. .

09.05.2015 Naturschutz vor Klimaschutz

Leserbrief von Dr. Joachim von Medien und Matthias Wehrung zu: Stoppt Seeadler Windradpläne im Wesertal?

Schaumburger Zeitung / 9.5.2015

Westendorf

Es ist richtig und konsequent, dass der Landkreis nun den Windradinvestor „Planet Energy“ auffordert, sein avifaunistisches Gutachten zum Bau der geplanten Windräder im Wesertal zu überarbeiten. Denn der bei Wennenkamp brütende und bei Hohenrode jagende Seeadler verändert die Situation grundlegend. Nicht auszudenken, wenn eines Tages ein durch die Rotorblätter erschlagener Adler unter den Windkraftanlagen läge. Gleiches gilt im Übrigen auch für den in Hohenrode regelmäßig auftauchenden Fischadler und den Rotmilan im Bereich Deckbergen.

Wir haben es bei der Windradproblematik im Wesertal mit einem klassischen Zielkonflikt zu tun. Klimaschutz und Naturschutz – beide wünschenswert – schließen sich hier aus. Meines Erachtens sollte in diesem Fall der Naturschutz klaren Vorrang genießen. Denn mit zwei Windrädern ist der Beitrag zum nur global zu lösenden Klimaschutz minimal – der Schaden für den Naturschutz aber maximal.

Die Gesamtbeurteilung eines Baus von Windrädern im Wesertal muss aber noch weitere Punkte mit einbeziehen. Schaumburg ist der am dichtesten besiedelte Landkreis Niedersachsens. Allein im Wesertal bei Rinteln leben über 20000 Menschen.

200 Meter hohe Windradmonster berühren also die Lebenswelt immens vieler Mitbürgerinnen und Mitbürger. Wir können uns glücklich schätzen, in einem derart schönen Fleckchen Erde wie dem Wesertal zu leben. Die Idylle der Landschaft lockt jedes Jahr Tausende Touristen an, die sich bei Wanderungen, Schifffahrten oder auf dem Weserradweg an der einmaligen Schönheit der Landschaft erfreuen. Und wer kennt ihn nicht, den weiten Blick von der Weserbrücke entlang der Flussaue in Richtung Schaumburg?! Windkraftanlagen vor dem Wahrzeichen und Namensgeber unseres Landkreises sind eine dramatische Entwertung unserer heimatlichen Idylle.

Windräder haben im Wesertal nichts zu suchen – aus Gründen des Naturschutzes, aber auch zum Schutz der Menschen in unserer einzigartigen Kulturlandschaft.

Dr. Joachim v. Meien, Exten
Matthias Wehrung, Rinteln