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22.08.2015 Die Behörde sitzt es aus

Der Arensburg-Parkt ist Naturdenkmal - der Nabu möchte daraus ein Naturschutzgebiet machen

Schaumburger Zeitung / 22.8.2015

Steinbergen

Von Hans Weimann
Vor zwei Jahren hat der Naturschutzbund (Nabu) einen Entwurf für eine Verordnung über das Naturschutzgebiet „Hexenteiche an der Arensburg“ vorgelegt. Die Idee des Nabu war, aus dem 6,1 Hektar großen Arensburgpark direkt am Schloss ein Naturschutzgebiet zu machen. Bisher ist der Park ein sogenanntes „flächenhaftes Naturdenkmal“. Nach dem Besitzerwechsel der Arensburg, zu der der Park gehört (wir berichteten), ist das Thema wieder aktuell geworden.

Der Nabu hatte sich bei seinem Entwurf die Mühe gemacht, die Biotope im Park „aneinandergereiht wie Perlen an einer Kette“ einzeln zu beschreiben, auf einer Karte zu definieren und die schützenswerten Pflanzen aufzulisten.

Anlass für den Nabu sei vor drei Jahren gewesen, dass sich die Rahmenbedingungen für flächenhafte Naturdenkmale geändert haben, schilderte der Rintelner Nabu-Vorsitzende Nick Büscher in einem Telefongespräch: „Die dürfen künftig nur noch fünf Hektar groß sein.“ Dann habe man mit Schrecken gesehen, wie der Schloss-Vorbesitzer Heinrich Gruber offensichtlich wahllos Bäume im Park gefällt habe.

Der Nabu sei nach wie vor der Meinung, dass ein Naturschutzgebiet das bessere Instrument sei, um den Park langfristig zu erhalten. Denn dann könnte man Pflegemaßnahmen und einen Entwicklungsplan für den Park durchsetzen.

Martina Engelking, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Schaumburg, stimmt dieser Einschätzung von Büscher durchaus zu, die Sache habe nur einen Haken: Pflegemaßnahmen könnten nicht in jedem Fall dem Besitzer auferlegt werden, sondern müssten unter Umständen vom Landkreis selbst getätigt werden. Auf Deutsch: Das kostet Geld.

Und Engelking nimmt Gruber zumindest in einem Punkt in Schutz. Nachdem sich die Naturschutzbehörde eingeschaltet habe, seien die Fällaktionen unterblieben und wenn, dann mit der Behörde abgestimmt worden. Gruber habe immerhin als Einziger von einem Fachbüro ein Konzept für die künftige Pflege des Parkes erarbeiten lassen. Daraus wurde leider nichts, weil Gruber Schloss und Park verkaufen musste.

Was die Lage noch komplizierter macht: Um aus dem Park ein Naturschutzgebiet zu machen, müsste das „flächenhafte Naturdenkmal“ aufgehoben werden. Hier wiederum hat der Denkmalschutz ein Mitspracherecht. Denkmalschutz wie Naturschutz haben aber manchmal genau entgegengesetzte Zielsetzungen.

Aus der Sicht des Denkmalschutzes könnte es beispielsweise sinnvoll sein eine Sichtachse im ehemals englischen Landschaftspark wieder frei zu schneiden, aus Sicht des Naturschutzes stehen aber genau dort schützenswerte Gehölze. Letzten Endes ist es wohl eine politische Entscheidung, ob der Park den Status Quo als Naturdenkmal behält oder Naturschutzgebiet wird.

Die Waldstücke um das Schloss haben inzwischen mehrere Besitzer. Dem Fürstlichen Forstamt gehören Waldstreifen an der Bundesstraße bis zum ehemaligen Pflegeheim, dem Westendorfer Landwirt Dietrich von Kuehnheim sieben Hektar einschließlich der lang gezogenen Wiese. Er hat diese Parzellen von Gruber erworben.

Von Kuehnheim will, erläuterte er auf Nachfrage, seinen Wald als Bauernwald bewirtschaften, das heißt nachhaltig nur einzelne Bäume schlagen. Hier wachsen Eschen und Buchen von so guter Qualität, schilderte von Kuehnheim, dass man daraus Furnierholz gewinnen könnte. Gruber hat auf der Wiese Galloways weiden lassen. Von Kuehnheim nutzt sie als Heuwiese. Ob er im nächsten Jahr die Wiese beweiden lasse, sei noch offen.

Sechs Hektar Park gehören zum Schloss, damit dem neuen Eigentümer Achim Hecht. Dass dem neuen Eigentümer klar ist, dass der Park ein Naturdenkmal ist, daran zweifelt Engelking nicht. Damit werde Hecht wohl kaum im Park eine Maßnahme veranlassen, ohne die Untere Naturschutzbehörde zu informieren.

Man kann es auch so sehen: Weil sich im Schloss nichts wirklich bewegt, die Immobilie wie ein Wanderpokal hin- und hergeschoben wird, sieht man in Stadthagen derzeit wohl keinen Handlungsbedarf. So wird die Nabu-Initiative wohl weiter im Aktenschrank schmoren, bis sich ein Politiker bemüßigt fühlt, das Thema aufzugreifen.

Foto: tol
Ein Schloss im Wald, so sieht es aus der Vogelperspektive aus. Ein Wald, der teilweise Naturdenkmal ist und drei Eigentümern gehört.