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20.05.2016 Arbeitet auch bei Minus 40 Grad

Kindler stellt neue BYD-Batterie-Generation für Stapler vor

Schaumburger Zeitung / 24.5.2016

Rinteln

Von Hans Weimann
Die linke Hand am Lenkrad, die rechte am Bedienpult, dann Gas geben. Und der CDU-Bundestagsabgeordnete Maik Beermann rollt auf dem Hof der Firma C. Kindler GmbH im Industriegebiet Nord locker eine Runde mit einem Gabelstapler, obwohl er vorher nie so ein Arbeitsgerät bedient hat. Und man sieht, es macht Spaß. Dass sich ein Bundestagsabgeordneter ans Steuer eines Gabelstaplers setzt, hat seinen Grund: Bei Kindler im Emerten kann man sich die Zukunft des Elektroantriebs anschauen. Kernstück des Gabelstaplers „Elektric Forklift“ des chinesischen Energieriesen und Staplerherstellers BYD ist nämlich eine neue Batterietechnologie: Lithium-Eisenphospat statt Blei-Säure.

Das heißt in Stichworten, wie Firmenchef Hans-Jürgen Kindler seinen Gästen erläutert: Keine Nassbatterie, die den Geist aufgibt, wenn man sie nicht wartet. Keine Batterie, die über Nacht aufgeladen werden muss, nach der Mittagspause sind die Batterien wieder voll, Zwischenladen funktioniert ohne Memoryeffekt. Das ermöglicht einen Dreischichtenbetrieb. Auch beim Thema Sicherheit punktet Lithium-Eisenphosphat, betont Kindler-Prokurist Julian Legalt: Die Batterien sind nicht entflammbar, da gast nichts aus, die Batterie funktioniert sogar problemlos im Kühlhaus bei minus 40 Grad. Garantiezeit acht Jahre.

BYD steht für „build your dreams“ und Kindler-Geschäftsführerin und Gesellschafterin Nicole Odenram war in China und hat sich dort das BYD-Werk angeschaut. Sie war beeindruckt und erzählt: Ein Betriebsgelände, das ist so groß, wenn sie auf dem Klippenturm stehen, endete das Firmengelände am Möllenbecker Kloster. Der Multikonzern ist weltweit führend beim Verkauf von E-Fahrzeugen. Und das Unternehmen arbeitet an Konzepten, den Nahverkehr in Städten komplett zu elektrifizieren und Batterie-Speicherkraftwerke zu entwickeln.

Wie flexibel die Chinesen auf Kundenwünsche reagieren, macht Julian Legat an einem Beispiel deutlich: Staplerhändler gaben zu bedenken, dass der Handbremshebel aus Hartplastik mit der Zeit rutschig wird. Legat: „Die Stapler im nächsten Container hatten gummierte Handbremshebel“.

Firmenchef Kindler nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um E-Technik geht: „Wir haben in Deutschland den Technologiesprung in der Elektrotechnik verpennt.“

Beermann hat selbst mehrere Tage Elektroautos gefahren, einen Peugeot und einen Renault und lernte bereits am ersten Tag die wichtigste Lektion einen E-Mobilisten: Nie den Ladestand der Batterie aus den Augen verlieren. Beermann blieb prompt mit leerer Batterie unterwegs liegen.

Der Presse diktierte er in den Notizblock, er wolle sich dafür engagieren, dass mehr Mittel für den Ausbau der Infrastruktur für Elektrofahrzeuge und für Forschung eingesetzt werden: „Und wir brauchen einheitliche Stecker, einheitliche Ladesysteme und Karten, die überall akzeptiert werden.“ Insellösungen wie von Tesla seien da nicht hilfreich. Die Kaufprämie für ein E-Auto hält er nicht für die Lösung. Wer sich derzeit ein E-Auto leisten könne, brauche keine Prämie, kaufe das Auto also nicht wegen der 4000 Euro. Firmenchef Hans-Jürgen Kindler ist überzeugt: Die Zukunft ist ein Elektroauto, das mit Solarzellen auf dem Dach aufgeladen wird, der Nutzer ist damit völlig autonom.

Die Firma GSK Gabelstapler-Service hat 2005 in Rinteln begonnen und beschäftigt heute 15 Mitarbeiter. Kindler macht als markenunabhängige Werkstatt alles, was mit Gabelstaplern zu tun hat, ob Diesel oder Elektro, von Wartung und Reparatur, Verkauf und Service bis zur Ausbildung von Gabelstaplerfahrern. Mehr Informationen findet man im Internet auf der gut gemachten Homepage des Unternehmens.

Foto: wm
Bundestagsabgeordneter Maik Beermann am Stapler-Steuer. Firmenchef Hans-Jürgen Kindler erklärt die Technik