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14.12.2017 Bauarbeiten an Kanalschäden Schuld?

Arbeiten an Steinberger Kreuzung stehen still / Kanalsanierung im besten Fall im Januar?

Schaumburger Zeitung / 14.12.2017

Rinteln

Von Jakob Gokl
Die Bauarbeiten an der Steinberger Kreuzung stehen still. Aufgrund eines schadhaften Regenwasserkanals können die letzten Maßnahmen nicht mehr wie geplant durchgeführt werden (wir berichteten). Zunächst muss der Kanal repariert werden. Nun soll geprüft werden, ob die Maßnahme in den Januar 2018 vorgezogen werden kann. Für die Rintelner bedeutet das: Weitere Monate mit der Mega-Baustelle. Doch wie konnte es dazu kommen?

Am Montag schloss die technische Leiterin des Abwasserbetriebs einen Zusammenhang zwischen dem maroden Regenwasserkanal und den Bauarbeiten gegenüber unserer Zeitung noch kategorisch aus (wir berichteten). Am Mittwoch scheint die Sache ganz anders auszusehen: In einem der SZ/LZ vorliegenden „Vermerk zu den Baumaßnahmen“ setzt sich der Abwasserbetrieb intensiv mit den Ursachen für die Schäden am Kanal auseinander.

Es heißt darin unter anderem: „Durch die Straßenbaumaßnahme ist die Kanallage und die Statik des Rohres in Mitleidenschaft gezogen worden. Durch den massiven Eingriff in den Bodenbereich wurde die Rohreinbettung gestört. Die Statik des Rohres ist nicht mehr gegeben. Dadurch kann es zu dem Phänomen der Undichtigkeit gekommen sein.“ Auf Deutsch also: Der Abwasserbetrieb sieht nun sehr wohl einen Zusammenhang zwischen den Bauarbeiten und den Schäden.

Auch in einem weiteren Punkt widerspricht das Schreiben der technischen Leiterin: Die Überprüfung sei direkt im Zusammenhang mit dem Beginn der Baumaßnahmen der Steinberger Kreuzung gestanden, erklärte sie am Montag auf mehrmalige Nachfrage. Im Vermerk des Abwasserbetriebes wird diese Überprüfung durch eine Fachfirma allerdings mit November 2013 datiert – also mehr als drei Jahre vor Baubeginn.

Noch ist laut Bürgermeister Thomas Priemer unklar, wann die Baumaßnahmen in Steinbergen beendet werden können. „Vor Weihnachten auf jeden Fall nicht mehr“, sagt er. „Und das ärgert mich selber auch – ich fahre die Strecke ja oft genug.“ Aber bei einer Baustelle mit dieser Komplexität sei mit Verzögerungen zu rechnen.

Der Abwasserbetrieb habe den Leistungsumfang für die notwendigen Reparaturmaßnahmen bereits ermittelt. Jetzt werde man Angebote von mehreren Firmen – darunter auch die bereits auf der Baustelle tätige Firma Oevermann – einholen und den Auftrag so schnell wie möglich vergeben.

Die von Projektingenieur Holger Fröhlingsdorf vom Landesstraßenbauamt geäußerte Mutmaßung: „Die haben‘s drauf ankommen lassen“, weist Priemer zurück. „Wenn bei uns etwas kaputt ist, dann reparieren wir das. Wir haben doch überhaupt keine Veranlassung, da etwas zu vertuschen.“ Die Arbeiten würden wohl „einen fünfstelligen Betrag“ kosten.

Zu der Möglichkeit, dass die Firma Oevermann – die eine Vertragsstrafe zahlen muss, wenn sie den Bau maßgeblich schuldhaft verzögert – für einen Schadensausgleich an die Abwasserbetriebe wenden könnte, sagt Priemer abwartend: „Wir haben bis jetzt keine Muße gehabt, uns mit den vertraglichen Vereinbarungen zwischen der Firma und der Straßenbaubehörde auseinanderzusetzen.“

Foto: Archiv SZ
Mit so einer Kamera werden Kanalleitungen fotografiert