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19.08.2015 Neuer Besitzer - keine Lösung

Mehr als zwei Millionen Euro für Arensburg-Sanierung nötig / Stadt will Baudenkmal nicht selber retten

Schaumburger Zeitung / 19.8.2015

Steinbergen

Von Hans Weimann
Im Frühjahr dieses Jahres hatten Mitarbeiter des Bauamtes im Schloss Arensburg die Schäden aufgelistet, die im Laufe der letzten Jahre durch eindringenden Regen entstanden sind und auf Fotos dokumentiert – die Rede ist da auch von fehlenden Fensterflügeln, defekten Fallrohren und Durchfeuchtungen in den Dachschrägen. Daraus wurde für die damalige Schlossherrin Christiane Bennink aus Münster ein Notmaßnahmenkatalog mit elf Punkten zusammen- und ihr zugestellt. Baumaßnahmen, die weitere Schäden durch Wassereinbruch verhindern sollen.

Inzwischen ist die Arensburg verkauft, neuer Besitzer Achim Hecht. Hecht wollte in den letzten Wochen nicht nur seine neu erworbene Immobilie besichtigen, sondern bei dieser Gelegenheit in einem Gespräch auch erklären, wie die von der Stadt geforderten Rettungsmaßnahmen umgesetzt worden sind und gleichzeitig ein mögliches Nutzungskonzept für das Schloss vorstellen. Doch Hecht vertröstete von Woche zu Woche. Unter der angegebenen Telefonnummer war er in den letzten Tage nicht zu erreichen.

Dirk Sassenberg, der sich als „Hausmeister“ darum kümmert, dass im Schloss keine Vandalen mehr auftauchen, sagt: „Da sind wohl ein paar neue Dachziegel aufgelegt worden, aber mehr wohl nicht.“ Auch bei der Stadt ist man über den Stand der Dinge nicht informiert, denn Erster Stadtrat Jörg Schröder erklärte gestern auf Anfrage, der neue Schlosseigentümer sei am 13. August angeschrieben worden. Er solle darüber Auskunft geben, welche Reparaturen inzwischen vorgenommen worden sind oder nicht.

Kai Kobold aus Köln, der im letzten Jahr ebenfalls für das Schloss einen Investor gesucht hat und immer noch sucht, sagt, nach seinen Informationen arbeiteten Bennink und Hecht als ihr Immobilienberater seit Jahren zusammen. Warum also ein Besitzerwechsel zwischen der Zahnärztin und Geschäftsfrau und ihrem Immobilienberater? Auch dafür hat Kobold eine Erklärung: Die Zahnärztin sei vermutlich nicht bereit, die von der Stadt geforderten Erhaltungsmaßnahmen zu bezahlen. Die würden sich nämlich, so sagt Kobold, nach seiner Schätzung auf eine sechsstellige Summe summieren, wenn man es durch Handwerker machen lässt.

Kobold kennt wohl das Schloss im jetzigen Zustand so gut wie kein Zweiter, denn er hat in einer dicken Akte den Bauzustand dokumentiert. Drei Wochen habe er im Schloss zugebracht, schildert Kobold, Handwerker hineingeschickt, um ermitteln zu können, wie viel Geld ein Investor zusätzlich zum Kaufpreis für eine Schlosssanierung ausgeben müsste, um es bewohnbar und nutzbar zu machen. Zwischen zwei und zweieinhalb Millionen Euro, so sein Ergebnis. Kobold hatte auch ein Konzept: Wohnen im Schloss und den Nebengebäuden wie der Zehntscheune, im unteren Bereich Veranstaltungen. Der Preis für das historische Gemäuer ist längst ein Pokerspiel: Für 254000 Euro hatte Bennink die Immobilie in Köln ersteigert, für 490000 Euro wurde sie bei Immobilien Scout angeboten, 280000 Euro soll Bennink von Dominik Koch aus Dortmund gefordert haben, der an der Immobilie ebenfalls interessiert war. Doch noch vor Vertragsunterzeichnung zog Bennink ihr Angebot zurück.

Dass Hecht in das denkmalgeschützte Gebäude investiert, kann sich Kobold nicht vorstellen. Für Kobold ist klar: Die Stadt Rinteln als untere Denkmalschutzbehörde schaut weiter zu, wie das Baudenkmal langsam verfällt. Bereits bei dem Vorbesitzer, dem Erfinder Heinrich Gruber, habe die Stadt untätig zugeschaut, wie der Bäume abgeholzt, Umbauten im Schloss vorgenommen habe, die er nie hätte tun dürfen. Kobold meint, die Stadt hätte von ihrem Vorverkaufsrecht Gebrauch machen sollen, um das Schloss zu retten.

Für Schröder völlig illusorisch: Die Stadt werde das Schloss nicht kaufen – nicht kaufen können. Niemand könne erwarten, dass die öffentliche Hand jede Ruine rettet. Und wenn jetzt nichts passiert, weil der neue Eigentümer nicht bereit ist, zu investieren oder nötige Sicherungsarbeiten nicht finanzieren kann? Dann, so Schröder, verfällt das Schloss.

