. .

10.04.2018 Millionen in den Sand gesetzt

Ehemaliges Pflegeheim: Gläubiger gehen im Insolvenzverfahren weitgehend leer aus

Schaumburger Zeitung / 10.4.2018

Steinbergen

Von Hans Weimann
Das ehemalige Pflegeheim an der Steinberger Kreuzung mit der historischen Achenbachschen Villa ist (auch) ein Millionengrab. Jetzt zieht das Insolvenzgericht in Bückeburg einen weiteren Schlussstrich unter eine Reihe von Verfahren. Abgewickelt wird das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Firma MEDINA Immobilien Management AG in Luhden.

MEDINA war Besitzer des Gebäudekomplexes an der Arensburger Straße. Aktuell soll jetzt das verbliebene Vermögen, der „Massebestand“ der Firma, unter den Gläubigern aufgeteilt werden – gerade noch rund 21 000 Euro. Die Forderungen belaufen sich dagegen auf rund 2,5 Millionen Euro.

Der Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter Sascha Bibiha aus Minden kennt den wirtschaftlichen Niedergang des Pflegeheimes wie kein Zweiter. Drei Firmen waren beteiligt: die Pro Senia GmbH, die das Pflegepersonal stellte, die CMA Betreuungs- und Eingliederungs GmbH, die das Unternehmen führte. Als Dienstleister, der unter anderem das Reinigungs- und Küchenpersonal bereitstellte, fungierte die ECON Medina. Geräumt wurde das Pflegeheim im September 2013. Seitdem steht es leer.

Hauptgläubiger waren Banken. Bibiha sagt: Wenn jemand ein Haus für 200 000 Euro baut und sich das Geld leihe, schaue die Bank vorbei und wolle wissen, was mit ihrem Kredit gebaut worden sei. Damals habe die Bank eine Million verliehen, ohne dass sich jemand einmal das Objekt persönlich angeschaut hätte. Heute wäre das so nicht mehr möglich.

Derzeitiger Eigentümer des Gebäudekomplexes ist die Aventura in Hameln. Zuletzt ist das ehemalige Pflegeheim im Dezember bei einer Auktion der „Westdeutsche Grundstücksauktionen AG“ angeboten worden. Für ein Mindestgebot von 349 000 Euro. Doch das wollte niemand zahlen. 2015 hatte der Gutachterausschuss den Verkehrswert des Komplexes noch auf zwei Millionen Euro geschätzt.

Ideen, was man mit dem Gebäudekomplex mit den 104 Zimmern, Küche, Speisesaal und Wirtschaftsräumen auf dem 7300 Quadratmeter großen Grundstück anfangen könnte, gab es schon viele, auch konkrete Anfragen.

So wollten Investoren unter anderem eine Tankstelle einrichten, ein Motel bauen, ein Hotel mit Sälen für türkische Hochzeiten, ein Bordell, Büroräume, eine Flüchtlingsunterkunft, erneut ein Pflegeheim oder eine Senioren-WG.

Alle diese Konzepte konnten aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht verwirklicht werden. Zuletzt diente die Villa als Baustellenbüro für den Umbau der Steinberger Kreuzung.

Foto: tol
Markantes Gebäude an der Steinberger Kreuzung: das ehemalige Pflegeheim