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07.12.2016 Wie geht es weiter?

So entwickeln sich Zahlen der Grundschulen / Eltern werden zu Standort Steinbergen befragt

Schaumburger Zeitung / 7.12.2016

Rinteln/Steinbergen

Von Hans Weimann und Marieluise Denecke
Wie geht es weiter mit der Schule in Steinbergen? Der Ortsrat Steinbergen will jetzt alle Eltern befragen lassen, deren Kinder im nächsten Schuljahr oder später eingeschult werden, ob sie ihre Kinder lieber in der Steinberger Schule oder in Deckbergen einschulen lassen würden.

Diese Befragung wird nicht die Stadtverwaltung und nicht die Schulleitung in Deckbergen organisieren. Als Begründung wurde in der jüngsten Ortsratssitzung unter anderem genannt, „da man sonst kein objektives Ergebnis erwarten könne.“ Was man auch als Misstrauensvotum gegen die Schulleitung verstehen könnte. Schulamtsleiter Hans-Georg Dlugosch organisiert die Befragung zurzeit.

Mehr als eine Meinungsäußerung ist allerdings eine Elternbefragung nicht. Über die Organisation einer Grundschule entscheiden nicht die Eltern, auch nicht die Stadt Rinteln. Die hält lediglich die baulichen und sachlichen Voraussetzungen für den Betrieb einer Schule vor.

Nach den aktuellen Schülerzahlen würden im kommenden Schuljahr 2017/18 im Einzugsbereich der Grundschule Deckbergen 152 Schülerinnen und Schüler eingeschult, davon aus dem Bereich Steinbergen 13 Schülerinnen und Schüler.
Das bedeutet: Um die Außenstelle Steinbergen aufrecht zu erhalten, müssten dort mindestens zwei Klassen beschult werden. Rein rechnerisch wäre das 2017/18 möglich, würde aber bedeuten, dass Schülerinnen und Schüler der Klassen 2 bis 4 in Deckbergen ihre bisherigen Klassenverbände verlassen müssten.

- Was spricht dafür, die Grundschule in Steinbergen zu erhalten?
Aus Sicht des Ortsrates stärkt eine Schule die Infrastruktur im Dorf. Kindergarten, Sporthalle und Hallenbad sind außerdem in unmittelbarer Nähe. Deshalb hat sich der Rintelner Rat auch im September 2015 für den Erhalt des Schulstandortes Steinbergen ausgesprochen.

- Was spricht dagegen?
Vor allem, dass sich eine mehrzügige Grundschule besser organisieren lässt, was sich auch auf die Qualität des Unterrichtes auswirkt.

Denn bleibt Steinbergen Schulstandort, würde sich die Zahl der „Vollzeitlehrer“ von derzeit zwölf auf sechs Lehrer für beide Schulstandorte verringern, die Grundschule Deckbergen-Steinbergen müsste Lehrer abgeben, es ständen weniger Fachlehrer zur Verfügung.

Dagegen spricht auch, dass bei einer Rückabwicklung die Klassen wieder auseinandergerissen werden und sich Steinberger Kinder mittags in ein Taxi setzen müssten, um nach Deckbergen zu kommen. Denn nur dort gibt es die Ganztagsbetreuung, die in diesem Schuljahr auf fünf Tage und bis 17 Uhr ausgeweitet worden ist.

Derzeit lernen an allen Rintelner Grundschulen 926 Schüler in 47 Klassen, davon 421 Ganztagsschüler, was knapp über 45 Prozent entspricht.

Im Grunde hat die Stadt Rinteln selbst zu der Situation beigetragen, wenn auch mit besten Absichten: Im Haushalt fürs kommende Jahr sind 350 000 Euro für die Erweiterung des Ganztagsbereichs der Deckberger Schule vorgesehen.

Blickt man auf die Hochrechnungen der Stadt für die anderen Grundschulstandorte, sieht man, dass die prognostizierten Schülerzahlen leicht rückläufig sind.

An der Grundschule Nord werden 198 Schüler beschult (2010 waren es 199), die prognostizierten Zahlen lassen deutlichen Rückgang erkennen: 185 im kommenden Schuljahr und nur noch 167 im Schuljahr 2021/22.

Deren Schülerzahlen hatten sich zuletzt durch die Kinder von Flüchtlingen in der Sammelunterkunft im Kerschensteiner Weg positiv entwickelt. Inzwischen seien die Geflüchteten aber auf einzelne Wohnungen und damit auf alle Rintelner Schulen verteilt, sagt Schulamtsleiter Hans-Georg Dlugosch.

In der Grundschule Exten werden derzeit 162 Kinder (2010: 136) beschult, neun Klassen gibt es hier. Erwartet wird auch hier ein leichter Rückgang: nur noch 123 Schüler für die Schuljahre 2019/20 und 2021/22.

In der Außenstelle Krankenhagen lernen momentan 75 Kinder (2010: 73) in vier Klassen. Hier ist deutlicher Rückgang zu erwarten: Für das Schuljahr 2018/19 werden noch 75 Schüler prognostiziert, für 2010/21 nur noch 65.

In der Grundschule Süd lernen derzeit 256 Kinder. Für den Einzugsbereich prognostiziert die Stadt ebenfalls leichten Rücklauf, mit einem Hoch von 255 Schülern im Schuljahr 2020/21 und 242 Schülern ein Jahr später.

Die Außenstelle Möllenbeck ist momentan die kleinste aller Rintelner Grundschulen mit momentan 64 Schülern (im Jahr 2010: 73). Die Zahlen aus diesem Einzugsgebiet sinken leicht, fürs Schuljahr 2018/19 sind beispielsweise 58 prognostiziert, fürs Schuljahr 2020/21 56.

Dass es bald zu wenige Schüler für den Fortbestand der Schule geben könnte, sieht Schulamtsleiter Dlugosch nicht: „Derzeit ist Möllenbeck normal beschulbar“, pro Jahrgang gebe es eine Klasse. Außerdem würden einige Eltern aus den Nachbargemeinden in Nordrhein-Westfalen ihre Kinder hierher schicken.

Angesichts von Demografie und weltweiten Flüchtlingsbewegungen sieht Dlugosch Prognosen sowieso als schwierig an: „Es ist eine so lebendige Welt, dass wir nur von heute reden können. Was morgen ist, wissen wir nicht.“

Und was ist mit einer Zukunft für die Schule in Steinbergen?

Die im Mai 2016 gegründete „Bürgerinitiative Schule in Steinbergen“ (BISIS) setzt sich für den Erhalt der Schule ein und entwickelte auch die Idee, aus dem Standort eine Privatschule, eine Montessori-Schule, zu machen.

„Montessori“ vertritt im Grunde die Philosophie der IGS, wonach Schüler weitgehend selbstreguliert lernen.

Vorteil aus Sicht der BISIS: Dann könnten auch Kinder aus anderen Ortsteilen, sogar anderen Ortschaften, aufgenommen werden, da für Angebotsschulen die vorhandenen Schulbezirksgrenzen nicht gelten.

Foto: mld
Momentan steht die Schule in Steinbergen leer. Wie wird es hier weitergehen? Jetzt sollen die Eltern befragt werden.