. .

07.05.2016 "Wir trauen BIOS nicht"

Vorstöße in Sachen Ortsumgehung - Anwohner kritisieren Bürgerinitiative

Schaumburger Zeitung / 7.5.2016

Steinbergen

Von Peter Blaumann
Die Bürgerinitiative Ortsumgehungen Steinbergen (BIOS) begrüßt die Aufnahme von Teilstücken der B83 und B 238 in den „Vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplanes (BVWP) 2030, zeigt sich aber mit der Nutzen-Kosten-Faktor-Einstufung nicht zufrieden. Die Ortsumgehung B 238 mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von 4,5 ist sehr niedrig eingestuft. Projekte mit einem Nutzen-Kosten-Faktor von unter 5 werden kaum umgesetzt“, sagt Manfred Hobein von der BIOS. „Wir müssen erreichen, dass die Umgehungen B 238 und B83 im Bereich von Steinbergen als Gesamtobjekt betrachtet werden.“

Jens Wienecke, Sprecher der BIOS, führt aus: „Mitten im Ort kreuzen sich zwei Bundesstraßen. Dazu kommen die stark belasteten Landesstraßen L 442 und L 443 sowie die nahe gelegene sehr stark befahrene Autobahn A 2. Dieser Knotenpunkt ist ein Nadelöhr, das nicht nur regional, sondern auch überregional bekannt ist. “ Die täglichen Staus, besonders auf der B 238, und vermehrt auftretende Unfälle, sowie die steigenden Verkehrszahlen belegten, dass dieses Nadelöhr nicht nur für den Ort, sondern auch im Einklang mit der wirtschaftlichen Entwicklung in der Region dringend gelöst werden müsse.

BIOS führt aus, dass sich auf der einen Seite aufstrebende Unternehmen, Fach- und Fachhochschulen in den letzten Jahren sehr stark positiv entwickelt hätten, auf der anderen Seite die Erreichbarkeitsdefizite schon heute zu beziffern seien und der Weiterentwicklung von Industriegebieten und dem Arbeitskräftebedarf entgegenstehen würden.

Bezüglich des Nutzen-Kosten-Faktors für die B 238 hofft BIOS unter Berücksichtigung der neusten Daten auf eine erhebliche Höherstufung. Im Planfall 2030 werden laut Bundesverkehrswegeplan 11000 Kraftfahrzeuge mit einem Lkw-Anteil von acht Prozent pro Tag angeführt. Eine Verkehrszählung im Jahr 2014 haben 14303 Kraftfahrzeuge pro Tag mit einem Lkw-Anteil von 17,03 Prozent ergeben. Das ist eine Mehrbelastung von 30 Prozent.

Bürgerinitiative zieht Ärger auf sich

In Steinbergen sind die Vorstöße der Bürgerinitiative aber längst nicht mehr unumstritten. „Wir trauen BIOS nicht über den Weg“, war kürzlich bei einer Anwohnerversammlung der Bergstraße zu hören. Die etwa 50 Anlieger machten deutlich, dass für sie eine Trassenführung parallel zur Bergstraße über den Messingberg auf gar keinen Fall in Frage kommt.

Gesprächsthema war auch eine Aussage eines BIOS-Mitgliedes in der Schaumburger Zeitung, „die Straße möglichst kurz und die Kosten möglichst gering zu halten“.

„Man würde uns aus Kostengründen eine Straße genau vor die Haustüren setzen“, schimpften die Anwohner wütend. „Das ist nicht zu akzeptieren.“ Nach Meinung der Bergstraßen-Anwohner gäbe es nur eine komplette Tunnellösung als Alternative, ansonsten verlege man das Problem an den Ortsrand oder man belaste die Anwohner der Nachbarorte.

Die Anwohner brachten auch ihre Sorge zum Ausdruck, dass durch die befürchtete Trassenführung der Wert ihrer Häuser stark fallen würde, dass etliche Anwohner wegziehen würden, und dass dadurch der Verlust der Nachbarschaftskultur zu beklagen sei.

Die Dringlichkeitsstufe von 10 für die B83 sei nach Meinung der Betroffenen unrealistisch, da der Verkehr auf der B238 deutlich höher sei. „Nach unserer Ansicht geht es in der Bemessung nicht mit rechten Dingen zu, möglicherweise wurde hier getrickst“, äußerten sich die Anwohner höchst verärgert.