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10.06.2014 Was mache ich mit meinem Kind?

Müttern hadern mit Übergang von Kindergarten in Grundschule

Schaumburger Zeitung / 10.6.2014

Steinbergen

Von Peter Blaumann
„Was mache ich mit meinem Kind, wenn es ab September die Grundschule (GS) in Steinbergen besucht?“ Diese Frage stellt sich Annette Bißmeier hinsichtlich der Betreuung nach dem Unterricht. Und die Elternbeiratsvorsitzende der Kindertagesstätte in Steinbergen hat auch gleich eine passende Antwort parat. „Die beste Lösung wäre die Einrichtung einer Hortgruppe im Gebäude der Grundschule Steinbergen!“ Unterstützt wird diese Forderung von Nicole Münster, Elternsprecherin der 1. Klasse, und Maria Geers, stellvertretende Elternsprecherin der 3. Klasse und Mitglied im Schulvorstand, sowie vielen Eltern.

Annette Bißmeier ist voll berufstätig. Ihr Sohn besucht die Kindertagesstätte in Steinbergen und wird dort bis 16.30 Uhr betreut. Nach den Sommerferien geht der Junge dann in die 1. Klasse der GS Steinbergen. Der Unterricht endet gegen 12 Uhr. Die Kinder werden bis 13 Uhr beaufsichtigt. Da die GS Steinbergen eine Außenstelle der GS Deckbergen ist, besteht danach die Möglichkeit, die Kinder in der „Ganztagsschule“ in Deckbergen betreuen zu lassen. „Das ist für mich keine Lösung. Die Ganztagsschule endet schon um 14.45 Uhr und wird nur an drei Tagen, von Dienstag bis Donnerstag, angeboten. Was mache ich dann am Montag und Freitag“, fragt sich Bißmeier.

Der zweite Lösungsansatz wäre der Hort in der Kindertagesstätte in Engern. „Dort sind nach Auskunft der Kindertagesstättenleitung nach den Sommerferien aber nur fünf Plätze in der Hortgruppe frei“, hat sich Bißmeier schon erkundigt. Der Bedarf an Hortplätzen für Steinberger Kinder läge aber bei 18 bis 22. „Wir haben alle Eltern der Steinberger Grundschüler angeschrieben und abgefragt, wie groß das Interesse an einer Hortgruppe in Steinbergen sei. Von den 51 Eltern haben 49 geantwortet. Dabei kam heraus, dass gut 18 bis 22 Eltern ihr Kind in den Hort vor Ort schicken würden“, so Bißmeier. „Im Gebäude der GS Steinbergen sind zwei Wohnungen frei. Man könnte einige Räume mit wenig Aufwand für eine Hortgruppe umgestalten“, ist sich Bißmeier sicher. Gespräche mit der Gemeinnützigen Verwaltungs- und Siedlungsgesellschaft (GVS) blieben ergebnislos.

„Wenn geklärt wäre, ob die Personalkosten für eine Betreuungskraft von der Stadt übernommen werden, könnten wir die Räume in Eigenregie mit einfachen Mitteln umfunktionieren. Wir haben viele Handwerker im Dorf, die bereit wären, tatkräftig mitzuhelfen. Nur die Materialkosten müsste die Stadt übernehmen“, weiß Bißmeier.

Unterstützung in ihren Plan findet Annette Bißmeier von Nicole Münster und Maria Geers. „Die Kinder nach dem Unterricht dreimal in der Woche für knapp zwei Stunden Betreuung nach Deckbergen zu fahren, ist ein großer Umstand und völlig unbefriedigend“, ist die Entrüstung der beiden Mütter groß. „Wenn in Steinbergen eine Hortgruppe eingeführt würde, hätte das auch noch einen schönen Nebeneffekt. Wenn gewährleistet ist, dass Kinder in dem Hort bis 16.30 Uhr betreut würden, würden sich viele berufstätige Eltern aus Engern, Ahe und vielleicht auch Westendorf ihre Kinder sicherlich in Steinbergen einschulen und so den Erhalt der GS Steinbergen festigen“, erklärt Münster. Laut Markus Witt, Verwaltungsstellenleiter in Steinbergen, können Eltern aus Engern und allen anderen Ortsteilen aus dem Einzugsbereich der GS Deckbergen ihre Kinder jederzeit in Steinbergen einschulen lassen, auch ohne Ausnahmegenehmigungsantrag. „Das geht, weil Steinbergen eine Außenstelle von Deckbergen ist“, weiß Witt. „Die Schülerbeförderung wäre kein Problem. Die müsste der Landkreis übernehmen. Notfalls mit Taxi-Unternehmen.“

Wird ein Hort in Steinbergen nicht eingerichtet und wollen Eltern ihre Kinder nach dem Unterricht nicht nach Deckbergen zur Betreuung fahren lassen und bleibt ihnen für ihr Kind ein Hortplatz in Engern verwehrt, bleibt den Eltern eine letzte Variante. Sie müssten ihr Kind im Hort der Kindertagesstätte „Klabauternest“ in der Breiten Straße in Rinteln unterbringen. Dieser Hort ist für 60 Kinder ausgelegt. Nach den Sommerferien gibt es zwei Hortgruppen mit 40 Kindern, die von 12.30 bis 16.30 Uhr betreut werden.

„Zwei Kinder stehen auf der Warteliste“, sagt Kindertagesstättenleiterin Michaela Rothert. „Wenn bis zum September weitere zehn Kinder für den Hort angemeldet werden, könnte eine dritte Gruppe installiert werden. Um rechtzeitig zu planen, ist es wichtig, dass Eltern frühzeitig ihre Kinder bei uns anmelden“, so Rothert.

„Was den Kindern im Grundschulalter zugemutet wird, ist nicht nachvollziehbar“, sind sich Annette Bißmeier, Nicole Münster, Maria Geers sowie viele andere Mütter einig. „Wir wollen eine Hortgruppe in Steinbergen. Und dafür kämpfen wir. Wir hoffen auf die Einsichtigkeit der verantwortlichen Entscheidungsträger im Sinne der Kinder.“

Foto: peb
Annette Bißmeier (v.l.), Nicole Münster und Maria Geers kämpfen für einen Hort im Gebäude der Grundschule in Steinbergen.