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08.05.2013 Was wird nur aus der Arensburg?

Schaumburger Zeitung / 8.5.2013

Steinbergen

Von Hans Weimann
Das große Metalltor mit dem Niedersachsenross, an dem auch schon der Rost nagt, ist mit einem soliden Vorhängeschloss gesichert. Die Klingelschilder sind ohne Namen, der Briefkasten aufgebrochen. Seit zehn Jahren steht jetzt die Arensburg leer. Es ist nicht gerade ein glanzvolles Jubiläum. Im Mai 2003 ist Dieter F. Kindermann mit seinem Unternehmen, damals bekannt als „Aldi der Immobilienbranche“ vom Schloss nach Bad Nenndorf umgezogen. 3,93 Millionen Euro sollte die fürstliche Immobilie damals bringen. Für diesen wahrhaft fürstlichen Preis war sie im Immobilienteil der „Welt“ annonciert. Es fand sich sogar ein Käufer – nur der zahlte nicht.

Verkauft worden ist sie dann zu einem Bruchteil dieses Preises an Heinrich Gruber, Bergmann, Metallbauer und Erfinder. Was Gruber letztendlich dafür auf den Tisch gelegt hat, ist nie an die Öffentlichkeit gekommen. Gruber verriet es nicht. Er hatte mit dem Schloss zunächst große Pläne, wollte ein Erfinderzentrum daraus machen oder ein Refugium, einen Altersruhesitz für die 68er-Generation.

Nach dem Kauf hat er den Park und den angrenzenden Wald bewirtschaftet, Esel und Kühe weiden lassen. Ins Schloss eingezogen ist er allerdings nie. Das Zwischenspiel dauerte gerade mal zwei Jahre, dann ließ Gruber ein großes Schild ans Schlosstor montieren: „Notverkauf“.

Für ein Mindestgebot von 188000 Euro nahm die Westdeutsche Grundstücksauktionen GmbH auf Vermittlung des Hohenroder Maklers Gerhard Bein die Arensburg in ihren Katalog auf. Vor fast einem Jahr, am 16. Juni, ersteigerte die Geschäftsfrau und Zahnärztin Christiane Bennink aus Münster mit einem Telefonanruf im Kölner Hilton-Hotel die Immobilie. Notiert unter Position 6 brachte das historische Gemäuer 254000 Euro. Seitdem herrscht, so scheint es, wieder Stillstand, zumindest Funkstille. Die Käuferin beantwortet bisher alle Anfragen der Redaktion per E-Mail ebenso höflich wie nichtssagend. Bei einem Telefongespräch in der vergangenen Woche ließ sie wissen, sie habe einen Architekten und Projektentwickler beauftragt, ein Nutzungskonzept zu erstellen. In welche Richtung das gehen soll, wollte sie nicht erläutern.

Bei der Stadt Rinteln ist man auch nicht schlauer. Die Käuferin hat sich zwar persönlich vorgestellt, aber eine Richtung, in der das Projekt entwickelt werden sollte, sei bei den Gesprächen nicht zu erkennen gewesen, ist aus dem Rathaus zu hören.

Recherchen wie Informationen von Insidern lassen eine andere Vermutung zu. Die Zahnärztin und Immobilienmanagerin hat im Vorjahr Schlagzeilen in der Boulevardpresse als Käuferin des „Capa-Hauses“ in Leipzig gemacht, das sie für 125000 Euro mit angrenzendem Areal ersteigert hatte. Das Haus mit der eigenwilligen Architektur wird so genannt, weil hier der US-Kriegsberichterstatter Robert Capa das Foto vom „letzten Toten des Krieges“ gemacht hat. Ein Bild, das zunächst im amerikanischen Magazin „Life“ erschienen ist und dann um die Welt ging – heute eine Ikone.

Der Bild-Zeitung schilderte die Käuferin damals, sie werde alles tun, um das Haus zu erhalten – Architekten und Fachleute seien bereits beauftragt. Inzwischen jedoch ist das Haus wieder weiterverkauft worden an die bayerische LS-Immobiliengruppe in Mühldorf. Die will offensichtlich das Haus tatsächlich sanieren, wie es sich eine Leipziger Bürgerinitiative immer gewünscht hat.

Für die künftige Nutzung möglicherweise ein Handicap: Heinrich Gruber ist immer noch Besitzer von rund 14 Hektar Wald mit 200 Jahre alten Edelkastanien, Platanen und einer Hängebuche. Den Wald, hatte er wissen lassen, den werde er bewirtschaften, das seien die „Zinsen“ für sein eingesetztes Kapital. Vonseiten der unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis war zu hören, gegen eine ordnungsgemäße Forstwirtschaft im Waldstück sei ja auch nichts einzuwenden.

Christiane Bennink bestätigte immerhin in dem Telefongespräch, sie habe die Grundstücke, die Gruber gehören ebenfalls kaufen wollen, man habe sich aber über den Preis nicht einigen können.

Foto: wm
Von zehn Jahren Leerstand zunehmend gezeichnet: die Arensburg.