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21.08.2013 "Wir gehen am Bedarf vorbei"

Kein Schlafraum und zu wenig Platz: Kirche und Kindergarten-Team wünschen sich Neubau

Schaumburger Zeitung / 21.8.2013

Steinbergen

(jaj) Eigentlich könnte der evangelische Kindergarten Steinbergen sich freuen: Er hat einen guten Ruf, viele Eltern melden ihre Kinder an, und die meisten von ihnen nutzen die Betreuung mindestens bis 14 Uhr. Genau das stellt das Team der Kita jedoch auch vor Probleme, denn einen ausreichend großen Schlafraum für die Krippenkinder gibt es nicht, und der Speisesaal ist eigentlich auch zu klein. „Wenn wir die Räumlichkeiten nicht anpassen, gehen wir am Bedarf vorbei“, warnte Pastor Stephan Strottmann – und plädierte deshalb während der jüngsten Ortsratssitzung für einen Kindergarten-Neubau.

Genau das stellt das Team der Kita jedoch auch vor Probleme, denn einen ausreichend großen Schlafraum für die Krippenkinder gibt es nicht, und der Speisesaal ist eigentlich auch zu klein. „Wenn wir die Räumlichkeiten nicht anpassen, gehen wir am Bedarf vorbei“, warnte Pastor Stephan Strottmann – und plädierte deshalb während der jüngsten Ortsratssitzung für einen Kindergarten-Neubau.

Auch die Kita-Leiterin Martina Meyer machte deutlich, wieso die derzeitige Situation alles andere als ideal ist. 46 Kinder seien aktuell fürs Mittagessen angemeldet, im kleinen „Speisesaal“ haben jedoch nur elf Kinder gleichzeitig Platz. Die Kindergartenkinder essen deshalb in drei Etappen, die Krippenkinder nehmen ihre Mahlzeiten im Krippenraum ein.

Das zweite große Problem betrifft die Krippe. 14 Plätze für Kinder im Alter von ein bis drei Jahren werden zurzeit angeboten, und diese Kinder müssen mittags natürlich auch schlafen. Als Schlafraum steht jedoch nur die alte Küche zur Verfügung – und in die passen nur fünf Betten. „Die anderen Kinder schlafen in Reisebetten im Gruppenraum“, erklärt Meyer. Das bringe ein weiteres Problem mit sich: „Wenn die ersten Kinder aufwachen, müssen sie deshalb in der Garderobe betreut werden, damit die anderen nicht aufwachen.“

Aus diesen Gründen haben das Team des Kindergartens und die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Steinbergen als Träger der Einrichtung die Vision von einem Neubau entwickelt. Als möglichen Standort schlagen sie das kircheneigene Pachtland gegenüber der Feuerwehr Im Roten Tor vor.

Sorge, dass der demografische Wandel zukünftig einen Rückgang der Kindergarten- und Krippenkinder mit sich bringen könnte, hat Strottmann nicht. Er ist sich sicher, dass auch im nächsten Jahr alle Kindergartenplätze besetzt werden können. Für die Betreuungszeiten von 14 bis 16.30 Uhr hätte es schon in diesem Jahr eine Warteliste gegeben, ebenso für die Krippenplätze.

Eine Nachfrage von Udo Schobeß (CDU), ob alle angenommenen Kinder aus Steinbergen kommen, verneinte Strottmann. Bei dem überwiegenden Teil handele es sich um Steinberger Kinder, es würden aber auch Kinder aus umliegenden Ortsteilen aufgenommen.

Auch wenn die Kirche Träger des Kindergartens ist, gehört das aktuell genutzte Gebäude der Stadt Rinteln – und auch den Neubau soll daher die Stadt finanzieren. Der Erste Stadtrat Jörg Schröder sah den Plan jedoch kritisch. Eine Aufstellung der Gemeinnützigen Verwaltungs- und Siedlungsgesellschaft (GVS) zeigt, dass die Stadt in den vergangenen 15 Jahren rund 290000 Euro in das Gebäude investiert hat, um es auf dem neuesten Stand zu halten. „Das Gebäude und das Außengelände sind attraktiv und baulich auch für zukünftigen Bedarf geeignet“, ist er sich sicher. Dies würden die Steinberger Geburtenzahlen zeigen. Gerade weil auch Kinder aus anderen Ortsteilen den Kindergarten nutzen, sei vielmehr zu überlegen, ob man nicht besser eine neue Krippe in einem Ortsteil einrichten sollte, in dem es bisher noch kein solches Angebot gibt, anstatt in Steinbergen neu zu bauen.

Diesen Einwand wollte Kita-Leiterin Meyer nicht gelten lassen. „Der Neubau soll nicht sein, weil wir Kinder aus einem anderen Ort aufnehmen wollen, sondern weil die Auslastung eine andere geworden ist“, erklärte sie. Seien früher Betreuungszeiten von 8 bis 12 Uhr normal gewesen, bleibe ein Großteil der Kinder heute mindestens bis 14 Uhr – und dafür sei das Gebäude einfach nicht geeignet. „Wir werden nächstes Jahr wahrscheinlich nicht allen Kindern, die derzeit bis 14 Uhr in der Krippe betreut werden, auch einen Kindergartenplatz bis 14 Uhr anbieten können“, zeigte sie eine Konsequenz auf. Der Bedarf sei einfach größer als die Möglichkeiten, die die Räume bieten.

Steinbergens Ortsbürgermeister Heiner Bartling (SPD) merkte an, dass der heutige Kindergarten ursprünglich als Dorfgemeinschaftshaus gebaut wurde. „Es entspricht nicht mehr den Kindergarten-Anforderungen der heutigen Zeit.“ Die Argumente der Kirche und der Kindergartenleitung seien daher nicht von der Hand zu weisen, auch wenn die Situation eine andere wäre, wenn man sich auf Kinder aus Steinbergen beschränken würde.

Einen Antrag auf Neubau eines Kindergartens formulierte der Ortsrat während der jüngsten Sitzung nicht. Die Mitglieder erwarten jedoch, dass bei Weiterentwicklungen im Kita- und Krippenbereich im gesamten Stadtbereich zukünftig immer eine Rückkopplung mit dem Ortsrat erfolgt.

Foto: tol
Das heute genutzte Kindergarten-Gebäude ist einst als Dorfgemeinschaftshaus geplant worden.