. .

28.06.2017 "Angst vor dem Lehrer gibt es bei uns nicht"

Grüne laden zum Vortrag über Montessori-Schulen ein / Eltern bekunden Interesse

Schaumburger Zeitung / 28.6.2017

Steinbergen

Von Claudia Masthoff
Der Mensch mag es ja eigentlich, wenn man ihm schnelle und einfache Lösungen präsentiert. Dabei sind es gerade mühsame, langwierige Prozesse, die zu kreativen und ungeahnten Lösungen führen können.

Ein kleines Beispiel hierfür kann man derzeit bei der Diskussion um die Steinberger Grundschule verfolgen. Anfangs ging es schlicht um den Erhalt des Schulstandortes im Dorf. Nach der Entscheidung, dass Steinberger Schulkinder nach Deckbergen fahren müssen, begannen die Befürworter des Schulstandortes, nach Alternativen zu suchen. Immer noch stand an diesem Punkt die Verbundenheit der Dorfbewohner mit „ihrer“ alten Schule im Vordergrund. Dort möge es doch irgendwie weitergehen, so der Wunsch.

In der vergangenen Woche konnte man erleben, wie sich in diesem Prozess eine ganz andere Ebene eröffnete. Mit der Einladung des Montessori-Pädagogen Wim Ruijsendaal durch die hiesige Grünen-Fraktion kam nämlich etwas Neues ans Tageslicht: Unter jungen Rintelner Eltern, die einen wesentlichen Teil der Zuhörerschaft ausmachten, besteht offensichtlich Interesse an alternativen Bildungskonzepten.

Schnell hatte der Referent die volle Aufmerksamkeit seines Publikums. Als er vom Schulalltag an einer Montessori-Schule zu erzählen begann, ging ein sehnsuchtsvolles kollektives Seufzen durch die Reihen der Eltern.

„Wir begleiten die Kinder auf Augenhöhe. Angst vor dem Lehrer gibt es bei uns nicht.“ – „Die Schüler lernen individuell. Wir unterstützen jeden Einzelnen darin, das zu erarbeiten, was ihn gerade fasziniert und fesselt.“ – „Auch scheinbar Abstraktes, wie zum Beispiel Mathematik, wird durch die von uns entwickelten Arbeitsmaterialien im wörtlichsten Sinne ‚begreifbar‘. Der Schüler bekommt ‚ein Gefühl dafür‘.“ So lauteten nur einige der vielen Aspekte, die der Leiter des Montessori-Bildungshauses Hannover vorstellte.

Pro-Argumente wie kleine Klassen, ein guter Betreuungsschlüssel, Pädagogen, die sich für jedes einzelne Kind interessieren, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Respekt als innere Grundhaltung – das klang für alle, denen ihre Kinder am Herzen liegen, wie Musik in den Ohren.

Doch eines wurde genauso deutlich: So ein Ort fällt einem nicht in den Schoß. Eine Montessori-Schule will finanziert sein. „In Hannover haben wir uns für eine Staffelung des monatlichen Schulgeldes entschieden. Je nach Einkommen werden da 100 bis 400 Euro im Monat gezahlt“, berichtete der ursprünglich aus Amsterdam stammende Pädagoge.

Der Anfang sei außerdem besonders schwer. Man müsse einen Verein gründen, ein Gebäude finden, einen Plan entwickeln, wie man Ausstattung und die ersten drei Jahre ohne Zuschüsse finanziert.

Auch ganz Praktisches hätten die Vereinsmitglieder zu leisten. Ohne ihre Hilfe beim Einrichten, Renovieren und so weiter lasse sich ein Schulprojekt nicht realisieren – keine ganz leichte Aufgabe.

Doch Ruijsendaal machte auch Mut. „Wir haben mit zwölf Kindern angefangen. Heute besteht die Einrichtung aus Krippe, Kindergarten, Grundstufe, IGS und gymnasialer Oberstufe.“

In Steinbergen fanden sich am Ende der Veranstaltung immerhin 41 Interessierte auf der Liste von Christoph Ochs. „Und ich habe schon im Vorfeld ganz viele Anfragen von Leuten, die heute keine Zeit hatten zu kommen“, so der Grüne, der selbst Vater von zwei kleinen Kindern ist.

Ob sich unter diesen Interessierten jedoch genügend Menschen finden, die bereit sind, Zeit und Geld in den Aufbau einer solchen besonderen Schule zu investieren, wird erst die Zukunft zeigen.

Kontakt:
Für Informationen und Aufnahme in die Vormerkliste:
Rebecca Ochs
rebecca.maria.ochs@gmail.com
oder
0176 / 23956323.

Foto: cm
Ein Konzept für Rinteln? Christoph Ochs von den Grünen (l.) und Montessori-Pädagoge Wim Ruijsendaal.