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06.02.2016 "Geht es hier noch um die Kinder?"

Steinberger Schüler sollen zurück an örtliche Grundschule / Kontroverse geht weiter

Kommentar von Lars Hildebrandt: Ich bin verwundert und enttäuscht über diese Pressemitteilung. Als betroffenes Elternteil wurde uns immer mitgeteilt, dass es sich um eine kurzfristige Übergangslösung handelt. Mittlerweile hat das 2. Halbjahr angefangen und nur auf Drängen rührt sich endlich was. Mein persönlicher Eindruck entsteht, dass wir als Eltern hier auch noch als Schuldige hingestellt werden. Fragen die an die Schulgremien gestellt wurden sind zu diesem Thema bis heute nicht beantwortet worden. Ich finde es schlimm, dass unsere Kinder immer noch fragen müssen: "Wann dürfen wir wieder in unsere Schule nach Steinbergen!"

 

Schaumburger Zeitung / 6.2.2016

Steinbergen

Von Jakob Gokl
Einige Eltern werden jetzt aufatmen: Die Steinberger Grundschulkinder, die derzeit in die Deckberger Schule gehen müssen, könnten mit dem kommenden Schuljahr zurück an die Grundschule in Steinbergen wechseln. Das soll bei einer Elternversammlung am 13. Februar besprochen werden.

Im vergangenen Jahr waren die Emotionen hochgekocht, als kurzfristig bekannt gegeben worden war, die Kinder der 1. und 2. Klasse müssten nach Deckbergen zur Schule gehen. Die von der damals frisch eingesetzten Schulleiterin Claudia Buschke übermittelte Änderung war notwendig geworden, nachdem sich drei Lehrer längerfristig krankgemeldet hatten. Es folgten Demonstrationen, zahlreiche Leserbriefe und hitzige Debatten in sozialen Netzwerken. Im Raum stand die Befürchtung, der Schulstandort Steinbergen solle durch die Hintertür abgeschafft werden.

„Wir machen die Rückbeschulung auf Wunsch der Eltern“, stellt Buschke klar. Aus pädagogischer Sicht mache es durchaus Sinn, die Kinder weiter in ihrem jetzt gewohnten Umfeld zu lassen. Aber es sei nun die Entscheidung der Eltern. Auch ein Verbleib in den Deckberger Klassen sei – auf Antrag – durchaus möglich, erklärt Buschke.

Unglücklich zeigt sich die Schulleiterin im Gespräch mit der SZ über die Vorkommnisse der Vergangenheit. Die Debatte sei politisch instrumentalisiert worden. „Geht es hier noch um die Kinder?“, fragt sich Buschke. Diese seien auf jeden Fall ihr größtes Interesse.

Nun habe man zwar – mit Ende des Schuljahres, was alle Gremien für pädagogisch sinnvoller gefunden hätten als mitten im Jahr – die Möglichkeit geschaffen, in die Kombi-Klassen der Steinberger Schule zurückzukehren. Also in eine Situation, die in der Vergangenheit ebenfalls von zahlreichen Steinberger Eltern kritisiert wurde.

Verwundert zeigt sich Buschke auch darüber, dass kein einziger Politiker, obwohl so viel über die Schule gesprochen wurde, sich die Situation vor Ort angesehen hätte. „Es ist nicht einer hier gewesen, um zu fragen, was los ist.“ Jetzt sei zwar extra eine zusätzliche Lehrkraft angestellt worden, um eine Rückschulung der Kinder noch während des Jahres nach Steinbergen zu ermöglichen. Diese hätten aber alle zuständigen Gremien aus pädagogischen Gründen abgelehnt und sei daher auch nicht umgesetzt worden.

Allerdings seien die krankheitsbedingt ausgefallenen Lehrkräfte nun wieder zurück. „Und jetzt sind wir überbelegt.“ Nun habe man eine Lehrkraft an die Grundschule Exten abgegeben. „Zum Glück hat sich jemand gefunden, das freiwillig zu machen.“

Ortsbürgermeister Heiner Bartling sagte am Telefon, angesprochen auf politische Einflussnahme und Instrumentalisierung: „Ich weigere mich, mich in schulfachliche Angelegenheiten einzumischen.“ Wenn man über die Einmischung der Politik spreche, solle man auch Ross und Reiter benennen. „Wer damit Stimmung gemacht hat, das sind Gert-Armin Neuhäuser (WGS) und Veit Rauch (CDU), die Flugblätter an der Bushaltestelle verteilt haben.“ Als Ortsbürgermeister sei er aber sehr froh, wenn der Grundschulstandort Steinbergen weiter erhalten bleibe. „Auf dem Rücken von Kindern sollte man keine politischen Auseinandersetzungen führen.“

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Veit Rauch sagte am Telefon: „Natürlich haben wir die Eltern unterstützt. Die Eltern, insbesondere Lars Hildebrand [Ebenfalls CDU, Anm. d. Red.], sind auf mich zugekommen. Da ging es in erster Linie darum, wie das abgelaufen ist. Wenn man die Eltern nicht kurz davor vor vollendete Tatsachen gestellt hätte, wäre das anders abgelaufen.“

Foto: tol
Über mehrere Wochen hingen Protestschilder vor der Schule Steinbergen