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06.09.2016 Drei Immobilien - drei Fragezeichen

Nachnutzung gesucht für Arensburg, Grafensteinerhöh und ehemaliges Pflegeheim

Schaumburger Zeitung / 6.9.2016

Steinbergen

Von Hans Weimann
Arensburg, Grafensteinerhöh, ehemaliges Pro-Senia-Pflegeheim: Zwei historische und eine ortsbildprägende Immobilie. Allen gemeinsam ist, sie stehen leer, ihre Zukunft ist ungewiss.

Das Einzige, was neu ist an der Arensburg, ist das solide Nummernschloss am großen Tor. Martin Georg, Sprecher der Aventura Capital Partners in Langenhagen, dementierte immerhin in einer E-Mail das Gerücht, die Arensburg stehe erneut zum Verkauf. Das war anlässlich der Vorstellung des „Tages des offenen Denkmals“ am kommenden Wochenende“ kolportiert worden. Ansonsten flüchtet sich Georg ins Ungewisse: „Es sei noch zu früh, etwas zu sagen.“

Doch man mag einfach nicht glauben, dass ein deutschlandweit tätiger Immobilienkonzern einfach so eine Burg ersteigert, ohne sich vorher darüber Gedanken zu machen, was man mit dieser mittelalterlichen Steinansammlung anstellen soll. Vor allem, weil sich die Burg als Spekulationsobjekt kaum eignet, wie die Talfahrt der Burg von Versteigerung zu Versteigerung gezeigt hat, von ursprünglich zwei Millionen auf heute rund 300 000 Euro.

Heike Wessel, Inhaberin der Aventura in Hameln, die das ehemalige Pflegeheim Pro Senia an der Steinberger Kreuzung ersteigert hat, war da gestern in einem Telefongespräch offener. Ihre Aventura GmbH hat übrigens nichts mit der Aventura in Hannover zu tun.

Am ehemaligen Pflegeheim hängt ihren Handynummer. Und Heike Wessel erzählt, sie bekomme manchmal mehrere Anrufe am Tag, aber bei genauer Überprüfung stelle sich meist heraus, dass der Anrufer keine realistische Vorstellung von dem Objekt mit mehreren Häusern, 104 Zimmern auf drei Etagen, 7338 Quadratmeter Grundstück habe. Sie hoffe aber immer noch, dass es bis Ende des Jahres einen neuen Eigentümer für das ehemalige Pflegeheim gibt, das ja im Prinzip noch gut im Schuss sei.

Für machbar hält sie eine Nachnutzung erneut als Pflegeheim, möglich seien hier auch ein Hotel oder Büroräume. Den Umbau zu einem Flüchtlingsheim übrigens, wie durch die Presse gegeistert, habe sie nie ernsthaft in Erwägung gezogen.

Auch Thomas Schuster von der „Grafensteinerhöh“ sucht nach wie vor nach einem tragfähigen Konzept für das historische Haus. Seine ursprüngliche Idee, dort ein Autohaus für US-Fahrzeuge zu etablieren, sei aus verschiedenen Gründen nicht realisierbar. Dazu muss man wissen, Schuster holt US-Fahrzeuge, Pick-ups, SUVs und Sportwagen aus den USA, wickelt den Import ab. Auch Schuster berichtete gestern, er erhalte viele Angebote von Leuten, bei denen er schnell feststellen müsse, dass sie weder „Hand noch Fuß“ haben. So wollten Interessenten in der Grafensteinerhöh beispielsweise ein Coaching-Zentrum einrichten. Die ehemaligen Restaurant- und Hotelräume seien übrigens komplett entkernt, ein neuer Nutzer oder Eigentümer habe deshalb alle Optionen bei der Raumgestaltung.

Foto:
Die „Grafensteinerhöh“, inzwischen entkernt, wartet auf einen neuen Nutzer oder Besitzer. Das Hotel und Restaurant ist 1902 während des Booms von Steinbergen als Luftkurort eröffnet worden.