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17.03.2016 Drei Ortsumgehungen geplant

Mit vordringlichem Bedarf im Bundesverkehrswegeplan: Steinbergen (B238, B83) und Möllenbeck (B238) könnten kommen

Schaumburger Zeitung / 17.3.2016

Steinbergen/Möllenbeck

Von Jakob Gokl
Die Ereignisse haben sich gestern Nachmittag überschlagen. Nachdem interne Quellen schon gegen Mittag gegenüber der SZ bestätigten, dass die Güterbahntrasse gekippt worden ist, kristallisierte sich erst im Laufe der Zeit heraus, was für ein erfolgreicher Tag es für die Weserstadt sein würde. Nicht nur die geplante Ortsumgehung Steinbergen an der B83 befindet sich mit vordringlichem Bedarf im Bundesverkehrswegeplan (BVWP). Auch die Ortsumgehung durch die B238 in Steinbergen und die Ortsumgehung der B238 in Möllenbeck haben einen vordringlichen Bedarf ausgewiesen bekommen.

- Ortsumgehung Steinbergen (B83): Den mit Abstand höchsten Nutzen-Kosten-Faktor bekam die Ortsumfahrung an B83 ausgewiesen, nämlich eine satte 10. Das ist der höchste mögliche Wert im wichtigsten Entscheidungskriterium des BVWP. Hinzu kommt eine sehr positive städtebauliche Beurteilung mit „hoch“. Laut BVWP könnte die Umgehung 9,1 Millionen Euro kosten. Sie soll 2,1 Kilometer lang werden und zweispurig verlaufen.

- Ortsumgehung Steinbergen (B238): Mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von 4,5, einem vordringlichem Bedarf und einer „hohen“ städtebaulichen sowie umwelt- und naturschutzfachlichen Beurteilung ist die Ortsumfahrung in Steinbergen durch die B238 ausgewiesen worden. Sie könnte laut BVWP 16,1 Millionen Euro kosten. Das wäre die bereits in unserer Zeitung diskutierte Tunnel- beziehungsweise Troglösung. Dieser sollte bei der Grafensteiner Höhe von der bisherigen Führung der B238 abgehen und ungefähr auf Höhe der Steinberger Brücke wieder zur B83 zurückführen. Sie wäre damit etwa 1,5 Kilometer lang und soll zwei oder vierspurig gebaut werden.

- Ortsumgehung Möllenbeck (B238) Etwa 7,7 Millionen Euro könnte die Maßnahme in Möllenbeck kosten. Auch sie ist im BVWP mit vordringlichem Bedarf gekennzeichnet. Der Nutzen-Kosten-Faktor beträgt 4,5. Die umwelt- und naturschutzfachliche Beurteilung sowie die städtebauliche Beurteilung liegt bei „hoch“. Die Umgehung sollte etwa 1,8 Kilometer lang werden und zweispurig verlaufen.

- Ortsumgehung Deckbergen (B83): Hier scheint die Realisierung deutlich unrealistischer. Ein Nutzen-Kosten-Faktor von lediglich 1,8 – Werte unter 1 wurden von vornherein aussortiert – und veranschlagte Investitionen in Höhe von 18,6 Millionen Euro zeugen nicht von einer hohen Bereitschaft, hier straßenbaulich einzugreifen. Außerdem läuft das Vorhaben nur unter der Klassifizierung „weiterer Bedarf“. Würde es realisiert, sollte die Umgehungsstraße 4,3 Kilometer lang sein und zweispurig verlaufen.

Allerdings bedeutet eine Erwähnung – auch bei vordringlichem Bedarf – im Bundesverkehrswegeplan nicht, dass die Projekte tatsächlich umgesetzt werden, betont der heimische Bundestagsabgeordnete Maik Beermann (CDU) am Telefon. In erster Linie hänge die Beurteilung am Nutzen-Kosten-Faktor. Aber auch die Umwelt- und städtebaulichen Beurteilungen seien natürlich wichtige Größen. „Aber damit sind wir natürlich erst mal einen ganzen Schritt weiter.“

Während die Umgehung der B83 zwar nicht in Stein gemeißelt, aber aufgrund ihrer Beurteilung als sehr sicher scheint, stehen die beiden Umgehungen der B 238 in Möllenbeck und Steinbergen auf Messers Schneide.

Die Erfahrung aus dem letzten Bundesverkehrswegeplan zeigen, dass Projekte bis zu einem Nutzen-Kosten-Faktor von 5 eine gute Chance hatten, verwirklicht zu werden. „Uns helfen dabei natürlich die guten Einstufungen im städtebaulichen und Umweltschutzbereich“, erklärt Beermann. Aber gegessen sei die Sache noch lange nicht, er werde weiter am Ball bleiben.

Denn erst im Oktober wird der BVWP im Parlament verabschiedet. Am Montag, 21. März, beginnt zunächst die Einbindung der Bürger und der öffentlichen Hand in die Planung. „Wir können also noch einiges ins Positive bewegen.“

Auch für Bürgermeister Thomas Priemer ist klar, dass der BVWP nur einen ersten Schritt darstellen könne: „Jetzt gilt es, diese Einstufung zu nutzen.“ Er werde nun intensive Gespräche führen, wie es weitergehe und welche Lösungen tatsächlich umgesetzt würden.

Foto: tol
Die B238 ist schon lange ein Nadelöhr im Straßenverkehr