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13.12.2017 Schicht im Schacht

Baustopp auf der Steinberger Kreuzung könnte für Abwasserbetrieb teuer werden

Schaumburger Zeitung / 13.12.2017

Steinbergen

Von Jan Oldehus
Die Großbaustelle Steinberger Kreuzung ist verwaist. Kein Bagger, keine Schaufel rührt sich mehr. „Die Bauarbeiter sind nach Hause gegangen“, sagt Holger Fröhlingsdorf. Ob der zuletzt anvisierte Fertigstellungstermin Weihnachten 2017 noch zu halten sein wird, das bezweifelt inzwischen wohl auch der für gewöhnlich optimistisch denkende Projektingenieur des Landesstraßenbauamts in Hameln. Grund für den Baustopp auf den letzten Metern ist ein maroder Regenwasserkanal, der an der Bundesstraße 83 ausgerechnet dort verläuft, wo die Firma Oevermann in dieser Woche die allerletzten Betonierarbeiten vornehmen wollte.

Eigentlich sollte am Dienstag das Verschalen des letzten offenen Fahrbahnabschnitts zwischen der Einmündung Arensburger Straße und den Bahngleisen beginnen (unser Bild). Eigentlich sollte am kommenden Freitag ein moderner Dreiwalzenfertiger die Betondeckschicht berghoch aufbringen (das Wetter wäre dabei kein Problem gewesen). Und eigentlich war vorgesehen, die Arbeiten mit dem Fugenschnitt am Mittwoch kommender Woche zu beenden. Dann wäre die umgebaute Kreuzung zu Weihnachten fertig gewesen. Doch daraus wird nun nichts. Wohl bis ins Jahr 2018 hinein wird die Verkehrsführung so bleiben, wie sie derzeit ist – es sei denn, es geschieht ein Wunder. Dies könnte aber allenfalls darin bestehen, dass der Abwasserbetrieb der Stadt Rinteln, in dessen Verantwortungsbereich die kaputte Regenwasserleitung liegt, binnen kürzester Frist eine Firma und Material auftut, um das schadhafte Rohr auszutauschen – unwahrscheinlich. Immerhin müssen die Arbeiten erst ausgeschrieben werden.

„Niemand kann derzeit sagen, wie lange es dauern wird“, bedauert Fröhlingsdorf. Und auch Grit Seemann, Technische Leiterin des Abwasserbetriebs, winkt auf die Frage nach dem Wann ab, betont jedoch, man werde bestrebt sein, den Schaden „so schnell wie möglich“ zu beseitigen, damit der Umbau der Kreuzung abgeschlossen werden kann. Es bestehe „Optimierungsbedarf“.

Das Problem: Das Schachtbauwerk muss erst neu überplant werden. „Wir sind in der Planungsphase“, sagt Seemann im Gespräch mit unserer Zeitung. Es handele sich um eine „kleine Stelle“. Wie weit der Schaden reicht und reparaturbedürftig ist, „müssen wir mit dem Landesstraßenbauamt abklären“, so Seemann. Offen sei derzeit auch, ob der Betonkanal mit 30 Zentimetern Durchmesser von innen saniert werden kann oder ob ein Neubau notwendig erscheint.

Schadhaft, so die technische Betriebsleiterin, seien einige Muffen, die die Rohrteile miteinander verbinden. Diese Muffen hätten sich verschoben. Das Regenwasser laufe jedoch ab, es sei denn, es drücke Wasser von außen in den Kanal.

Schwierig, ergänzt Fröhlingsdorf, werde die Sache dadurch, dass das Regenwasserrohr in dem Schacht im Knick unterhalb des Schmutzwasserkanals verläuft. „Das müssen Sie sich vorstellen wie einen Siphon unter der Küchenspüle.“ Dieser Knick, so erläutert der Projektingenieur, setze sich zu. Von einer „kleinen Stelle“ redet Fröhlingsdorf indes nicht. „Das sind rund 100 Meter Kanal alles zusammen.“ 50 Meter kaputtes Regenwasserrohr kreuzen nach seinen Worten 50 Meter Schmutzwasserleitung. „Kann sein, da müssen zwei bis drei neue Schächte gesetzt werden.“

Bemerkt habe den Schaden Oevermann-Polier Andreas Taubert am Dienstag vergangener Woche, als das Bauunternehmen die Drainage und die Straßenabläufe habe anschließen wollen, um anschließend betonieren zu können.

Nach den wahrscheinlichen Gründen für den Kanalschaden und dem Alter des 30-Zentimeter-Rohrs gefragt, antwortet Grit Seemann: „Ganz genau kann man das nicht sagen.“ Sie könne sich vorstellen, dass der Kanalabschnitt aus den 70er- oder 80er-Jahren stammt, und dass der Schaden an den Muffen dadurch entstanden ist, dass „im Boden am Berg Bewegung“ herrschte. Die Erdarbeiten im Zusammenhang mit dem Umbau der Kreuzung schließt Seemann als mögliche Ursache aus.

Die Technische Leiterin des Rintelner Abwasserbetriebs erklärte gegenüber unserer Zeitung, der Schaden sei zu dem Zeitpunkt, als eine Fachfirma den Regenwasserkanal mit einer fahrbaren Spezialkamera kontrolliert habe, „noch nicht da gewesen“. Diese Kontrolle sei vor Beginn der Bauarbeiten an der Kreuzung vorgenommen worden.

„Wenn wir den Schaden nicht bemerkt hätten“, sagt Projektingenieur Holger Fröhlingsdorf, „hätten wir Wasser in der Fahrbahn.“ Er ist, das gibt er unumwunden zu, sauer. Der Abwasserbetrieb habe vor Beginn der Bauarbeiten schriftlich bestätigt, dass der Kanal in Ordnung ist. Und er fügt noch hinzu: „Die haben’s drauf ankommen lassen. Das können Sie ruhig so schreiben.“

Die Rechnung für die durch den Schaden und die damit verbundene Verzögerung entstehenden zusätzlichen Kosten im Zusammenhang mit dem Kreuzungsumbau werde das Landesstraßenbauamt an den Abwasserbetrieb schicken.

Foto: jak
Dieser Fahrbahnabschnitt der B 83 auf der Steinberger Kreuzung sollte eigentlich am kommenden Freitag betoniert werden. Daraus wird nun nichts.