenbar übersehen. Der Einbahnstraßen-Falschfahrer hat „Glück“ – einer kam durch. Ein ebenfalls auswärtiger Pkw-Fahrer, der tags darauf dasselbe versucht, wird von dem aus der Baustelle kommenden Verkehr zum Einlegen des Rückwärtsgangs gezwungen. Er muss wenden und das Weite suchen.

Verkehrsdelikte am laufenden Band, doch von echtem Verkehrschaos keine Spur. Das „ganz normale Chaos“ eben. Das bleibt es sogar am späten Donnerstagnachmittag, als die A 2 wegen des tödlichen Unfalls zwischen Rehren und Lauenau voll gesperrt ist. Wird die Baustellen-Verkehrsführung den ersten „Crash-Test“ bestehen? Nicht ganz, aber fast. Zwar ignorieren unzählige Lkw- und Autofahrer die wohlmeinende Hinweistafel „Navis aus! U 5 folgen!“ an der Autobahnabfahrt Eilsen und biegen nach rechts, Richtung Steinbergen ab, statt nach links, Richtung Bückeburg-Stadthagen-Bad Nenndorf, wo sie – so der Plan – wieder auf die A 2 sollen, doch es kommt anschließend lediglich zu erhöhter Staubildung – ärgerlich für viele Betroffene, aber kein Drama. Kein GAU, wie er vor dem 20. März, dem Baubeginn in Steinbergen, selbst von Landesstraßenbauamtsleiter Markus Brockmann nicht ausgeschlossen wurde.

„Es läuft“, ist auf der Großbaustelle allenthalben zu hören. Der thüringische Humor von Oevermann-Polier Andreas Taubert hat – so scheint’s – auf die meisten Bauarbeiter abgefärbt. Gute Nerven und ein aus Prinzip freundliches Gemüt sind die Folge. Das bekommen auch jene Wanderlustigen zu spüren, die sich nach einem Marsch durch den Wald unversehens zwischen Blechcontainern, Baggern und Baugruben wiederfinden. Das halb überraschte, halb ermahnende „Sie können hier nicht durch!“ klingt eher wie: „Aber lassen Sie sich nicht noch mal erwischen …“ – da hat sich die muntere Truppe auch schon verkrümelt. Die Polizei rufen muss Taubert nur ein Mal, als ein Falschfahrer in der Baustelle steckengeblieben ist.

Polizeioberkommissarin Sibylle Bädermann sagt im Gespräch mit unserer Zeitung: „Ein Unfall wurde uns von der Steinberger Kreuzung bislang nicht gemeldet. Anlieger beschweren sich aber über die zunehmende Anzahl von Falschfahrern auf der Rintelner Straße.“ Was ist mit den Falschfahrern in der Baustelle? „Wir wissen, dass das vorkommt, doch das sind Momentsituationen. Wenn die Polizei kommt, sind die längst weg.“

Vergleichsweise „vorbildlich“ geht es am Bahnübergang zwischen Engern und Westendorf zu, meint Wolfgang Dier. Der BÜP (Bahnübergangsposten) sorgt hier seit Baustellenbeginn in Steinbergen dafür, dass der Umleitungsverkehr auf der Straße den Bahnverkehr nicht beeinträchtigt.

Foto: jan
Dieser auswärtige Pkw-Fahrer überlegt es sich im letzten Moment noch anders. Er wendet auf der Rintelner Straße.