Für so unwahrscheinlich hält Kobold dieses Szenario nicht. Noch ein Winter, ohne dass Dächer und Fenster dicht sind, und im Balkenwerk des Obergeschosses sitzt der Hausschwamm. Hausschwamm sei meldepflichtig und nur aufwendig wieder loszuwerden. Eine Sanierung sei kaum mehr finanziell darstellbar.

Kobold erzählt, als er in Rinteln war, habe er sich mit Rintelnern über die Arensburg unterhalten: „Die sehen die Burg wie den Hauptstadtflughafen Berlin. Als unendliche Geschichte, die nur noch nervt und bei der niemand mehr durchblickt.“

Und dann ist da noch die Sache mit den fünf Wappenfenstern, die die Stadt für das Museum „aus privater Hand erworben“ und die zwei gotischen Fenster, die die Stadt „gekauft“ haben soll. Begründung: Diese Fenster hätte man retten müssen. Für Kobold lobenswert, nur warum die Stadt dafür bezahlt habe, sei ihm ein Rätsel. Die Stadt hätte die Fenster einfach beschlagnahmen können. Stimme die Logik, die Fenster hätte man deshalb „kaufen“ müssen, um sie zu retten, dann könnte jeder Investor das Schloss einfach ausschlachten, seine Fenster, Türsturze, Kamine, den Bodenbelag, die Decken ausbauen und auf dem Antiquitäten- und Kunstmarkt weiter verkaufen: Da kommt schon eine halbe Million zusammen.

Foto: tol
Geht trotz neuen Besitzers einer ungewissen Zukunft entgegen: Für das Baudenkmal Arensburg ist keine Sanierung und Nutzung in Sicht

Hilfe für Wohnen in historischen Gebäuden anbieten
Arbeitskreis Denkmalschutz vermisst Konzept und Leitbild der Stadt / Sorge um Verfall der Arensburg

Rinteln

(red) Geht die Arensburg in Steinbergen ungebremst ihrem Verfall entgegen? Das zumindest befürchten einige Steinberger und der Verein Arbeitskreis Denkmalschutz Rinteln (AKD). Statt in Denkmallisten könnte in 20 Jahren die verlassene Ruine der Arensburg nur noch als historische Kulisse in den Hochglanzbroschüren der Tourismusbüros beschrieben werden.

Es handele sich um ein Baudenkmal, das im amtlichen Verzeichnis (Denkmalliste) als Bauwerk mit geschichtlicher Bedeutung aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes für Bau- und Kunstgeschichte bezeichnet wird, teilt der AKD mit. Park, Zehntscheune und Auffahrtsrampe seien ebenfalls geschützt, sähen augenscheinlich aber auch dem endgültigen Verfall entgegen.

Der AKD hatte den Museumsleiter Stefan Meyer eingeladen, um Näheres über die Geschichte der Arensburg und die aktuellen Entwicklungen zu erfahren. Der AKD dankte Meyer für die Sicherung einiger Fenster und kritisierte „das zu lasche Handeln der Rintelner Verwaltung bis 2014, denn zu selten (oder möglicherweise zu nachlässig) wurden die Postulate des niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes beachtet. Erst spät wurden Sicherungsmaßnahmen seitens der Unteren Denkmalbehörde angeordnet.“

Die gesetzliche Verpflichtung der Unteren Denkmalbehörde, angesiedelt seit 2004 bei der Stadt Rinteln, den Kerngedanken des Denkmalschutzgesetzes („Denkmalschutz und Denkmalpflege als öffentliche Aufgabe“) in konkretes Handeln umzusetzen, wurde – so der Vorstand des AKD – bis vor einem Jahr viel zu schleppend und zu oberflächlich umgesetzt. Nun hofft der AKD auf einen neuen Eigentümer, der sich für die sachgemäße Erhaltung einsetzt.

Der AKD vermisst einen Plan der Stadt Rinteln, um Eigentümern von denkmalgeschützten Häusern eine konkretere Unterstützung seitens der Stadt anzubieten. Koordination und Erfassung gefährdeter Fachwerkbauten würden fehlen. Der AKD meint: Ein Plan zum Thema „Fachwerkstadt Rinteln 2030“ scheint in den Köpfen der politisch Verantwortlichen jedenfalls nicht zu existieren.

Der AKD schlägt vor, einen Beirat einzurichten, der die Stadt in Fragen des Baudenkmalschutzes unterstützt. Dieser Beirat könnte ein öffentliches Forum sein für den gemeinsamen Dialog über das Zusammenführen des baukulturellen Erbes – das einen bedeutsamen Standortfaktor (sanfter Tourismus) darstellt m– und einer zeitgemäßen Architektur in einer sensiblen historischen Umgebung. Eine offene Dialog- und Entscheidungskultur würde das weit verstreute Wissen zum Thema „Wohnen in einem historischen Gebäude“ zusammenführen und bürgerschaftliche Mitwirkung auf dem Weg zu „Rinteln 2030“ bedeuten.