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21.01.2013 Otto Deppmeyer gewinnt Herzschlagfinale

Christdemokrat gewinnt Wahlkreis 38 / Politiker-Karriere für Heiner Bartling (SPD) beendet

Dewezet / 21.1.2013

Hameln/Rinteln

Von Hans-Joachim Weiß
Es war ein Herzschlagfinale, wie es spannender und enger nicht hätte sein können: Erst als im Wahlkreis 38 (Hameln/Hessisch Oldendorf/ Rinteln) der letzte der 55 Wahlbezirke ausgezählt worden war, stand mit Gewissheit fest, dass Otto Deppmeyer das Direktmandat gewonnen hat. Der Christdemokrat erhielt 40,2 Prozent der Erststimmen und zieht damit zum zweiten Mal auf direktem Weg ins Landesparlament. Ex-Innenminister Heiner Bartling zog mit 39,6 Prozent nur knapp den Kürzeren. Für den Sozialdemokraten ist damit nach 27 Jahren im Niedersächsischen Landtag die politische Karriere beendet, denn über die Landesliste ist der Rintelner nicht abgesichert.

„Ich kann nicht verbergen, dass ich den Wahlkreis gerne gewonnen hätte“, sagte Bartling, nachdem er Deppmeyer zum Sieg gratuliert hatte. Er gestand auch ein, auf dieses Ergebnis nicht vorbereitet gewesen zu sein. „Aber damit muss man in der Demokratie immer rechnen. Ich habe ein Rauf und Runter in der Politik ein paar Mal erlebt, und diesmal ging es eben runter“, zeigte sich der SPD-Politiker gefasst. Bartling will sich nun weiter in der Kommunalpolitik engagieren und künftig verstärkt seinen Ehrenämtern als Präsident des Niedersächsischen Turnerbundes und der Niedersächsischen Verkehrswacht nachkommen.

Die Anspannung stand Otto Deppmeyer hingegen trotz des Sieges noch lange ins Gesicht geschrieben. „Die Auszählung nach 18 Uhr war anstrengend“, bekannte der Hemeringer, der sein Wahlergebnis von vor fünf Jahren nahezu bestätigen konnte. 2008 hatte es der Landespolitiker auf 40,5 Prozent der Stimmen gebracht. Auf den Wahlabend vorbereitet hat sich der Christdemokrat durch einen ausgedehnten Mittagsschlaf, wie er freimütig bekannte. Allerdings fügte er auch hinzu: „Wer so viele Wahlen hinter sich hat wie ich, fängt nicht Wochen vorher an zu zittern.“

Freude herrschte gestern auch bei Anja Piel. Die Spitzenkandidatin der Grünen wird fortan über die Landesliste im Landtag vertreten sein. Die Fischbeckerin konnte ihr persönliches Wahlergebnis mit 11,4 Prozent fast verdoppeln. Bei der vorausgegangenen Landtagswahl hatten 6,9 Prozent der Wähler für die Grünen-Politikerin votiert. „Über dieses Resultat freue ich mich sehr“, erklärte die Spitzenkandidatin, die sich gestern Abend in Hannover aufhielt. Durch ihren Einzug ins Landesparlament könne die Region Weserbergland jetzt insbesondere zu Themen rund um das Atomkraftwerk Grohnde und zur Weserversalzung mit Unterstützung der Grünen auf Landesebene rechnen, versprach sie.

Große Enttäuschung dagegen bei Constantin Grosch, der im Falle eines Einzugs der Piraten in den Niedersächsischen Landtag wegen seiner Listenplatzierung ein Mandat sicher gehabt hätte. „Wir haben uns alle etwas mehr ausgerechnet“, bekannte der Hamelner, sprach jedoch davon, dass es für „das erste Mal“ ein recht ordentliches Ergebnis gewesen sei. Grosch einte im Wahlkreis 38 als Schlusslicht der Direktkandidaten 2,2 Prozent der Erststimmen hinter sich. „Natürlich malt man sich etwas aus“, erklärte Grosch, um dann gleich zur Realität zurückzukehren: „Es war ein Versuch. Mit 20 Jahren habe ich noch genug Zeit, etwas auszuprobieren. Ich werde jetzt weiter studieren und mich meinem Kreistagsmandat widmen.“

Bestätigt ob des Wahlergebnisses fühlt sich Kathrein Bönsch. „Ich habe jeden, den ich getroffen habe, gebeten, uns die Zweitstimme zu geben und die Erststimme der CDU. Das ist aufgegangen“, freute sich die FDP-Kandidatin, die 3,1 Prozent der Erststimmen erzielte und damit noch hinter dem Bewerber der Linken rangiert. Doch das ist für die Liberale zweitrangig. „Das schmerzt noch nicht einmal ansatzweise“, erklärte sie. Dass ihre Partei an der Zehn-Prozent-Marke kratzt, war auch für Bönsch eine große Überraschung. „Ich habe damit gerechnet, dass wir auf jeden Fall über fünf Prozent kriegen und davon geträumt, dass es über acht werden. Umso mehr freue ich mich“, sagte sie. Eine erneute Kandidatur für ein Landtagsmandat schließt sie aus: „Ich wünsche mir, dass es nun Jüngere machen.“

Bernd Mex, Vertreter der Linken, sprach von einer ganz bitteren Pille, zumal seine Partei nun nicht mehr im Landtag vertreten sein wird. „Es sieht ganz danach aus, dass die Linke im Wahlkampf zwischen den Mühlsteinen von Schwarz-Gelb und Rot-Grün zerrieben worden ist“, bilanzierte der Braunschweiger, der 3,5 Prozent der Erststimmen erzielte.

Foto: Wal
Große Freude bei der CDU: Otto Deppmeyer gewann den Hamelner Wahlkreis, Petra Joumaah den Bad Pyrmonter.