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16.05.2017 Der Mauerbau

Spezialfirma aus Recklinghausen errichtet 500 Tonnen schwere Gabionenwand an der Kreuzung

Schaumburger Zeitung / 16.5.2017

Steinbergen

Von Jan Oldehus
Das große Steinerücken ist im Gange. Mit dem Bau der Gabionenwand entsteht an der Steinberger Kreuzung ein 500 Tonnen schweres Bauwerk. Jacek Nowak und seine drei Leute von der Spezialfirma „Landschaftsbau Vest“ aus Recklinghausen machen das nicht zum ersten Mal. „Wir haben schon Gabionenwände in Stuttgart, Heidelberg, Düsseldorf und Hannover gebaut“, zählt der Polier beim Besuch unserer Zeitung nur einige seiner Wirkungsstätten auf.

„Was wir jetzt gerade machen, ist ja noch einfach“, sagt Nowak. „Schwieriger wird es erst, wenn wir nachher das Geländer obendrauf setzen müssen.“ Dann nämlich muss ein ab Oberkante 1,20 Meter tiefes Fundament in das ohne Mörtel zusammengefügte Mauerwerk eingebettet werden. Dies soll später das Geländer aufnehmen, das nur einem einzigen Zweck dient: für Sicherheit zu sorgen, wenn Wartungspersonal oben auf der Gabionenwand zu tun hat.

Jacek Nowak und seine Leute können sich daran noch nicht festhalten, wenn sie in der Höhe arbeiten müssen. „Wir hängen uns ab 2 Meter Höhe mit Sicherheitsgurten an die Mauer“, sagt Nowak. Bis dahin sind noch einige Steine zu setzen. Aber wie funktioniert eigentlich der Bau so einer Gabionenwand? „Das ist wie beim Lego“, erläutert Holger Fröhlingsdorf vom Niedersächsischen Landesamt für Straßenbau und Verkehr. „Die vorgefertigten Korbteile werden zusammengesetzt und von Hand mit Steinen befüllt.“ Die Körbe sind 50 Zentimeter hoch, 1 Meter breit und 1 Meter tief. Der 5 Millimeter dicke Draht ist eine Zink-Aluminium-Legierung – garantiert rostfrei. Sind genügend Schüttkörbe aufgebaut und aneinandergereiht, beginnt Nowaks Team mit dem Befüllen. Im Sichtbereich wird dafür sauber gewaschener Sandstein verwendet, der rückwärtige Teil wird mit grauem Füllstein komplettiert. Ist das „Erdgeschoss“ fertig, setzen die Bauarbeiter den „1. Stock“ obendrauf, bis das Bauwerk in voller Höhe und Breite auf seinem 1,10 Meter in den Boden reichenden Fundament steht.

Wird die Mauer nicht verankert? „Nein“, sagt Fröhlingsdorf, „die Gabionenwand lehnt sich an den Berg an und erhält dadurch Stabilität. Aufgrund der enormen Masse – 6 bis 7 Tonnen je laufendem Meter – ist eine Verankerung nicht notwendig.“

Das Ingenieurbauwerk wird am Ende rund 82 Meter breit sein, an seiner höchsten Stelle rund 3 Meter messen und nicht weniger als 500 Tonnen auf die Waage bringen. Links und rechts wird es mit Treppen fürs Wartungspersonal versehen sein. Um Platz zu schaffen, auch für den davor verlaufenden Gehweg und die zusätzliche Abbiegespur im Kurvenbereich, musste die Firma Oevermann 1200 Kubikmeter Erdreich von der Böschung abtragen und abtransportieren. Das entspricht einem Gewicht von 2622 Opel Ascona B oder 2400 Tonnen.

Die später hinter der Gabionenwand verbleibende Böschung samt Baumbewuchs soll von der Trockenmauer gestützt werden. Fielen die Bäume in der ersten Reihe der Motorsäge zum Opfer, so werde man die Bäume in der zweiten Reihe, also die, die stehen bleiben, künftig „beobachten“, antwortet Markus Brockmann, Leiter des Landesstraßenbauamts, Geschäftsbereich Hameln, auf die Frage nach der Belastbarkeit des Bauwerks. „Das Umfallen eines Baums, der auf die Mauer stürzt, wird in die Statikberechnungen nicht mit einbezogen“, so Brockmann. Und was ist mit einem Lkw-Aufprall? „Auch so etwas wird nicht berechnet.“ Ausschlaggebend sei die Berechnung der inneren und äußeren Standfestigkeit, „dass die Gabionenwand sich selber trägt und das, was dahinter ist“.

Auf die Frage, ob Sandstein nicht zu bröselig ist, um hier Verwendung zu finden, antwortet Projektingenieur Fröhlingsdorf: „Bröselig ja, aber nur, wenn er ständig wasserumspült ist.“ Das sei hier jedoch nicht der Fall. Für die Ableitung von Wasser ist ja gesorgt (wir berichteten).

Foto: jan
Auf rund 82 Meter Länge entsteht derzeit im Kurvenbereich der Steinberger Kreuzung eine Gabionenwand.