. .

23.05.2016 Geteilter Meinung

BIOS lädt zu unbeschwerter Gartenparty - doch unter den Gästen herrscht keine Einigkeit

Schaumburger Zeitung / 23.5.2016

Steinbergen

Von Hans Weimann
34000 Autos, darunter 4000 Schwerlaster täglich, sind zu viel und der Knotenpunkt der Bundesstraßen muss aus Steinbergen raus. Das ist zurzeit wohl der einzige letzte gemeinsame Nenner, auf den sich Bürger in und um Steinbergen noch einigen können. Ansonsten driften die Meinungen über mögliche Trassenführungen für die geplanten Umgehungsstraßen B83 und B238 weit auseinander. Das konnte auch die Gartenparty am Samstagabend im Prinzenhof nicht übertünchen.

Gitarrenlehrer und Musiker Lazlo Rac zupfte gewohnt gekonnt „Griechischer Wein“, die BIOS (Bürgerinitiative Ortsumgehung Steinbergen) hatte 50 Liter Bier spendiert, auf dem Grill brutzelten die Bratwürste und die Sonne versank malerisch hinter den Büschen und Bäumen. Das war es dann aber schon mit der Idylle.

Es sind die möglichen geplanten Trassen, die den Bürgern im Magen liegen. Engerns Ortsbürgermeister Dieter Horn machte am Mikrofon unmissverständlich klar, weder die südliche noch die nördliche Trasse für die B-83-Umgehung wie eingezeichnet werde mit ihm zu machen sein. Es könne nicht sein, dass die Steinberger entlastet, die Bürger von Engern und Ahe aber belastet würden. Im Übrigen durchschneide diese Trasse ein real existierendes Naturschutzgebiet. Hier hatte auch Dr. Nick Büscher, Vorsitzender des Nabu Rinteln, bereits sein Veto eingelegt.

Für die rund 50 Anlieger rund um die Bergstraße meldete sich Markus Schwenk zu Wort. Eine Trassenführung der B238 parallel zur Bergstraße über den Messingberg? Das komme auf keinen Fall infrage. Dann werde sich eine weitere Bürgerinitiative gründen, die, wenn es sein muss, bis vor das Bundesverwaltungsgericht klagt. „Sie können sich ausrechnen, wie lange das dauert.“ Schon aus dieser Perspektive könnte die Stadt Rinteln bei ihrer Machbarkeitsstudie diese Trassenführung ausklammern. Unausgesprochen blieb, was er konkret meinte: Akzeptiert wird nur ein Tunnel.

Steinbergens Bürgermeister Heiner Bartling versuchte zu retten, was zumindest an diesem Abend nicht zu retten war. Bartling appellierte, doch erst einmal das Machbarkeitsgutachten abzuwarten. Er halte es für sinnlos, jetzt schon über Trassendetails zu diskutieren, und: „Der Bund wird das Geld dort hinschieben, wo sich die Bürger einig sind.“

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Karsten Becker vermied es, Öl ins Feuer zu gießen und sicherte der BIOS erst einmal grundsätzlich seine Unterstützung zu. Das Geld für die Planung komme vom Land, der Bundesverkehrsminister habe signalisiert, auch das Geld für die Projekte des „vordringlichen Bedarfs“ im Bundesverkehrswegeplan sei da. Auf einen Zeitraum, wann es losgehen könnte, wollte sich Becker nicht festlegen.

BIOS-Sprecher Jens Wienecke referierte am Mikrofon die BIOS-Geschichte, freute sich über die Top-Einstufung der Umgehungen im Bundesverkehrswegeplan („Unser erstes Ziel ist erreicht.“) und wollte sich die Feierlaune nicht verderben lassen. Er sieht als Vorbild Marienau, wo man acht Jahre für eine Umgehung gekämpft hat. Jetzt ist mit dem Bau begonnen worden.

Skeptiker hielten ihm die Nordumgehung von Bad Oeynhausen entgegen, die 25 Jahre lang geplant, deren Fertigstellung im Herbst dieses Jahres jetzt erneut durch ein Gerichtsverfahren verzögert worden ist.

Und Wienecke hoffte auf eine weitere Höherstufung der Steinberger Entlastungsstraßen über den „vordringlichen Bedarf“ hinaus. Denn da gibt es noch ein „E“. „E“ gleich Engpass. „Keine Chance“, bedauerte Bernd Hugo vom Landkreis sofort. Engpass im strengen Sinn der Definition sei Steinbergen nicht, habe das Straßenbauamt mitgeteilt.

Nach dem offiziellen Teil haben wir unter Zusicherung, niemanden namentlich zu zitieren, Politiker wie Experten um ihre Einschätzung der Situation gebeten. Ergebnis: Für die Umgehung der Bundesstraße 238 werde sich wohl eine Lösung finden lassen, mit der alle leben können. Für die Umgehung der Bundesstraße 83 sei das nach dem Stand der Dinge kaum möglich.

Aus dieser Perspektive sei das von der BIOS geforderte „Gesamtkonzept für die Stadt Rinteln“ (wie es auf dem neuen Flyer heißt) wenig hilfreich. Man sollte erst die Probleme anpacken, die zu lösen sind.

Foto: tol
Mit Bannern macht die Bürgerinitiative Ortsumgehung Steinbergen (BIOS) auf ihre Forderungen aufmerksam. Aber es gibt noch andere Positionen als die der BIOS.