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19.06.2018 Damit in Steinbergen das Licht nicht ausgeht

Wie Initiativen mit Schnittmengen die Lebens- und Wohnqualität fördern

Schaumburger Zeitung / 19.6.2018

Steinbergen

Von Werner Hoppe
Steinbergen war mal ein florierendes Dorf mit einer intakten und vielfältigen Infrastruktur und sogar als Luftkurort mit Pensionen und Cafés attraktiv für Urlauber, die seinerzeit noch Sommerfrischler genannt wurden. Vieles hat sich seit damals verändert: Die Ära als Luftkurort ist längst passé. Die Zeiten haben sich geändert, viele ein florierende Geschäfte, Gastronomien, Übernachtungsstätten und jüngst sogar die Grundschule im Ortszentrum wurden geschlossen. Aber trotzdem lohnt es sich, daran zu arbeiten, dass das Wohnen und Leben in Steinbergen auch in Zukunft attraktiv bleibt. Mit unterschiedlichen Initiativen sowie Ansätzen auf unterschiedlichen Ebenen verfolgen Lokalpolitiker, Geschäftsleute und engagierte Steinberger Einwohner das gleiche Ziel. Und es müssen nicht unbedingt die großen Leuchtturmprojekte sein, die zum Erfolg beitragen, machen die aktuellen kleinen Beispiele deutlich, die gleichzeitig Schnittmengen und Synergien pro Steinbergen aufzeigen.

Schon mit kleinen Verbesserungen ist manchmal viel erreicht, es müssen nicht immer die großen Projekte sein, ist stellvertretender Ortsbürgermeister Sascha Gomolzig überzeugt. Darum konzentriere er sich auf die Förderung und das Voranbringen scheinbar kleiner Projekte. Und davon gibt es eine ganze Reihe, die mit einer Philosophie der kleinen, aber beharrlichen Schritte realisiert werden konnten, macht unter anderem eine kleine Ortsbesichtigung mit dem stellvertretenden Ortsbürgermeister sowie Ortsratsmitglied Jens Wienecke am Wochenende deutlich.

Als sichtbares Ergebnis von Wieneckes Anregung im Ortsrat vom Herbst 2017 steht jetzt eine funkelnagelneue Ladesäule für Elektrofahrzeuge am Hallenbad. Die Stadtwerke Rinteln haben damit die Anregung aufgegriffen und praktisch umgesetzt, erklärt Wienecke, der sich persönlich auch als überzeugter Elektro-Automobilist outet. „Ich habe mir zu Hause auf eigene Kosten meine eigene Ladebox installieren lassen“, entkräftet er vorab jede Vermutung einer bevorzugten Behandlung von Lokalpolitikern durch die Stadtwerke. Es gehe einzig und allein um die Förderung der Elektromobilität in der Stadt mit ihren Ortsteilen. „Wir haben hier einen Super-Standort in direkter Nachbarschaft von Hallenbad und Kino“, ist er stolz auf den Erfolg des Projektes Ladestation. Überhaupt lobt er die unkomplizierte Kooperation mit den Stadtwerken und der Verwaltung: „Es gibt ja mittlerweile schon viele Ladesäulen in Rinteln, und damit sind wir in der Stadt sehr gut bestückt.“

Auch einige andere kleinere Baustellen, dafür aber mit vergleichsweise großer Auswirkung konnten nach demselben Prinzip abgearbeitet werden, zählt Sascha Gomolzig auf. So sei es ermöglicht worden, dass die Straßenbeleuchtung in Steinbergen nachts nicht ausgeschalte werde. „Vor allem ältere Leute haben dazu gesagt, dass sie sich so sicherer fühlen.“ Als Erfolg einer anderen Initiative wertet er, dass Steinbergen mit der Eröffnung des Cafés Marlene an der Hamelner Straße ein Treffpunkt mit einem Backwaren-Verkauf erhalten geblieben ist.

Aber es gibt da eine Großbaustelle, wo es zurzeit nicht recht vorangeht, bedauert Gomolzig. Die ehemalige Grundschule müsse erhalten bleiben, benennt er ein Herzensprojekt, das ihm persönlich besonders auf den Nägeln brennt. Zwar werde wohl seitens der Stadt mit der Immanuelschule aus Bückeburg immer noch über die Übernahme des Gebäudes in freie Trägerschaft verhandelt, aber die Zeit dränge, und im Stadtgebiet gebe es zahlreiche Eltern beziehungsweise Immanuelschüler, für die ein Schulstandort Steinbergen attraktiv sei. „Und es gibt auch Möglichkeiten, dass sogar sozial schwache Familien ihre Kinder hierher schicken könnten.“

Welche Auswirkungen die Schließung der Grundschule und die Ausdünnung der Infrastruktur des Ortes haben, erklärt Gomolzig an einem Beispiel, das ihm noch ganz frisch vor Augen steht. So habe ihm kürzlich eine junge Familie, die erst vor einigen Jahren aufgrund der guten Voraussetzungen nach Steinbergen gezogen sei, mitgeteilt, wieder fortziehen zu wollen. Die Schließung der Schule im Ort habe letztlich den Ausschlag dafür gegeben, dass die Familie ihr Haus in Steinbergen wieder verkauft und sich bereits am neuen Wohnort schon ein anderes gekauft habe. „Das ist eine Sache, die mir auch persönlich wehtut.“ Darum wünsche er sich, dass die Stadt Rinteln in Sachen Verkauf des Schulgebäudes an die Immanuelschule „etwas flexibler reagiert“.

Foto: who
Die neue Ladestation für Elektrofahrzeuge hat am Steinberger Hallenbad einen idealen Standort. Jens Wienecke (li.) und Sascha Gomolzig hatten sich im Ortsrat für die Installierung der Stromtankstelle stark gemacht.