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06.03.2017 Schulträger gesucht

Kirchliche Trägerschaft für Steinberger Grundschule die Lösung?

Schaumburger Zeitung 6.3.2017

Steinbergen

Von Hans Weimann
Der Ortsrat Steinbergen stemmt sich mit aller Macht gegen die Zeitläufe und möchte die Steinberger Schule erhalten sehen. Auf Vorschlag der CDU-, Grünen- und WGS-Gruppe im Ortsrat Steinbergen soll die Verwaltung klären, ob es möglich ist, die Grundschule Steinbergen in kirchlicher oder anderer privater Trägerschaft weiterzuführen (wir berichteten).

Anfrage bei Pastor Ulrich Hinz, dem Pressesprecher der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe, wie realistisch ist das? Hinz bedauert, er habe zwar von dem Antrag des Ortsrates in der Zeitung gelesen, aber bei ihm, bei der Landeskirche, habe noch niemand konkret diesen Wunsch, diese Idee vorgetragen. Für weitere Fragen verweist Hinz auf Pastor Stephan Strottmann in Steinbergen.

Strottmann bestätigte auf Anfrage am Freitag, ja, die CDU habe mit ihm darüber gesprochen, allerdings nur „informell“. Er habe das deshalb auch nicht als Auftrag verstanden, tätig zu werden.

Grundsätzlich sagt Strottmann „finde ich es toll, dass sich Bürger für den Erhalt der Dorfschule einsetzen“. Und er zählt die Vorteile auf: Kooperation mit dem Kindergarten, das Hallenbad vor der Tür, dass Erstklässler nicht gleich mit dem Bus fahren müssen, die überschaubare Struktur, das alles sei absolut positiv.

Trotzdem habe er Zweifel, ob das zweifellos löbliche Vorhaben die Schule zu erhalten, auch gelingt. Strottmann nennt als Gründe: Eltern müssten sich dann aktiv für diese Schule entscheiden. In einer Stadt sei das sicher einfacher. Dann sei das Gebäude in Steinbergen nicht gerade in einem optimalen Zustand. Als eine Möglichkeit sehe er, hier eine Ganztagsschule mit Zielrichtung Inklusion einzurichten. Doch auch das ginge nicht ohne erhebliche Investitionen.

Das evangelische Schulwerk gehört zur evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover und ist gewissermaßen die organisatorische Plattform für sechs Schulen. Das sind eine Grundschule (in Wolfsburg), vier Gymnasien und eine IGS in Wunstorf. Gerd Brinkmann, pädagogisch-theologischer Leiter der Geschäftsstelle, überraschte in einem Telefongespräch mit der Feststellung: Ja, er kenne Steinbergen gut, auch die Schule. Er sei lange Jahre als Schulpastor an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Rinteln tätig gewesen. Doch Steinbergen liege nicht im Bereich seiner Landeskirche, erklärte Brinkmann, so gesehen sei er der falsche Ansprechpartner für eine mögliche Übernahme der dortigen Grundschule.

Dafür machte Brinkmann deutlich, wo die besonderen Herausforderungen für eine Grundschule in kirchlicher Trägerschaft sind: „Unsere Schulen haben einen sehr guten Ruf, deshalb haben wir in unseren Schulen sehr viele Anmeldungen.“ Nicht alle Kommunen seien davon begeistert, weil sie eigene Grundschulen dann im Bestand gefährdet sehen. „Also machen wir nur dort Schule, wo wir Schulträger und Kommune willkommen sind.“ Dabei verstehe die evangelische Landeskirche ihre Schulen als „exemplarische Bereicherung für das öffentliche Schulwesen“. Und für Grundschulen gebe es noch eine besondere Hürde. Sie müsse ein Alleinstellungsmerkmal haben, um von der Landesschulbehörde genehmigt zu werden. Brinkmann nennt als Beispiel die evangelische Grundschule in Wolfsburg, die als bilinguale Schule, englisch-deutsch, geführt wird. Auch der Hintergrund ist klar: das Volkswagenwerk.

In Bückeburg gibt es die einzügige Immanuel-Grundschule als private Schule in Trägerschaft des Trägervereins „Elterninitiative Zukunft für Kinder e. V.“. Die Eltern zahlen hier laut Homepage der Schule ein Schulgeld von 60 bis 300 Euro pro Monat je nach Einkommen. Die Schule finanziert sich außerdem aus Spenden und das Land Niedersachsen trägt einen Anteil der Lehrergehälter.

Peter Rohde, Vorstandsmitglied im Trägerverein, zitierte erst einmal das Grundgesetz: „Eine private Volksschule ist nur zuzulassen, wenn die Unterrichtsverwaltung ein besonderes pädagogisches Interesse anerkennt oder, auf Antrag von Erziehungsberechtigten, wenn sie als Gemeinschaftsschule, als Bekenntnis- oder Weltanschauungsschule errichtet werden soll und eine öffentliche Volksschule dieser Art in der Gemeinde nicht besteht.“ Damit sagt Rohde, sei eigentlich alles gesagt. Dann kommt er auf Steinbergen zu sprechen: Nein, an ihn, an den Trägerverein sei noch niemand vom Ortsrat Steinbergen herangetreten.

Das besondere Merkmal der Immanuel-Grundschule in Bückeburg mit derzeit rund 75 Kindern: Sie definiert sich als Schule, die christliche Werte im Unterricht vermittelt, als Bekenntnisschule.

Und es gebe immer mehr Eltern, schilderte Rohde, die genau das wünschten. Und die Schule habe weitere Vorteile, nämlich Grundschulklassen mit nicht mehr als 22 Kindern. Die werden mit Bussen aus dem ganzen Landkreis Schaumburg und angrenzenden Gemeinden in die Schule gebracht.

Steinbergen ist eine der letzten kleinen Dorfschulen, die zur Disposition stehen. Die Grundschule, die jüngst definitiv geschlossen worden ist, war in Todenmann, lange Zeit Außenstelle der Grundschule Nord. Die einstigen Dorfschulen in Uchtdorf, Ahe, Schaumburg, Strücken und Hohenrode sind längst Geschichte.

In Möllenbeck überlebt die Grundschule nur, weil hier auch Kinder aus dem Extertal und Kalletal beschult werden.

In Exten und Krankenhagen ist es wie in Deckbergen: Kinder aus den umliegenden Dörfern füllen die Klassen.

Foto: jan
Die Dorfschule in Steinbergen ist derzeit verwaist. Der Ortsrat möchte, dass dort wieder Kinder unterrichtet werden. Nun wird ein Träger gesucht, um die Schule in privater Trägerschaft wieder zum Leben zu erwecken.