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26.10.2017 Montessori als Standortvorteil?

Grüne: Alternatives Schulkonzept nicht an Steinbergen gekoppelt / Schulpolitiker entscheiden heute

Schaumburger Zeitung / 26.10.2017

Rinteln

Von Hans Weimann
Heute tagt der Schulausschuss (ab 18 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses, Klosterstraße 20). Auf der Tagesordnung steht unter anderem, wie es in Steinbergen mit der leer stehenden Grundschule weitergehen soll. Die Vorlage der Verwaltung dazu ist eindeutig: Der Schulstandort Steinbergen wird aufgelöst. Punkt.

In Steinbergen kämpft dagegen die Elterninitiative „Montessori“ (auch auf Facebook) weiterhin dafür, dass in Steinbergen eine Schule nach diesem alternativen Konzept gegründet wird und die Stadt die Trägerschaft übernimmt.

Doch das wird es voraussichtlich so nicht geben. Veit Rauch (CDU) wie Astrid Teigeler-Tegtmeier (SPD) haben sich für ihre Fraktionen schon früh dazu geäußert und am Mittwoch in einem Telefongespräch noch einmal ihren Standpunkt bekräftigt.

Veit Rauch drückte es so aus: Die CDU sei nicht bereit, hier Geld zu investieren. Die Schule, das Gebäude dafür freihalten ja, aber keine Trägerschaft.

Teigeler-Tegtmeier sieht es ähnlich: „Wir würden eine Elterninitiative selbstverständlich unterstützen, aber eine kommunale Trägerschaft für eine Montessori-Schule, nein.“

Auch zu diesem Thema hat die Verwaltung jetzt Stellung bezogen: „Da die Stadt als Schulträger nur für die ,äußeren Schulangelegenheiten‘, sprich: die Gebäude zuständig ist, kann sie keinen Einfluss darauf nehmen, dass eine der Grundschule ihre pädagogische Ausrichtung auf die Montessori-Pädagogik umstellt.“ Für die Einrichtung einer weiteren Grundschule gebe es keinen Handlungsbedarf. Die Verwaltung macht auch klar, dass die Stadt schon heute Eltern mehr anbietet, als sie eigentlich nach dem Gesetz müsste: nämlich an den Grundschulen Nord und Süd, sowie in Krankenhagen ein Ganztagsangebot an vier, in Deckbergen und Exten sogar an fünf Wochentagen. Dazu an drei Schulen eine Frühbetreuung ab 7 Uhr.

Doch auch die Verwaltung sperrt sich keineswegs dagegen, dass die Grundschule Steinbergen von einer Montessori-Schule in privater oder anderer Trägerschaft genutzt wird. Da gehe es, wie das Hans-Georg Dlugosch formuliert, nur noch um das „Gebäudemanagement“.

Offen bleibt, ob die Schule überhaupt wieder als Schule genutzt werden kann. Die GVS, die die städtischen Gebäude verwaltet sieht hier nämlich einen Sanierungsbedarf von rund 800 000 Euro. Wer die aufbringen könnte, wenn sich doch ein Träger für eine alternative Schule findet? Völlig offen.

Die Grünen wollen deshalb das pädagogische Konzept einer Montessori-Grundschule auch nicht auf Steinbergen festgelegt sehen.
Für Grünen-Sprecher Christoph Ochs wäre eine solche Schule grundsätzlich ein Standortvorteil für die Stadt Rinteln. Denn bei jungen Familien seien alternative Schulkonzepte zur Regelschule nachgefragt.

Schon heute fahren rund 20 Kinder von Rinteln an die Waldorfschule nach Minden, haben rund 50 Eltern über die Elterninitiative ihr grundsätzliches Interesse an einer Montessori-Schule bekundet. Deshalb kann sich Ochs gut vorstellen, dass in einer Rintelner Grundschulen ein „Montessori-Zweig“ eingerichtet wird. Wobei auch Ochs betont, ihm sei durchaus klar, dass das alternative Konzept nicht für jeden Schüler geeignet sei. Die Kinder lernen hier in kleinen jahrgangsgemischten Gruppen, jedes in seinem eigenen Lerntempo. Kein Modell für Kinder, die Regeln und Anleitung brauchen.

Die Haltung der Verwaltung, die Stadt sei für alternative Schulkonzepte nicht zuständig, hält Ochs für falsch: Ein Großteil der Montessori-Schulen in Deutschland sei in kommunaler Trägerschaft.

In Steinbergen setzt man auf Zeit. Udo Schobeß (CDU) betonte, der Ortsrat sei der Meinung, Schul- wie Bauausschuss sollten sich die Schule erst einmal anschauen, ehe die Ausschussmitglieder eine Entscheidung treffen. Und er wundert sich: „Erst schließen sie in Steinbergen die Schule, weil in Deckbergen genug Platz sei, dann beklagt die Deckberger Schulleiterin öffentlich, sie habe zu wenig Räume für die Inklusion.“

Das spreche doch dafür, wieder Kinder in Steinbergen zu beschulen – statt Container aufzustellen.

Foto: tol
Der Schulstandort Steinbergen soll aufgelöst werden