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11.07.2014 Bauschäden in Millionenhöhe?

In der Arensburg blättert nicht nur die Farbe ab / Interessent nimmt Abstand von Schlosskauf

Schaumburger Zeitung / 11.7.2014

Steinbergen

Von Hans Weimann
Die Arensburg, das historische Gemäuer und die Zehntscheune verfallen zusehends. Ein Kaufinteressent aus der Schweiz war jüngst auf dem Gelände und hat mit Entsetzen festgestellt, dass Dächer teilweise löcherig sind, Regen ungehindert in Räume eindringen kann und Dämmung durchfeuchtet wird mit dem Ergebnis, dass sich Schimmel bildet.

Unübersehbar sind inzwischen auch die Schäden durch Vandalismus, entstanden, bevor der SDS-Sicherheitsdienst hier angefangen hat, regelmäßig Streife zu laufen. Der Sicherheitsdienst konnte im April dieses Jahres dann auch verhindern, dass eine Diebesbande tonnenweise Metall aus dem Schloss abgeschleppt hat. Heizungsrohre, Dachrinnen und Stromkabel waren schon demontiert und lagen zum Abtransport bereit auf dem Hof. Und das Schloss ist ein Ziel für Geochacher, ein „Lost place“, wie das in der Szene heißt. Legal ist das nicht, dafür ein Nervenkitzel.

Schon bisher seien die Schäden an dem historischen Bauwerk enorm, war zu hören. Mit ein paar Eimern Farben sei da nichts mehr zu machen. Sollte bis zum Winter nichts geschehen, könnte der Zustand desaströs werden, so die Einschätzung der Interessierten, die das Schloss jüngst besichtigt haben. Klar ist: Wie es weitergeht mit der Arensburg, steht und fällt mit der möglichen Nutzung des Schlosses. Klar ist auch, dass es eine gewerbliche Nutzung sein muss. Ein Privatmann würde sich vermutlich schon an den Unterhaltungskosten für das Schloss mit 1900 Quadratmetern Wohnfläche verheben, sagen die Immobilienfachleute, die sich mit dem Schlossverkauf beschäftigt haben.

Und da hatte ein Schweizer Interessent bereits Ideen. Er kenne das Schloss von früher, teilte er per E-Mail mit, denn er sei vor seinem Umzug in die Schweiz in der Schaumburger Region ansässig gewesen. Kunst, Kultur und Wohnen wolle er im Schloss zusammenführen. Auch eine Gastronomie, ein Biergarten und/oder ein Kaffeehaus wären eine Option, in der Familie gebe es dafür das nötige Fachwissen. Das Schloss eigne sich für Tagungen und sei ein Ziel für Ausflüge.

Die Verhandlungen mit dem Schweizer sind nach unseren Informationen ins Stocken geraten. Das erste Problem ist wohl eine Finanzierung. Nach Schätzungen müssten mindestens eine Million Euro, möglicherweise sogar 1,5 Millionen investiert werden, um die Immobile für eine wie auch immer geartete Nutzung wieder instand zu setzen und die Bauschäden zu beheben.

Eine Bank in unserer Region habe bereits abgewinkt. Das Objekt selbst sei nicht beleihungsfähig, es sei denn, der Investor habe andere Objekte als Sicherheit vorzuweisen. Sollte die öffentliche Hand einsteigen, müsste im Gegenzug das Schloss für eine öffentliche Nutzung zumindest teilweise zugänglich sein, vor allem der Park.

Das zweite Problem ist wohl der Preis: 650000 Euro waren ursprünglich das Preisziel der derzeitigen Besitzerin, der Geschäftsfrau und Zahnärztin Dr. Christiane Bennink aus Münster, für 490 000 Euro ist das Schloss mit dem Kerngrundstück von sechs Hektar im Internet angeboten. Die Eigentümerin soll zwar von diesem Preis inzwischen abgerückt sein, aber wohl nicht genug – angesichts der Bauschäden, war zu hören.

Dr. Bennink hatte vor zwei Jahren das sogenannte „Capahaus“ in Leipzig, ein berühmtes Gebäudeensemble, ersteigert und auch hier offensichtlich den Renovierungsaufwand zu gering eingeschätzt. Sie verkaufte das Gebäude acht Monate später wieder.

Der Schweizer Interessent fasste gestern in einer E-Mail die Situation so zusammen: „Da es sich bei dem Schloss um ein nicht auf Profit ausgelegtes Konzept handelt, sondern der Erhaltung und der sinnvollen Nutzung von Schloss und Schlosspark dient, sind Mittel nur begrenzt vorhanden, die eingesetzt werden könnten. Für Banken ist das Projekt nicht interessant und nach privaten oder öffentlichen Förderern kann man erst suchen, wenn man das Objekt schon nutzen kann“.

Wie zu hören war, habe es im frühen Stadium der Verkaufsversuche Kontakte mit der Rotlichtszene gegeben. Doch auch dort hat man wohl abgewinkt: Die Auflagen seien zu hoch, vor allem im Brandschutz. Dann müssten die Räume des Schlosses für diese spezielle Branche umgebaut werden. Dazu kommt: Auch Investoren in dieser Branche sind nicht mehr so liquide wie in früheren Zeiten.

Foto: tol
Im Salon der Arensburg stehen noch Sitzmöbel. An der Wand hängt ein großer Spiegel. Der Raum sieht renovierungsbedürftig aus. Aber mit einer Auffrischung im Inneren des Schlosses ist es noch lange nicht getan.