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24.10.2016 Noch zu retten?

Morgen geht es um die Zukunft der "Erlebniswelt Steinzeichen"

Schaumburger Zeitung / 24.10.2016

Rinteln

Von Hans Weimann
Die „Erlebniswelt Steinzeichen“ ist in diesem Jahr zu Saisonbeginn im April nicht eröffnet worden. Dann wurde bekannt, dass der Park in finanziellen Schwierigkeiten steckt. Inzwischen hat Geschäftsführer Josef Wärmer einen Insolvenzantrag gestellt, das Verfahren ist aber noch nicht offiziell eröffnet worden.

Jetzt soll ein Rettungsplan für den Erlebnispark entwickelt werden. Das steht zumindest auf der Tagesordnung der Sitzung der „Leader“-Gruppe Region Westliches Weserbergland, die am Dienstag in der Domänenburg Aerzen zusammenkommt.

Die Idee: An einem runden Tisch sollen Beteiligte wie Interessenten am Steinzeichen zusammenkommen. Die Stadt Rinteln, der Landkreis, das Tourismuszentrum Westliches Weserbergland wollen gemeinsam mit Wärmer nach einem neuen Konzept für den Park suchen und eine Perspektive entwickeln.

Wärmer selbst hatte sich vergeblich um neue Partner oder Investoren bemüht, sogar in Holland. Die angepeilten 100 000 Besucher im Jahr hat der Park nie erreicht, aber 30 000 bis 40 000 Besucher waren in der Saison normal.

Wo die möglichen Probleme des Parks heute liegen, ist bereits von verschiedenen Seiten formuliert worden. Denn es ist nicht nur das oft unbeständige Wetter, die Konkurrenz anderer Freizeitparks, was die Besucherzahlen in den Keller drückt. Es fehlt, sagen Touristikfachleute, dem Park auch eine Linie – ein überzeugendes Konzept, das heute noch trägt.

Gegründet worden war die „Erlebniswelt Steinzeichen“ ursprünglich als Kulturpark, als dezentrales Projekt der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover. Geplant waren unter anderem Solarwälder, Steinkollektionen auf Stahllanzen, eine Arena und ein Marktplatz. Ein „Spacehenge“ sollte entstehen.

Realisiert worden sind nur Teile des Konzeptes. „Die Autobahn als Erlebnispfad“, wie das Arnd Gundlach zur Expo in einer Hochglanzbroschüre formuliert hatte. Auch damals scheiterte bereits manche gute Idee am Geld.

Steinzeichen-Geschäftsführer Wärmer machte im Laufe der Jahre aus dem Kulturpark den Abenteuerpark, der das Steinzeichen heute ist, und verschob den Schwerpunkt auf die Zielgruppe Familie mit Kindern, investierte in Streichelzoo, Goldwaschanlage, Indianerdorf, Rutschen und Kletterberg. Und er umwarb Gruppen, setzte auf Klassenfahren, Ferienfreizeiten, Firmenausflüge. Ein Modell, das offensichtlich so heute nicht mehr funktioniert. Der Park wurde personalintensiv, die Kosten sind aus dem Ruder gelaufen.

Gräbner, der über das Förderprogramm „Leader“ die Initiative ergriffen hat, um den Erlebnispark zu retten, hofft jetzt, dass man den Winter nutzen kann, um eine Lösung zu finden. Denn sollte der Park eine weitere Saison geschlossen bleiben, werde die Chance auf eine Wiedereröffnung immer geringer.

Und dann stellt sich die Frage, was mit dem Park geschehen soll – denn es geht auch um die Verkehrssicherungspflicht auf dem Gelände.

Und dann ist da noch der „Jahrtausendblick“. Expo-Projektmanager Andreas Grosz träumte von einem Bauwerk gleichbedeutend mit Atomium und Eiffelturm. Es wurde eine Aussichtplattform aus Stahl und Glas, die Professor Zamp Kelp ursprünglich als „Wolkentreppe“ für die Sahara geplant hatte.

Ein Konzept, das aufging: Der „Jahrtausendblick“ wurde tatsächlich ein Besuchermagnet, ist heute so etwas wie ein weithin sichtbares Wahrzeichen für jeden, der in Steinbergen auf die Autobahn fährt.

Mit dem „Steinzeichen“ hängt außerdem auch Rintelns Hochseilgarten, der „Air Trail“, im wahrsten Sinne des Wortes in der Luft.

Foto: mld
Auf dem Abstellgleis oder noch zu retten? Am Dienstag wird am runden Tisch über die Zukunft der Erlebniswelt gesprochen. Hier sieht man die Plattform „Jahrtausendblick“, die über Rinteln thront.