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08.10.2014 Museum kauft historische Arensburg-Fenster

Drei Bleiglasscheiben von Schlosseigentümerin erworben / Vor 500 Jahren für Obernkirchener Stift angefertigt

Schaumburger Zeitung / 8.10.2014

Rinteln

(ll) An der Arensburg ist in jüngster Vergangenheit schon mal alles gestohlen worden, was nicht annähernd niet- und nagelfest war.

Diebesbanden kamen sogar aus Norddeutschland angereist, um Dachrinnen, Heizungsrohre und Kupferleitungen abzumontieren und mitzunehmen. Seither bewacht zwar ein Sicherheitsdienst das leer stehende Schloss, doch völlig sicher vor Diebstahl ist die dahinsiechende Arensburg gewiss nicht.

Um so erstaunlicher ist, dass sich bis vor Kurzem noch Gegenstände von kulturhistorischer Bedeutung in den Gemäuern befanden.

Das Museum Eulenburg hat von der Eigentümerin der leer stehenden Arensburg jüngst drei historische Bleiglasfenster erworben, um sie langfristig zu sichern. Museumsleiter Dr. Stefan Meyer schätzt das Alter der Glasfenster auf 500 Jahre. Es handele sich dabei um Fenster, die in vorreformatorischer Zeit, etwa um 1500, für das Stift Obernkirchen angefertigt wurden. Die Besonderheit ist, sagt Meyer, dass sie die Stiftskirche in den ältesten bislang bekannten farbigen Ansichten zeigen – damals war das Stift ein viel besuchter Marienwallfahrtsort.

Die Fenster aus der Arensburg gehören zu den wenigen ihrer Art, die im Raum zwischen Bielefeld und Hannover erhalten geblieben sind.

„Mittelalterliche Kirchenfenster sind in Norddeutschland sehr selten“, erklärt der Museumsleiter zu den 46 mal 51 Zentimeter großen Bleiglasscheiben, die wohl einst den Chorraum der Kirche schmückten.

Auf den drei Exemplaren sind neben der Gottesmutter Maria, ein römisch-deutscher Kaiser und eine Nonne dargestellt. Der Kaiser ist auf dem Fenster als Schirmherr des Stifts dargestellt.

„Es handelt sich vermutlich entweder um Kaiser Friedrich I. Barbarossa, der das Stift um 1170 aktiv förderte oder um Kaiser Friedrich III. beziehungsweise Maximilian I., die das Reich um 1500 regierten“, meint Meyer.

Auf die Arensburg könnten die Fenster bereits durch Bischof Hermann von Minden gekommen sein, der auch nach der Reformation dem Katholizismus treu blieb und auf der Burg um 1580 im Ruhestand lebte. Denkbar ist laut Meyer, dass der Bischof die Fenster dort hinbringen ließ, als zur selben Zeit die Gegenstände der Marienverehrung im reformatorischen Sinne aus der Obernkirchener Stiftskirche entfernt wurden. Langfristig, so Meyers Plan, sollen die Fenster wieder öffentlich sichtbar ausgestellt werden.

Foto: Museum Eulenburg
Dieses Bleiglasfenster zeigt einen römisch-deutschen Kaiser vor dem Stift Obernkirchen