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14.11.2015 Unter den Hammer

Pflegeheim wird in Köln, Arensburg in Berlin versteigert

Schaumburger Zeitung / 14.11.2015

Steinbergen

Von Hans Weimann
Im Dezember kommen gleich zwei Steinberger Immobilien unter den Hammer, die unterschiedlicher nicht sein könnten: die Arensburg wird am 17. Dezember in Berlin im Abba Berlin Hotel versteigert und das ehemalige Pflegeheim Pro Senia am 12. Dezember im Hilton Cologne Hotel.

Eingefädelt hat beide Deals Gerhard Bein aus Hohenrode, der für die Deutsche Grundstücksauktionen AG Unternehmensgruppe arbeitet, die aus sechs selbstständig agierenden Gesellschaften besteht. Bein hat mit besonderen oder schwer vermittelbaren Objekten Erfahrung und bei vielen neue Besitzer gefunden wie beispielsweise für das 15 Jahre lang leer stehende Lehrerfortbildungsheim in Bad Pyrmont und ein Verwaltungsgebäude in Lügde.

Eine Auktion hat den Vorteil, dass bundesweit, sogar über Landesgrenzen mögliche Interessenten angesprochen werden. Für Verkäufer ist dagegen manchmal schmerzhaft, dass auf einer Auktion der reale Verkehrswert einer Immobilie ermittelt wird, der sich nicht immer mit den Vorstellungen des Verkäufers deckt. So war das Schloss vor 15 Jahren noch mit 3,9 Millionen Euro taxiert, das Pflegeheim, als es noch im Betrieb war, vom Gutachterausschuss auf zwei Millionen Euro.

Auch deshalb haben sich die Gläubiger beim ehemaligen Pflegeheim an der Steinberger Kreuzung – Banken wie Finanzamt – lange mit Händen und Füßen gegen eine Versteigerung gewehrt. Insolvenzverwalter Sascha Bibiha aus Minden war selbst von dem Sinneswandel überrascht, als er die Einwilligung dazu erhalten hat.

Anders die Situation bei der Arensburg: Dr. Christiane Bennink aus Münster hatte das Schloss selbst in einer Auktion erworben, praktisch spontan aus dem Auto heraus per Smartphone gekauft, dann an den derzeitigen Besitzer Achim Hecht aus Leipzig weitergereicht, der das Schloss jetzt für die Auktion in Berlin anbietet.

Die Mindestgebote bewegen sich für beide Steinberger Objekte im sechsstelligen Bereich, obwohl man sie in ihrer Größe und Bedeutung kaum vergleichen kann: für das Schloss mit Zehntscheune und historischem Park 298 000 Euro, für das Pflegeheim mit Nebengebäuden 200 000 Euro.

Die grundsätzlichen Probleme wiederum gleichen sich. Bei Schloss wie Pflegeheim muss der Käufer für eine Sanierung tief in die Tasche greifen, bevor er einziehen kann. Und: Was macht man damit, wie nutzt man das? Bein kann sich für das ehemalige Pflegeheim ein Seniorenwohnheim oder eine selbst verwaltete Seniorengemeinschaft vorstellen. Platz genug ist da, die Struktur auch. Im Schloss seien Büros und gewerbliche Nutzung wie Wohnen möglich.

Das Schloss war immer wieder in die Schlagzeilen geraten, weil der Steinberger Dirk Sassenberg, der zeitweise das Schloss verwaltet hat, und Kai Kobold, ein Unternehmer aus Köln, der sich ebenfalls für das Schloss interessiert hat, vor Wassereinbruch und dem Verfall des Schlosses gewarnt hatten. Dr. Bennink wie Hecht führten im Sommer bei einem Rundgang durch das Schloss vor: Das Dach ist inzwischen dicht, ebenso die Fenster. Die von der Stadt Rinteln als unterer Denkmalschutzbehörde geforderten Maßnahmen sind umgesetzt worden. Hecht berichtete, er habe sogar Putz abschlagen und Balken freilegen lassen, um Feuchtigkeitsschäden zu stoppen.

Beide Steinberger Immobilien kann man sich im Internet ansehen, das Heim auf dem Portal der Westdeutschen Grundstücksauktionen AG und das Schloss auf dem Portal der Deutschen Grundstücksauktionen (dga-ag.de). Bein hat Schloss wie Heim mit jeweils über zehn Fotos präsentiert. Die zeigen beim Schloss vor allem die malerische Lage im Park, was Interessenten vielleicht auf eine Idee bringt, was man aus der historischen Anlage machen könnte. Und Bein nennt, anders als es bei früheren Angeboten der Fall war, auch real das grundsätzliche Problem: den hohen Sanierungsbedarf beider Objekte.

Foto: tol
Vorbesitzerin Dr. Christiane Bennink und der aktuelle Schlossherr Achim Hecht zeigen bei einem Rundgang: Die Auflagen der Stadt sind erfüllt, Dach und Fenster dicht.