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06.09.2018 Nahversorger für Steinbergen?

Ortsrat uneins über die Realisierbarkeit

Schaumburger Zeitung / 6.9.2018

Steinbergen

Von Maurice Mühlenmeier
Ein neues Gewerbegebiet soll an der Bundesstraße 83 nahe einem Lkw-Rastplatz entstehen. Die Stadt soll die dafür notwendigen Vorkehrungen treffen. Der entsprechende Antrag wurde in der letzten Sitzung des Ortsrates gestellt und angenommen.

Denkbar seien laut Antrag die Ansiedlung eines Nahversorgers und anderer kleinerer Gewerbe. Widerspruch kam aus den Reihen der SPD von Hennig Witt: „Wir holen uns damit nur noch mehr Verkehr nach Steinbergen!“ Auf Nachfrage dieser Zeitung bezeichnete der CDU-Fraktionsvorsitzende Schobeß diesen Einwand als „Quatsch“: „Die Autofahrer, die von der Autobahn kommen, fahren ohnehin durch Steinbergen.“ Er sieht die Gefahr einer Kaufkraftabwanderung, wenn die Bürger dann in die Nachbargemeinden zum Einkaufen fahren – zum Beispiel in Luhden. „Wenn Steinberger Einwohner außerorts einkaufen, fehlen die Einnahmen im Stadtgebiet.“

Das angedachte Projekt solle „nichts Großes“ werden, aber man müsse die „Chance nutzen“, die sich Steinbergen dadurch womöglich eröffnet.

Im Publikum wurde bei diesem Antrag Unmut der Bürger laut. Der Vorwurf, ein Gewerbegebiet würde die Planungen einer Umgehungsstraße torpedieren, wurde leise, aber hörbar in den Zuschauerrängen diskutiert. Schobeß sieht eine solche Gefährdung nicht.

Ortsbürgermeister Heiner Bartling (SPD), der sich bei der Abstimmung enthielt, hat derweil wenig Hoffnung. „Das Thema war immer Gegenstand im Stadtrat, bisher wurden die Anträge stets abgeschmettert.“ Wohl mit dem Verweis auf noch zu füllende Gewerbegebiete im südlichen Stadtgebiet und Deckbergen.

Ebenso fehle die nötige Infrastruktur: Wasser, Abwasser und Strom müssten gänzlich neu verlegt werden. Ein Argument, das bei Schobeß nicht ganz fruchten will: „Für den Preis des sinnlos in Auftrag gegebenen Gutachtens des Stadtrates (für den Verkauf des Brückentorkomplexes; Anmerkung der Redaktion) könnte man einen Flächennutzungsplan anlegen.“ Er verwies erneut darauf, dass das Gebiet nicht groß ausfallen müsse.

Bisherige potenzielle Interessenten für die noch verfügbaren Gewerbegebiete hätten oftmals die Entfernung zur Autobahn beklagt; ein klarer Standortvorteil für Steinbergen, wie Schobeß auch in der Sitzung herauszustellen versuchte. Während Schobeß dem Antrag im Stadtrat durchaus Chancen einräumt, hält Bartling ihn für „illusorisch“.

Foto: MOMO
Auf diesem Acker soll laut dem Antrag, der jetzt im Ortsrat diskutiert wurde, ein Gewerbegebiet entstehen.