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15.04.2016 Damit ist selbst BIOS nicht einverstanden

Umgehungen für Steinbergen: Bürgerinitiative statt vorgestellter Trassenführung

Schaumburger Zeitung / 15.4.2016

Steinbergen

Von Peter Blaumann
Die in der Zeitung veröffentlichte Trassenführung der Umgehungsstraße der B83 aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 hat viele Steinberger aufgeschreckt. Die Anwohner der Bergstraße, Am Weinberg, Am Dröhnen, In der Rehr, Am Kehlbrink, An der Hirschkuppe, Am Berghang und Sonnenbrink füllten den Veranstaltungsraum im Gemeindehaus und forderten die „Bürgerinitiative Ortsumgehungen Steinbergen“ (BIOS) in ihrer letzten Versammlung auf, klar Stellung zu beziehen und sich gegen die Trassenführung auszusprechen.

BIOS-Teamsprecher Jens Wienecke erläuterte den Anwesenden noch einmal, warum sich die BIOS gegründet hat. „Das Ziel von BIOS ist es, die Verkehrsströme des Durchgangsverkehrs der Bundesstraßen 83 und 238 aus dem Ort Steinbergen zu verlegen, und damit für alle Bürger Steinbergens einen lebenswerteren, in sich geschlosseneren Ort zu erreichen. BIOS setzt sich mit ihrem Wirken für die lebenswerte Zukunft des Ortes Steinbergen als Ortsteil des attraktiven Wirtschafts- und Touristikstandortes Rinteln ein.“

Mit der Gründung im Jahr 2014 nach der Verkehrszählung auf der Steinberger Kreuzung war klar, dass sich BIOS für das Dorf verstärkt einsetzen müsse. „Den schon damals beschriebenen Kreuzungsausbau zur Erhöhung des Verkehrsflusses im Ort lehnen wir ab. Wir sprechen uns für ein beschleunigtes Verfahren zur Beseitigung des regionalen Engpasses aus. Wir sind dafür, im Dialog mit Politik und Verwaltung und den Betroffenen eine optimale Lösung zu finden. Nicht Nein sagen, sondern positiv mitgestalten ist daher unser Wunsch und Anspruch.“

Lügder Tunnel als Paradebeispiel

Wienecke machte den Anwesenden unmissverständlich klar, dass eine Trassenführung, wie in der Zeitung abgebildet, auch nicht für BIOS infrage kommt. „BIOS ist klar dafür, dass der Bundesstraßen-Durchgangsverkehr aus der Ortslage verlegt werden wird, damit eine Einheit des über Jahre zerschnittenen Ortes wiederhergestellt werden kann. Dazu muss auch der Landschaftspark Arensburg zählen. Deshalb fordern wir, dass auch in unmittelbarer Ortsrandlage oberirdisch keine Verkehrsbaumaßnahmen für Bundesstraßen erfolgen. Denkbar wären Tunnellösungen sowohl im Bereich der Bundesstraße 83 als auch der B238.“

Als Beispiel, was alles möglich ist, führte Wienecke die Umgehungsstraße der Stadt Lügde zwischen Hameln und Blomberg im Kreis Lippe an. Das Besondere der rund vier Kilometer langen Ortsumgehung ist ein 500 Meter langer Tunnel, der unter der Bebauung durchführt. „Wo gestern Autos und Lastwagen rollten, gibt es heute Begegnungsstätten für Alt und Jung sowie Grünanlagen. 33 Millionen Euro hat die Lösung gekostet und wurde in einer Rekordzeit von knapp zehn Jahren realisiert.“

Neuesten Erkenntnissen zufolge gibt es jetzt dort 65 Prozent weniger Pkw und 80 Prozent weniger Lkw im Ortskern.

„Viele weitere Optionen müssen in der nächsten Zeit in Machbarkeitsstudien vertieft und technisch und kostenseitig bewertet werden“, erklärte Wienecke. „Auch die Ortskerne von Deckbergen und Engern könnten von neuen Lösungen profitieren.“

Wer sich über Strecken-Varianten, die BIOS schon im letzten Jahr erarbeitet hat, informieren möchte, kann dies im Internet unter „www.biosteinbergen.de – Downloads – Ortsratssitzung“ tun. Dort sind unter anderem Trassenführungen über den Steinbruch, über die Unabhängigkeitsstraße oder südlich an Deckbergen und Engern vorbei auf die B238 aufgeführt. Auf einer Google-Earth-Karte sind etliche andere Varianten von Trassenführungen dargestellt.

„Ich freue mich, dass sich jetzt endlich viele in Steinbergen für dieses Projekt interessieren. In den letzten eineinhalb Jahren haben wir nur mit einem Kern von zehn Leuten an der Zukunft von Steinbergen gearbeitet. Es wäre schön, wenn sich das jetzt ändert“, freute sich Wienecke auf die nächste Sitzung von BIOS.

BIOS trifft sich donnerstags um 18.30 Uhr im Gemeindehaus.

Foto: peb
Die Highland Cattles auf der Wiese hinter der Bergstraße bewahren die Ruhe, während zahlreiche Bewohner des Bergs sich Sorgen um die Ruhe machen.