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17.02.2018 Bauen sie oder bauen sie nicht?

Planet Energy: Für Windräder in Westendorf noch immer kein Termin

Schaumburger Zeitung / 17.2.2018

Rinteln 

Von Hans Weimann
Die spannende Frage dieses Jahres ist: Beginnt Planet Energy wie geplant mit dem Bau der beiden 150 Meter hohen Windkraftanlagen bei Westendorf oder nicht? Antwort des Energy-Pressesprechers Christoph Rasch auf unsere Anfrage: „Wir haben bislang das Baufeld freigemacht. Allerdings haben wir den Beginn der eigentlichen Bauarbeiten noch nicht terminiert.“ „Wir können daher zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage treffen“, fährt Rasch fort, „ob der Bau noch in diesem Jahr startet.“ Im Oktober vorigen Jahres war sich Julian Tiencken, Projektmanager bei Planet Energy dagegen noch sicher: Man halte an einem Baubeginn 2018 fest.

In der Politik interpretiert man Rasches Antwort so: Offensichtlich sei sich die Projektleitung bei Planet Energy in Hamburg keineswegs mehr sicher, ob das Bauvorhaben weiter verfolgt werden soll oder nicht. Ein Grund für diese Einschätzung ist, dass es nach wie vor keinen Termin für das sogenannte außergerichtliche „Mediationsverfahren“ gibt, das Planet Energy selbst beantragt hat. „Ungewöhnlich“ sagt selbst Dr. Joachim Steinbeck, Jurist bei der Stadt. Auskunft von Klaus Heimann, Pressesprecher beim Landkreis: „Wir haben bisher Schriftsätze ausgetauscht, aber ebenfalls keinen Termin.“

Es gibt inzwischen Spekulationen, dass die Zurückhaltung des Projektentwicklers in Hamburg möglicherweise damit zusammenhängt, dass die Finanzierung dieser beiden Windräder noch nicht gesichert ist. Planet Enery baut nämlich vornehmlich mit Geldern von Anlegern und wirbt auch offensiv damit. „Genussrechte“ heißt diese Anlageform und ist ein Zwitterprodukt aus Anleihe und Aktie. Bei Genussrechten werden nämlich nicht nur Gewinnanteile, sondern nach einer bestimmten Laufzeit auch das eingezahlte Kapital wieder ausgeschüttet. Den Haken an der Geschichte kann man bei der Stiftung Warentest nachlesen: Die Muttergesellschaft Planet Energy haftet nicht für die Kraftwerksgesellschaften, also die Betreiber der Windräder. Sollte ein Windpark in Schieflage geraten, tragen die Anleger das Risiko. Windkraft ist nicht „grundlastfähig“ wie Fachleute sagen, weil Wind nicht immer weht. Wie wackelig Ertrags-Prognosen sind, zeigt auch dieser Winter: Bei Kälteflaute oder bei Sturmtiefs wie „Friedericke“ stehen die Räder still.

Nach unseren Informationen haben sich Gegner der Windräder in Westendorf direkt an Greenpeace gewandt, die „graue Eminenz“ im Hintergrund. Michael Pauli, Bereichsleitung Kommunikation bei Greenpeace Deutschland, hat unsere Nachfrage nach der Einschätzung der Situation wie folgt beantwortet: „Wir zweifeln nicht, dass Greenpeace Energy verantwortungsvoll handelt und dies auch mit Gutachten belegen kann. Mit ihren Wurzeln bei Greenpeace prüfen Greenpeace Energy und Planet Energy ihre Projekte besonders gründlich. Planet Energy ließ das Gebiet des geplanten Windparks Rinteln über mehrere Jahre von zwei verschiedenen Gutachterbüros prüfen, arbeitete mit dem Landkreis sowie dem Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz zusammen und führte darüber hinaus vor Ort Gespräche mit Anwohnerinnen und Anwohnern, Politikern und Experten. Planet Energy und die Behörden schätzten den Bau des Windparks als ökologisch unbedenklich ein, der für die Genehmigung zuständige Landkreis sah alle Voraussetzungen für eine Genehmigung als erfüllt an.

Das Projekt hält alle Anforderungen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten zum Schutz der Seeadler ein. Die Behörden haben auch die 150 Beobachtungen der Seeadler berücksichtigt, die der NABU zur Verfügung gestellt hat.

Da Greenpeace Energy und Planet Energy viel Energie in die richtige Vorbereitung des Projekts gesteckt haben, stehen wir hinter den Entscheidungen“. Grundsätzlich machte Pauli in seiner Antwort auch klar, dass Greenpeace Vögel nicht durch Windkraftanlagen, sondern vor allem durch Glas, Freileitungen, Insektensterben, Agrargifte und Straßen bedroht sieht. Selbst der NABU habe eingeräumt, dass der Ausbau der Windkraft den Bestand von Vogelarten nicht gefährde, schrieb Pauli.

Die Unterstellung, Greenpeace nehme Einfluss auf die Entscheidungen der Planet Energy GmbH wies Pauli zurück: Greenpeace Energy eG und die Tochtergesellschaft Planet Energy GmbH seien rechtlich eigenständige Unternehmen, die auch wirtschaftlich unabhängig von nationalen oder internationalen Greenpeace-Organisationen agierten.

Pauli: „Symbolisch hält Greenpeace e.V. fünf von 355 320 Anteilen und ist eines von 23 787 Mitgliedern der Genossenschaft. Greenpeace Energy ist als eingetragene Genossenschaft organisiert und bekommt weder Gelder nationaler Greenpeace-Organisationen zugewiesen, noch überweist das Unternehmen – abgesehen von einer vertraglich festgelegten Lizenz-Gebühr für die Namensnutzung – seinerseits Gelder an Greenpeace Deutschland. Planet Energy ist ein 100-prozentiges Tochterunternehmen der Hamburger Energiegenossenschaft Greenpeace Energy eG.

Foto: wm
Bisher fahren solche Windradtransporter noch an Westendorf vorbei