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12.09.2016 Zukunft der Arensburg im Dunkeln

"Tag des offenen Denkmals" / Beispiel 2: Gut Echtringhausen wird restauriert

Schaumburger Zeitung / 12.9.2016

Rinteln

Von Hans Weimann
Zwei Denkmale, die man am Sonntag im Rahmen des „Tages des offenen Denkmals“ besichtigen konnte, sind auch ein Politikum und stehen aus unterschiedlichen Gründen im Fokus der Öffentlichkeit: die Arensburg, die seit Anfang des Jahres einen neuen Besitzer hat – die Aventura Capital Partners in Langenhagen –, und Gut Echtringhausen, dessen Besitzerin gegen Windkrafträder im Wesertal direkt vor ihrer Haustür kämpft.

Wenn ein Preis für den schweigsamsten Denkmalbesitzer ausgelobt worden wäre, die Vertreterinnen des Unternehmen Aventura Capital Partners aus Langenhagen hätten ihn sich verdient. Der Immobilienkonzern hatte am Sonntag Getränkestand, Bratwurstbude und Kettenkarussell vor der Burg aufstellen lassen, doch Informationen gab es nur zu Historie, nicht zur Zukunft der Burg.

Es sei noch zu früh, es gebe verschiedene Ideen, so die Auskunft. Ein gastronomischer Betrieb in der Burg, Seniorenwohnungen daneben, wo jetzt die Garagen stehen? Schulterzucken, Kopfschütteln, das war es dann auch schon. Dabei sollen nach unseren Informationen dem Rintelner Bauamt bereits konkrete Pläne vorgelegt worden sein mit den oben genannten Optionen.

Immerhin: Die Arensburg war wohl am Sonntag das mit am meisten besuchte Denkmal. Und es kam sogar eine Wissenschaftlerin, Dr. Katharina Kagerer. Die ist Spezialistin für Inschriften des Mittelalters und der frühen Neuzeit und arbeitet an der Akademie für Wissenschaften an der Universität Göttingen. Sie interessierte sich besonders für eine Grabplatte auf der Burg.

Rund 740 Inschriften in ganz Schaumburg (bis zum Jahr 1650) hat ihre Arbeitsgruppe schon dokumentiert und übersetzt. Am 21. September will sie ihre Arbeit auch im Rintelner Museum vorstellen. Die Veröffentlichung eines Buches über die Schaumburger Inschriften ist für das nächste Jahr geplant.

Auf Gut Echtringhausen konnten die zahlreichen Besucher eine Baustelle besichtigen. Denn seit Anfang Juli wird an der ehemaligen Wasserburg von 1557 restauriert. Ein Projekt, das mit Zuschüssen der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, durch Landes-, Bundes- und EU-Mittel aus der Kulturerbeförderung unterstützt wirde.

Begonnen haben zunächst die Zimmerleute, die das in der Vergangenheit unorthodox reparierte Fachwerk des Obergeschosses fachgerecht sanieren sollen, schilderte Britta Steuer.

Hier müssen unter anderem Fachwerkschwellen, Deckenbalkenköpfe, Mauerlatten, Streben, Ständer und Riegel teilweise erneuert werden. Dabei sei der fachgerechte Verbund zwischen altem und neuem Fachwerk mit traditionellen Zimmereiverbindungen besonders wichtig, damit das Fachwerk wieder seine volle Funktion erhalte. Für den Einbau könne nur Eichenholz aus historischer Substandz verwendet werden.

Hier arbeiten die Zimmerin Henrieke Meyercordt und der Zimmerer Simon Markthoffer, die Restauratorin Kerstin Ulpinnis und der Restaurator im Maurerhandwerk Jannis Wienforth. Die Handwerkerinnen, die aus ganz Norddeutschland, aus Berlin und sogar den Vereinigten Staaten von Amerika kommen, haben ihr Quartier in ihren eigenen Trailern einer Wagenburg dierekt auf Echtringhausen.

Und Echtringhausen wartete auch kulinarisch mit einer Spezialität auf: Hamburger aus dem Fleisch von den eigenen Charolaisrindern.

Foto: wm
Die Zehntscheune an der Arensburg ist von den Vorbesitzern für Wohnzwecke umgebaut worden. Der Denkmalschutz war nicht begeistert.