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14.03.2014 Windräder, Firmen und Solaranlagen?

Gewerbepark Westendorf an der B 83 geplant

Schaumburger Zeitung / 14.3.2014

Rinteln/Westendorf

Von Dietrich Lange
Mehr Firmen, mehr Arbeitsplätze, höhere Steuereinnahmen und schließlich mehr junge Leute als Einwohner, um dem demografischen Wandel zu trotzen– diese von der CDU ziemlich gemalten Zukunftslösungen haben den Ausschuss für Umwelt, Bau und Stadtentwicklung überzeugt. Er befürwortete die Planung eines Gewerbeparks Westendorf gleich nebenan von Deckbergen, wo mangels anderer Nachfrage jüngst zwei große Flächen mit Photovoltaikanlagen bestückt wurden. Aber das muss ja nicht immer so bleiben.

Das Industriegebiet Süd läuft schon wieder voll, kann nicht beliebig erweitert werden. In der Nordstadt stehen auch keine größeren Flächen für Firmen zur Verfügung. Also Westendorf, meint die CDU. Da gibt es schon die Bundesstraße, und durch Hochspannungsleitungen, benachbarte Betriebe und die Bahn sei das vorgesehene Ackergelände ohnehin nicht besonders schutzbedürftig. Heinz-Jürgen Requardt (CDU): „Wir müssen Gewerbeflächen günstig anbieten, damit wir Arbeitsplätze anbieten können.“

Baudezernentin Elena Kuhls gab zu bedenken, dass im benachbarten Deckbergen noch immer einmal sechs und einmal 15 Hektar Gewerbefläche ungenutzt bereitstehen. Erster Stadtrat Jörg Schröder meinte aber: „Wir wollen nicht per se die Entwicklung solcher Flächen ablehnen. Wir wollen versuchen, dort neue Flächen für Gewerbe herauszuschneiden.“

Ursula Helmhold sah sogar Chancen für die bisher von der Ratsmehrheit abgelehnten Windenergieanlagen, wenn die Landschaft erst noch weiter beeinträchtigt sei. Dieter Horn (SPD) war ebenfalls für neue Gewerbeflächen: „Bei den Ortsgesprächen kommt immer das Thema: Wie halten wir junge Leute mit Jobs am Wohnort? Hier sollten wir mitspielen.“

Dass nicht übermorgen gleich die ersten großen Firmenansiedlungen zu vermelden sind, sah auch Kay Steding (CDU) so: „Wir sollten jetzt aber die Richtung vorgeben und in fünf Jahren dann sehen, was sich daraus entwickelt hat.“

Die Verwaltung wurde einstimmig beauftragt, die planungsrechtlichen Optionen für die gewerbliche Entwicklung der drei Flächen (neben Autohaus Niederdorf auf der Nordseite der B83 sowie rechts und links von Gut Echtringhausen an der Südseite) entsprechend zu untersuchen.

Ziel ist eine Änderung des Flächennutzungsplans und der Gewinn von 30 Hektar neuer Gewerbefläche.

Die Verwaltungsvorlage hatte eher eine Ablehnung erwarten lassen, so viele Bedenken wurden aufgezählt. Im Folgenden einige der aufgeführten Argumente:

- Wasserschutz: Die drei Flächen sind im Flächennutzungsplan als „Fläche für die Landwirtschaft“ ausgewiesen und liegen innerhalb des Wasserschutzgebiets Engern-Ahe, sie sind im Landesraumordnungsprogramm als „Vorranggebiet für die Trinkwassergewinnung“ dargestellt. Im Regionalen Raumordnungsprogramm für den Landkreis Schaumburg befinden sich alle drei Flächen in einem „Vorsorgegebiet für die Landwirtschaft“.

- Verkehr: Alle drei Flächen liegen an der „freien Strecke“ der B83 und unterliegen somit restriktiven anbaurechtlichen Bestimmungen. Das heißt, von hier soll Verbindungsverkehr rollen und kein Gewerbegebiet erschlossen werden.

- Fläche 1: kein Anschluss an B83 zulässig. Ein Schutzstreifen von 20 Metern rechts und links der Hochspannungsfreileitung ist frei zu halten. Schutzansprüche umliegender Wohngebäude wären zu berücksichtigen.

- Fläche 2: kein Anschluss an B83, Verlegung der Einmündungen von L438 und K74 nötig. Denkmalschutz von Gut Echtringhausen beachten.

- Fläche 3: kein Anschluss an B83, Kollision mit Planung einer Ortsumgehung Deckbergen, bisher kaum Nachfrage.

Foto: dil/pr.
Bald noch mehr Gewerbeflächen im Nordosten Rintelns? Dem CDU-Vorschlag zum Ausweisen von drei Flächen in Westendorf (Bild) stimmte der Bauausschuss zu. Weiter östlich in Deckbergen stockt dagegen die Nachfrage.