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08.04.2016 Erbitterter Widerstand droht

Mögliche Umgehungsstraße hinter Häuserzeile bringt Anwohner in Rage

Schaumburger Zeitung / 8.4.2016

Steinbergen

Von Peter Blaumann
Ortsumgehungen ja – veröffentliche Trassenführung der B 83 nein: Im Rahmen der Einwohnerfragestunde der Ortsratssitzung in Steinbergen brachten die Anwohner der Bergstraße, Am Weinberg, In der Rehr und Am Dröhnen unmissverständlich zum Ausdruck, dass sie die Trassenführung, wie sie in den letzten Tagen in den Medien veröffentlichen wurde, nicht akzeptieren und im Falle einer möglichen Umsetzung der Pläne erbitterten Widerstand leisten werden.

„Wir haben nicht Jahrzehnte lang gesundheitsschädigenden Lärm und Schmutz durch die hoch frequentierten Bundesstraßen 83 und 238 ertragen, um dann eine Verlagerung der B83 um 200 bis 300 Meter in östlicher Richtung hinnehmen zu müssen. Das hat nichts mit Ortsumgehung zu tun“, schimpfte ein Anwohner.

„Eine Trasse direkt hinter der Häuserzeile. Da hilft auch keine Lärmschutzwand. Ein Leben hinter der Mauer. Unvorstellbar“, lautete die Aussage einer anderen Steinbergerin. „Zahlreiche junge Familien haben sich in diesem Wohnquartier Eigentum gekauft, haben mit großem finanziellem Aufwand Häuser renoviert. Eine Trassenführung zwischen Wald und Ortsrand bedeutet einen erheblichen Verlust der Wohnqualität, des Wertes der Immobilie und könnte die Eigentümer an den Rand des Ruins führen“, machte ein anderer Anwohner seinem Ärger Luft.

Ortsbürgermeister Heiner Bartling (SPD) zeigte Verständnis für die Ängste und Befürchtungen der Anwohner, versuchte aber gleichzeitig die Wogen zu glätten. „Die Veröffentlichung des Bundesverkehrswegeplanes im März ist lediglich ein Entwurf, der vom Bundestag im Oktober dieses Jahres noch beschlossen werden muss. Im Bundesverkehrswegeplan werden keine Trassenführungen festgelegt, nur geplante Projekte aufgelistet.“ Im weiteren Verlauf des Verfahrens würden Machbarkeitsstudien für das Vorhaben in Steinbergen von der Stadtverwaltung mit Unterstützung der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, Geschäftsbereich Hameln, in Auftrag gegeben. Die Verwaltung habe dafür 60000 Euro im Haushalt veranschlagt. Ein Architekturbüro erarbeite dann Vorschläge der Trassenführung, die anschließend veröffentlicht und zur Diskussion gestellt werden, so Bartling. Erst wenn alle Beteiligten und Betroffenen mit den Plänen einverstanden sind, erfolge die Umsetzung.

Marcus Schwenk (WGS) gab sich mit der Aussage von Bartling nicht zufrieden und vertrat die Meinung, dass der maximale Nutzen-Kosten-Faktor von 10 für die Umgehung der B83 im Bundesverkehrswegeplan nur aufgrund der in den 30er Jahren geplanten Trassenführung erreicht wurde, und dass diese Trassenführung auch umgesetzt wird. „Der Bürger hat das Recht, sich in einem Zeitraum von sechs Wochen seit Veröffentlichung (Anmerkung der Redaktion: 21. März 2016) des Bundesverkehrswegeplans online oder schriftlich substanziell zu den Projekten zu äußern. Ich werde von diesem Recht Gebrauch machen, eine ausführliche Stellungnahme zu der Trassenführung abgeben und auch begründen, warum ich diese Trassenführung kategorisch ablehne.“ Schwenk traf mit dieser Meinung den Nerv der Zuhörer und erhielt für sein Vorhaben offenen Beifall.

Manfred Hobein von der Bürgerinitiative Ortsumgehungen Steinbergen (BIOS) führte an, dass die Umgehungen B 238 und B 83 als Gesamtprojekt gesehen werden müssen. „Die Ortsumgehung B238 mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von 4,5 ist sehr niedrig eingestuft. Projekte mit einem Nutzen-Kosten-Faktor unter 5 werden meines Wissens kaum umgesetzt. Deshalb müssen wir erreichen, dass die Umgehungen der B238 und B 83 im Bereich von Steinbergen, Deckbergen und Möllenbeck als Gesamtobjekt betrachtet werden. Nur dann kann es eine für alle erträgliche Lösung geben.“

Die veröffentlichte Trassenführung der B83 war weit über 60 Jahre Bestandteil des Flächennutzungsplans der Stadt Rinteln. Im Jahr 1999 fiel die Trassenführung aus dem Flächennutzungsplan heraus. Eine neue Trassenführung müsste wieder in den Flächennutzungsplan aufgenommen werden. Das bedarf eines Beschlusses des Stadtrates.

Foto: peb
Noch wächst hier Gras: Die Anwohner der Bergstraße, Am Weinberg, In der Rehr und Am Dröhnen haben Angst vor einer Trassenführung zwischen Ortsrand und Wald direkt am Wohnquartier vorbei.