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25.04.2017 Butterweiche Problemzone

Steinberger Kreuzung: Noch eine "Sünde" der Siebziger / Bushaltestelle auf Graben gebaut

Schaumburger Zeitung / 25.4.2017

Steinbergen

Von Jan Oldehus
Lange Debatten haben auf Baustellen eigentlich nichts verloren, einige Wörter verlieren muss Andreas Taubert, international erfahrener Polier, am Montag aber doch. In einer Baugrube im Kurvenbereich der Kreuzung stocken die Arbeiten für Minuten. Dabei geht es nicht um die freigelegten Kabel im Seitenraum der aufgerissenen Rintelner Straße (diesmal nur Niederspannungsleitungen), sondern um den Zustand des Bodens und wie man damit umgeht. Die alte Bushaltestelle, die hier einst war, ist offenbar auf einem Graben gebaut worden – noch eine „Sünde“ der Siebzigerjahre.

Bereits in der vergangenen Woche hat die Firma Oevermann mit dem Aufbau der neuen Tragschicht für den Fahrbahnbeton auf der Kreuzung begonnen. Die ausgekofferten Abschnitte von B 83 und B 238 werden seitdem ohne Verzögerung mit rötlichem Schotter aufgefüllt und planiert. Diese 30 bis 35 Zentimeter dicke Lage aus bis zu 3 Zentimeter dicken Steinen bildet den untersten Teil des neuen Fahrbahnkörpers.

„Wenn Sie auskoffern“, erläutert Projektingenieur Holger Fröhlingsdorf vom Landesstraßenbauamt im Gespräch mit unserer Zeitung, „erzeugen Sie eine Art Badewanne. Sammelt sich Regenwasser darin, leidet der Boden.“ Dieser seit in Steinbergen lehmig-schluffig, neige durch seine sehr feine Struktur dazu, bei Nässe klebrig zu werden. „Deswegen müssen die ausgehobenen Abschnitte sofort mit Schotter aufgefüllt werden.“ Einen großen Haufen dieses schluffigen Bodens hat der Baggerfahrer im Bereich der ehemaligen Bushaltestelle zutage gefördert. „Eine Überraschung war das nicht“, sagt Fröhlingsdorf und verweist auf die vorliegenden Pläne. Der Boden sei in der Tiefe butterwich, der Wassergehalt zu groß. Wahrscheinlich habe man die Bushaltestelle einst auf einem alten Graben gebaut. Mit der standardmäßigen Drainage, die bereits aus dem Seitenraum der B 83 heraus in den Kurvenbereich hinein verläuft, und bis zu 10 Zentimeter dickem sogenannten „Grobschlag“ (extrem grobkörniger Schotter) werde man den Boden dauerhaft entwässern und stabilisieren.

Für die zweite Maiwoche ist laut Fröhlingsdorf vorgesehen, den Betonunterbau, eine hydraulisch gebundene Tragschicht (HGT), einzubauen, bevor Mitte Juni mit dem Betonieren der Fahrbahndecke begonnen wird. „Während die HGT-Schicht ein, zwei Wochen aushärtet, wird gepflastert.

Foto jan
Das dicke Stromkabel (li.) ist nicht der Grund für den Wortwechsel in der Baugrube. Es geht um die Bodenbeschaffenheit – viel zu viel Nässe im Schluff.