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15.09.2015 Küchenchef und Manager

Stephan Kehlenbeck vom "Schaumburger Ritter" gibt Einblicke in sein Leben

Schaumburger Zeitung / 15.9.2015

Rinteln/Schaumburg

Von Claudia Masthoff
Da wurde am Mittwoch ins Erzählcafè des Rintelner Museums mal jemand eingeladen, der selbst gar nicht zum Urgestein der kleinstädtischen Gesellschaft zählt. Diesen fehlenden persönlichen Lokalbezug macht Stephan Kehlenbeck aber durch den geschichtsträchtigen Ort seines Schaffens sofort wieder wett. Kehlenbeck betreibt das Hotel-Restaurant „Schaumburger Ritter“, direkt neben der Schaumburg. Das Gebäude stammt aus dem 15. Jahrhundert und war von Anfang an als Gäste- und Einkehrhaus konzipiert .

Hohen Bekanntheitsgrad genoss der ,,Ritter“ auch, als er noch Burggasthaus Scheffler hieß. Heinz Scheffler und seine Frau hatten sich mit Wildspezialitäten einen Namen gemacht und bis zum Eintritt in den wohl verdienten Ruhestand Gäste auch aus der weiten Umgebung bekocht. Kurt Deneke, ein Unternehmer aus Neustadt, hatte das Anwesen von den Eheleuten erworben und großzügig umgebaut: Zum Hotel, mit angeschlossenem Restaurant, einer Bierstube und Außenbewirtung, ehe er das Objekt an die heutigen Besitzer abgab.

Kehlenbecks eigene Lebensgeschichte ist hörenswert. Wenn der erfahrene Koch seinen beruflichen Werdegang schildert, dann blitzen die Sterne auf, Namen von bekannten Feinschmeckertempeln fallen und prominente Gäste aus Sport, Showbusiness und Politik werden erwähnt. Seine Lebensreise hat ihn durch gastronomische Betriebe in ganz Deutschland und einmal auch bis nach Schottland geführt.

Dabei liebt Kehlenbeck die Herausforderung. Restaurants, deren Menükarte sich nur zweimal im Jahr ändert, sind nicht sein Ding. Und wer seinen Gästen nur allzu Bekanntes vorsetzen will, für den ist der experimentierfreudige Koch nicht der richtige Mann am Herd. Seine Qualitäten brauchen einen anderen Rahmen.

Er hat wohl die typische Belastbarkeit und Nervenstärke, die man für die höhere Kochkunst braucht. Begeistert erzählt er von riesigen Veranstaltungen, die auf kulinarisch höchstem Niveau zu versorgen waren. „So ein kleines Sterne-Restaurant mit 40 Plätzen zu führen, ist eine Sache. Aber das Catering für Veranstaltungen mit mehreren Tausend Gästen zu übernehmen, wie ich es in Freiburg öfter getan habe, das ist schon eine andere Hausnummer.“

Naturgemäß erinnert man sich an Pannen und Beinahe-Katastrophen im Nachhinein am besten. „Einmal hatten wir für ein Konzerthaus das Catering übernommen. 600 Portionen Suppe sollten gekocht werden – 300 mal Minestrone und 300 mal Kartoffelsuppe. Alles kein Problem. Doch als die Essensausgabe schon begann, rief der Auftraggeber an. Missverständnis. Es würden von jeder Sorte 600 Portionen gebraucht. Das wurde dann die schnellste Kartoffelsuppe meines Lebens.“

Nach solch intensiven Lehr- und Wanderjahren fühlte sich Kehlenbeck – mittlerweile auch verheiratet – langsam reif für den eigenen Betrieb. Eher zufällig verschlug es ihn schließlich ins Weserbergland. „Mir war nur klar, dass ich nicht in Hannover oder Bremen das tausendste Restaurant aufmachen wollte. Dann lieber etwas Besonderes und ein bisschen abgelegen.“

Diese beiden Kriterien erfüllte der „Schaumburger Ritter“ mit Leichtigkeit, und so begannen die Kehlenbecks 2006 einen zähen, doch am Ende siegreichen Kampf um die Finanzierung dieses Projektes zu führen.

Und wo doch Kreativität schon immer ein herausragendes Merkmal von Stephan Kehlenbeck gewesen ist, kann er diese heute noch viel umfassender ausleben als als reiner Küchenchef. Küchenchef ist er natürlich immer noch, aber auch Manager. Hotel, Ferienwohnungen, Restaurant, Tagungsräume und ein großer Saal wollten und wollen gestaltet werden. Mutig nahmen die Kehlenbecks dafür 2012 noch einmal einen großen Umbau in Angriff.

Foto: tol
Stephan Kehlenbeck in seinem Element: Der Meisterkoch bei der Zubereitung eines Rehrückens.