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09.12.2017 Wer wird`s?

Zwei Interessenten für Schule Steinbergen: Was das bedeutet

Schaumburger Zeitung / 9.12.2017

Steinbergen

Von Marieluise Denecke
Endlich scheint Bewegung in die Diskussion um den Schulstandort Steinbergen zu kommen: In der vergangenen Woche haben sich zwei Interessenten gemeldet. Ihnen will der Rat bis zum 31. März 2018 Zeit geben, bevor das Thema wieder diskutiert wird (wir berichteten).

Das heißt natürlich noch nicht, dass über den Schulstandort entschieden ist. Aber es ist eine neue Entwicklung, die bedeuten könnte, dass das Gebäude weiterhin als Schule genutzt werden könnte.

Bürgermeister Thomas Priemer stellte während der Ratssitzung in der vergangenen Woche allerdings klar, wie die Verwaltung die Situation bewertet: „Wir sehen keine Zukunft, eine Schule in städtischer Trägerschaft aufrechtzuerhalten.“ Er teilte weiterhin mit, dass es bei dem Gebäude keinen Anspruch aus Bestandsrecht auf den Betrieb einer Schule gebe. Aber: Im Flächennutzungsplan sei das Gelände für die Schulnutzung vorgesehen, so Priemer. Solang dieser Plan nicht geändert werde, könne man hier jederzeit wieder eine Schule betreiben.

Hieße: Ein Schulbetrieb wäre relativ leicht wieder zu etablieren. Aber von wem? Beim Ortstermin am 16. November mit Vertretern von Verwaltung sowie Politik hätte eigentlich auch Wim Ruijsendaal, Schulleiter des Montessori-Bildungshauses Hannover, dabei sein sollen. Dass Ruijsendaal nicht dort war, überraschte die Beteiligten: Der Interessent habe die Schule nicht einmal von innen gesehen und sei nun nicht zum Termin gekommen, „das werte ich nicht als ernsthafte Interessenbekundung“, kritisierte Heinrich Sasse (WGS) im Rat.

Sowieso mahnte er die Interessenten: „Kommen Sie in die Pötte!“ Dass die Stadt in Sachen Schulstandort keine Entscheidung vor März fälle, sei schließlich „ein großes Stück Entgegenkommen.“

Sei nicht das Zeitfenster zu knapp?, fragte Veit Rauch (CDU). Wolle man eine Schule in privater Trägerschaft einrichten, seien schließlich „viele Regularien zu beachten.“ Priemer deutete an, dass der Verwaltung eine ernsthafte Interessenbekundung sowie die Abklärung der Voraussetzung erst einmal reichen würden – und das sei bis März möglich.

Peter Rohde vom Trägerverein der Immanuel-Schule in Bückeburg ist einer der Interessenten (wir berichteten). Die Schule ist eine christliche Bildungseinrichtung, deren pädagogisches Konzept sich den Schülern „hinsichtlich Leistungsvermögen, Begabung und Neigung, Lerntyp und Persönlichkeitsprofil“ anpasse, wie auf der Homepage zu lesen ist. Der Verein betreibt einen Kindergarten, eine Grundschule und eine Integrierte Gesamtschule mit insgesamt 230 Kindern, wie Rohde in seiner E-Mail an Priemer vergangene Woche mitteilte.

Darin formulierte er auch die Voraussetzungen, unter denen der Verein die Trägerschaft der Steinberger Schule übernehmen werde: die Besichtigung des Schulgebäudes, die Genehmigung der Landesschulbehörde für die Errichtung einer Zweigstelle in Steinbergen „und Gewährung von Finanzhilfe vom ersten Tag an“, ausreichendes Lehrpersonal, eine „verbindliche vertragliche (kostengünstige) Regelung über die Anmietung des Schulgebäudes“, der Betrieb der Schule nach pädagogischem Konzept des Vereins, Einblick in die Schülersituation vor Ort sowie die Genehmigung der Mitgliederversammlungen.

Montessori oder Immanuel-Schule – wer wird‘s? Für Sascha Gomolzig, der für die CDU im Steinberger Ortsrat sitzt und die Eltern des Ortes vertritt, ist klar: Hauptsache, der Schulstandort bleibt erhalten. Diesen Schwerpunkt legt die Elterninitiative Montessori in Rinteln nicht: Eine solche Schule sei für die Region bedeutend und ist daher nicht an einen Ortsteil gebunden.

Gomolzig setzt daher auf die Immanuel-Schule: Sie und die Verwaltung müssten nun schnellstmöglich zusammenkommen. Gomolzig habe als Vorsitzender außerdem die Unterstützung des Fördervereins der Steinberger Schule zugesagt. „Wir können zusammen richtig was bewegen“, so Gomolzig. Er ist sich sicher: Nach Weihnachten wird das Thema wieder konkret diskutiert. Er finde es außerdem „super“, dass er sich auf das Wort von Priemer, keine Entscheidung vor dem 31. März zu fällen, verlassen habe können: „Chapeau!“

Andere sahen Steinbergen als Musterbeispiel für andere Außenstellen: „Ich hoffe, dass wir den Schulstandort erhalten können“, so Thorsten Frühmark (CDU) im Rat. Dies sei „mahnendes Beispiel für andere Dorfschulen“, besser im Voraus zu planen. In Möllenbeck sitzt die Außenstelle der Grundschule Süd; mit aktuell 61 Schülern ist es der kleinste Schulstandort in Rinteln.

Foto: tol
Knapp zwei Jahre lang wird nun schon über die Zukunft des Schulstandortes Steinbergen diskutiert. Am 8. Dezember 2016 schickte die Niedersächsische Landesschulbehörde ein Schreiben an die Stadt Rinteln mit der Aufforderung, die Auflösung der Außenstelle zu prüfen. Jetzt kommt Bewegung in die Sache: Zwei Interessenten haben sich gemeldet.