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09.12.2015 "Das Schloss gibt es umsonst dazu"

Makler: Es gibt über zehn Interessenten / Hausschwamm-Gerücht eine Kampagne, um Preis zu drücken?

Schaumburger Zeitung / 9.12.215

Steinbergen

Von Hans Weimann
Seit Mitte November ist die Arensburg wieder auf dem Markt und wird im Internet angeboten. Am Donnerstag, 17. Dezember, soll die historische Immobilie bei einer Auktion in Berlin versteigert werden.

Der Hohenroder Makler Gerhard Bein, der für die Deutsche Grundstückauktionen AG Unternehmensgruppe arbeitet und die Arensburg präsentiert, ist selbst überrascht, welches Interesse es an der Burg inzwischen gibt, nachdem Vorbesitzer lange und vergeblich nach einem Käufer gesucht hatten.

Bein schilderte am Telefon, er habe inzwischen „über zehn Interessenten“ durch das Schloss geführt, darunter Investoren aus dem süddeutschen Raum, aus Ostdeutschland und Berlin. „Jemand, der aus Stuttgart anreist“, betont Bein, „macht das nicht zum Spaß. Der hat sich vorher genau informiert und wohl auch eine konkrete Vorstellung, was er mit dem Schloss machen könnte.“

Viele verraten es ihm allerdings nicht. Schon gar nicht im Detail. Die Nutzungskonzepte, von denen er bei einem Rundgang höre, drehten sich meist um Wohnen, Büroflächen, Seniorenwohnungen oder Senioren-WGs.

Wer anruft, bekommt von Bein ein komplettes Exposé mit allen Informationen, mehr als im Internet veröffentlicht. Bein ist inzwischen optimistisch, nach langem Stillstand werde es für die Arensburg einen potenten Investor geben. Das Schloss habe eine Chance, dass dort demnächst wieder Leben einziehe.

Der Preis, sagt Bein, sei bei den Gesprächen kaum das Thema: Die rund 300000 Euro, die auf den zwei Seiten des Hochglanzkataloges mit dreizehn Fotos genannt werden, das sei gerade der Grundstückswert: „Das Schloss gibt es umsonst dazu.“ Dass man für die Sanierung mindestens ebenfalls eine sechsstellige Summe in die Hand nehmen muss, steht auf einem anderen Blatt.

Das Schloss ist vorzeigbar, wie Vorbesitzerin Dr. Christiane Bennink und der derzeitige Schlossherr Achim Hecht aus Leipzig bei einem Rundgang der Presse zeigen. Hecht will damit vor allem die Behauptungen eines Kölner Kaufmannes entkräften, der nicht nur Schimmel, sondern Hausschwamm im Schloss festgestellt haben will. Hecht betont: „Hausschwamm gibt es nicht.“ Das in der Presse geschilderte dramatische Szenario von einem Verfall des Schlosses habe nichts mit der Realität zu tun. Es habe zwar Wasserschäden durch Starkregen gegeben. Aber das habe man inzwischen im Griff. Hecht, der es genau wissen wollte, hatte Putz von den Wänden geklopft, Decken aufgerissen, Verkleidungen abmontiert, um nach den Wasserschäden zu suchen, und zeigt bei einem Rundgang vom Dachgeschoss bis in den ehemaligen Weinkeller: Das Schloss ist jetzt trocken. Alles dicht.

Nachdem die Wasserschäden bekannt geworden waren, hatte das Rintelner Bauamt als untere Denkmalschutzbehörde Hecht eine Liste für Sofortmaßnahmen aufgegeben. Gefordert wurden unter anderem eine Abdichtung der Fenster und des Daches und die Reparatur defekter Dachrinnen. „Alles erledigt“, betonte Hecht bei dem Rundgang.

Warum Gerüchte über Hausschwamm in dieser Dramatik in die Welt gesetzt worden sind, kann sich Hecht nur damit erklären, dass es wohl eine gezielte Kampagne war, um so den Preis zu drücken. Das Schloss für den symbolischen Euro.

Foto: tol
Am 17. Dezember soll die Arensburg in der Hauptstadt versteigert werden.