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21.04.2016 Steinberger Ortsumgehung nach Engern?

Bürger über Pläne von BIOS empört: "Diese Idee ist eine Frechheit"

Schaumburger Zeitung / 21.4.2016

Engern

Von Jakob Gokl
Die Stimmung ist aufgeheizt. Ortsbürgermeister Dieter Horn zeigt einigen Bewohnern, wo laut Plänen der Bürgerinitiative Ortsumgehungen Steinbergen (BIOS) die Entlastungsstraße verlaufen könnte. Eine Variante sieht sie nördlich von Engern, eine andere südlich von Engern vor. „Beides ist absolut undenkbar“, erklärt Horn und erntet Zustimmung aus der kleinen Gruppe. „Ich bin entsetzt“, führt er aus, „dass im Hinterzimmer solche Pläne geschmiedet wurden.“ Von der Bürgerinitiative sei nie jemand an ihn herangetreten. „Auf so eine linke Art planen sie jetzt eine Straße durch die kleine Schweiz, eine der schönsten Ecken von Engern.“ Die südliche Variante sei ebenfalls undenkbar, sie führe direkt durch ein Naturschutzgebiet.

Horn und die anderen Enger’schen betonen, grundsätzlich die Sorgen der Steinberger ja zu verstehen. Deswegen hätten viele von ihnen auch die Petition der Bürgerinitiative unterzeichnet. „Aber dass sie uns jetzt in den Rücken fallen, damit haben wir nicht gerechnet.“

Auch Dr. Nick Büscher, der Vorsitzende des Nabu Rinteln, hält die Vorschläge für „völlig inakzeptabel“. Variante sechs würde durch ein Gebiet mit „herausragender naturgeschichtlicher Bedeutung“ führen, Variante fünf „das Naturschutzgebiet „Aher Kämpe“ komplett zerschneiden und diesen Altarm der Weser, der mit seinen alten Hecken und extensiv genutzten Grünlandflächen wichtige Biotope für zahlreiche Vogel- und Amphibienarten darstellen, zerstören“, schreibt der Nabuvorsitzende in einer Stellungnahme, die der Redaktion vorliegt.

Doch bisher seien diese Pläne bei den Enger’schen kaum bekannt, meint Horn. Auch er selbst habe sie erst nach der Berichterstattung unserer Zeitung durch Zufall auf der Homepage der Bürgeriniative entdeckt. Offenbar sei die Bürgeriniative durch den Druck der nördlichen Steinberger Einwohner eingeknickt und wolle die Straße nun einfach so weit wie möglich um Steinbergen herum führen. „Und es könnte durchaus sein, dass diese Pläne plötzlich Realität werden, wenn wir nicht protestieren“, appelliert Horn an die Bewohner von Engern. Noch bis zum zweiten Mai habe man die Möglichkeit, Stellungnahmen zum Bundesverkehrswegeplan abzugeben.

Gespräche zwischen Engerns Ortsrat und der Steinberger Bürgerinitiative habe es noch nicht gegeben. „Wir wurden nicht eingeladen, obwohl das Thema uns ja offensichtlich betrifft“, wundert sich Horn.

Einzig beim Fußballspiel zwischen Engern und Steinbergen am Wochenende hätten sich einige Steinberger schon süffisant die Strecke „ihrer Umgehungsstraße“ am Sportplatz von Engern angesehen, erzählt Torsten Umbach, ein direkter Anwohner der Variante 6.

Auch für Ahe hätte die Umgehungsstraße, wie sie in Variante 5 von der Bürgerinitiative angedacht war, schwere Auswirkungen, warnt Horn. „Das ist alles Überschwemmungsgebiet. Die Straße müsste also in Teilen auf einem Damm gebaut werden. Und dann säuft uns Ahe ab.“

Grafik: tol
Variante 5 und Variante 6 der von der BIOS vorgelegten Pläne erregen in Engern die Gemüter.