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12.12.2013 Von Kosmetik bis Topflappen

In Ingrid Rinnes Laden werden sogar Fußmassagen angeboten

Schaumburger Zeitung / 12.12.2013

Steinbergen

Von Cornelia Kurth
Ingrid Rinnes Geschäft an der Bückeburger Straße ist ein Rätsel, jedenfalls auf den ersten Blick. Wer es betritt, sieht Borde mit Figürchen und kleinen Dingen rund um schöneres Wohnen, daneben Kosmetikartikel und Burda-Kataloge. Dann fällt die Post-Annahmestelle ins Auge, ein großer Vogelkäfig auch, dazu einige Damenkleidung, Schmuck und schließlich gar ein Stapel gehäkelter Topflappen. Seltsam.

So staunen tun allerdings wohl nur Ortsfremde. Seit vier Jahrzehnten gibt es dieses kleine Geschäft, das, gewissermaßen, zur Einkaufsstraße Steinbergens gehört und länger überlebte als die meisten anderen. Im Laufe der Zeit wandelte es sich, so wie Menschen sich wandeln und doch dieselben bleiben.

„Für mich bedeutete es das Bewahren der beruflichen Selbstständigkeit trotz Familie und Kinder“, sagt Ingrid Rinne. Sie hatte den Beruf einer Diätassistentin gelernt und nutzte zunächst die Räumlichkeiten im Erdgeschoss ihres Familienhauses, um dort Artikel aus dem Bereich der Reformwaren anzubieten, Nahrungsmittel, Salben, Cremes und andere Kosmetik, frei verkäufliche Medikamente, und dazwischen, wie es sich ergab, Geschenkartikel.

Wann immer es sein konnte und sein musste, veränderte und erweiterte sie ihr Angebot und passte sich dabei klug den sich ergebenden Möglichkeiten an. Als die Hirsch-Apotheke auf der gegenüberliegenden Straßenseite schließen musste, übernahm sie die Rezeptannahme und damit zugleich auch eine Reihe von Kunden, für die sie grundlegende Drogerieartikel bereitstellte. Und als sie dann eine Ausbildung zur medizinischen Fußpflege machte, richtete sie nicht nur einen gemütlichen kleinen Behandlungsraum im hinteren Teil des Ladens ein, sondern bot auch entsprechende Pflegereihen an.

Und dann der Quelle-Shop, wie es ihn lange Zeit oft gerade auf den Dörfern gab, als es in so vielen Familien noch ganz selbstverständlich war, dass der Katalog ins Haus kam. Jeder suchte sich etwas aus, das bestellt werden sollte. Und dann ging man in eine Bestellannahmestelle wie die von Ingrid Rinne, wo man sich bald darauf die Ware abholen konnte.

Als das Quelle-Unternehmen vor wenigen Jahren Konkurs anmeldete, war der Einschnitt für Rinne allerdings weniger stark, als man meinen könnte. „Schon lange vorher, das merkte ich deutlich, begannen die Leute damit, fast nur noch über das Internet einzukaufen.“ Immerhin kann man bei ihr seitdem Waren des Otto-Versands bestellen.

Da besaß Rinne aber schon lange die Lotto-Annahmestelle, die mit ihrem Tresen und dem großen rotgelben Schild das Innere des Geschäftes prägte. Sie entschloss sich zu einer weiteren Zusatzausbildung zur Kosmetikerin, bot dann neben Kosmetikbehandlungen auch Fußreflexzonenmassagen an. Schließlich stellte sie vor 15 Jahren eine Mitarbeiterin ein, die energische Cornelia Lossie, mit der sie seitdem ein Team bildet, das das Geschäft immer neu und immer weiter mit Leben erfüllt.

Man kann ja kaum alles aufzählen, was die beiden noch zu bieten haben. Wenn auch die Lotto-Annahmestelle ab Januar in die Hände des Ladens „La Casa Ambiente“ übergeht, so gibt es dafür inzwischen eine Annahmestelle für Wäsche, die chemisch gereinigt werden soll. Auch liegen überall Burda-Kataloge herum, um den Frauen des Dorfes Modewünsche zu erfüllen. Wer die gehäkelten Topflappen und Babyschuhe kauft, spendet damit automatisch für „Ärzte ohne Grenzen“. Und nicht zuletzt wanderte gerade die Postfiliale, die vorher im nun geschlossenen Frischmarkt Fischbeck ihren Standort hatte, hinüber zu Ingrid Rinne.

Damit wird eine ganze Menge zusätzlicher Arbeit auf die beiden Frauen zukommen, denn vom Geschäft aus kann man nicht nur Päckchen versenden, sondern sich auch seine Sendungen abholen, wenn der Postbote einen nicht zu Hause antraf. „Ja, bei uns wird es wohl immer ein Kommen und Gehen sein“, sagt Rinne. Und das ist genau das, was sie ja auch haben will.

Foto: jak
Ingrid Rinne (r.) und Cornelia Lossie betreiben den kleinen Laden in Streinbergen. Und manchmal gibt es dort auch eine Tasse Kaffee mit Plätzchen.