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13.05.2017 Und jetzt?

Rat vertagt Entscheidung zu Schule Steinbergen / Landeskirche: "Haben anderen Schwerpunkt"

Schaumburger Zeitung / 13.5.2017

Rinteln/Steinbergen

Marieluise Denecke
Die Entscheidung über den Grundschulstandort Steinbergen ist am Donnerstagabend durch den Rat vertagt worden.

Die Tagesordnung sah vor, über die Auflösung der Grundschule abzustimmen – doch wie bereits im Schulausschuss hatte die Mehrheitsgruppe aus CDU, WGS und FDP beantragt, den und einen weiteren damit zusammenhängenden Tagesordnungspunkt abzusetzen. Ein Mitglied der Mehrheitsgruppe war gerade noch pünktlich zur Abstimmung gekommen, sodass die Entscheidung 18 zu 17 für die Absetzung ausfiel.

„Die Entscheidung ist noch nicht spruchreif“, argumentierte Dr. Gert Armin Neuhäuser von der WGS. Der Status Quo, dass die Steinberger Kinder in Deckbergen beschult werden, bleibe erhalten, es gebe also keinen „Entscheidungsdruck“, bis nicht alle Optionen ausgelotet seien.

Vor allem, so war es bereits im Schulausschuss zu hören, besteht aufseiten der Mehrheitsgruppe die Hoffnung, dass die Schule in privater – etwa kirchlicher – Trägerschaft fortbestehen kann.

Von Dr. Karl-Hinrich Manzke, Landesbischof der evangelischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, habe es dazu im persönlichen Gespräch mit Matthias Wehrung (CDU) und anderen politischen Vertretern vor einigen Wochen bereits positive Signale gegeben, so Neuhäuser.

Fragt man die Landeskirche, ergibt sich jedoch ein weniger positives Bild: „Wir sind eine kleine Landeskirche mit begrenztem Budget“, wiegelt Jan Peter Hoth, theologischer Referent des Landesbischofs, ab. Manzke selber befindet sich derzeit im Ausland und war für eine Stellungnahme daher nicht zu erreichen.

Aufgrund des begrenzten Budgets, so Hoth, wolle die Landeskirche den Schwerpunkt auf die eigenen Kindertagesstätten legen. „Darüber hinaus sehen wir keine weiteren Ressourcen“, so Hoth.

Im Landkreis befinden sich laut Hoth derzeit 15 Kitas in Trägerschaft der Landeskirche. Ihre Unterhaltung mache zehn Prozent des kirchlichen Budgets in Höhe von insgesamt zehn Millionen Euro aus.

Die Skepsis aufseiten der Landeskirche hätte sie „zwei Tage früher kommunizieren können“, sagt Neuhäuser, auf die Aussage Hoths angesprochen. Warum wurde mit der Aussicht auf eine kirchliche Trägerschaft dann – zumindest im Schulausschuss – so ausführlich argumentiert?

„Ich kann nur kommunizieren, was ich kenne“, sagt Neuhäuser – und die CDU habe vom Gespräch mit Manzke nun mal ein positives Ergebnis kommuniziert.

Dass die Landeskirche die Steinberger Schule nicht sofort „zur Priorität“ mache, habe er auch nicht erwartet, sagt Wehrung. Es habe sich um ein erstes Gespräch gehandelt, man habe „ergebnisoffen geredet“.

Die Verwaltung, so Wehrung weiter, habe keine Alternative zur Schließung des Standorts erarbeitet, habe keine Gespräche führen wollen: „Das ist uns zu wenig.“ Schließlich sei die Lebenshilfe als Träger auch noch eine Möglichkeit.

Auch CDU-Fraktionsvorsitzender Veit Rauch sieht in einer kirchlichen Trägerschaft nur eine Option von mehreren. Anders bewertet dies WGS-Kollege Neuhäuser: „Die kirchliche Trägerschaft war für mich am realsten.“ Einen Trägerverein, initiiert durch Eltern, „werden wir in dieser Ratsperiode schließlich nicht mehr erleben.“

Mehr Ruhe wünscht sich hingegen Rauch: Die Vertagung des Tagesordnungspunkts sei lediglich ein „Beschluss, nicht zu beschließen.“ Dadurch könnten „in Ruhe alle Möglichkeiten ausgelotet werden.“ Es schade schließlich nicht, etwa in einem Jahr wieder über Steinbergen zu sprechen: „Wir geben schließlich kein Geld aus durch diesen Beschluss.“

Diesen Langmut legt Heiner Bartling, für die SPD im Rat und Steinberger Ortsbürgermeister, nicht an den Tag. Er bezeichnet die Auflösung des Grundschulstandorts als „alternativlos“.

Der Mehrheitsgruppe wirft er vor, die „Illusion“ aufrechtzuerhalten, dass es eine andere Lösung gebe. Sie habe „es nicht im Kreuz, eine Entscheidung zu treffen.“

Auch wenn aus der Steinberger Schule eine Privatschule mit besonderem pädagogischem Konzept wie Waldorf oder Montessori für ganz Schaumburg entstünde – „bis zur Anerkennung ist es ein langer Weg“, so Bartling.

Zudem sei es Sache eines privaten Trägers, einen Antrag bei der Landesschulbehörde auf Betrieb einer Privatschule zu stellen – nicht Sache der Stadt.

Wie aber wird es nun weitergehen in Steinbergen? „Wir müssen uns um das Thema wieder intensiver kümmern“, sagt Veit Rauch. Man müsse mit dem Ortsrat und den betroffenen Eltern „im Gespräch bleiben“ und „alle Möglichkeiten ausloten“.

Für die Option der kirchlichen müsse es nun ein Treffen zwischen den Fraktionsvorsitzenden und Manzke geben, so Wehrung.

Die Bedingung von Manzke: Es müsse eine breite Unterstützung für das Projekt im Rat geben. „Daher auch mein Appell, offen für Gespräche zu sein“, sagt Wehrung. „Der Ball liegt jetzt im Spielfeld der Fraktionsvorsitzenden.“

Doch auch er gibt zu: „Es ist ein langer Weg.“

Foto: tol
Das Schulgebäude befindet sich mitten im Ort. Die Mehrheitsgruppe hofft auf private Trägerschaft. Die Landeskirche ist skeptisch.