. .

05.04.2017 Nabu zeigt Flagge

Naturschützer protestieren mit Bannern gegen umstrittenes Windkraftprojekt / Greenpeace Energy reagiert

Schaumburger Zeitung / 5.4.2017

Westendorf

(red)
Erste Bauvorbereitungen von Planet Energy in Westendorf haben den Naturschutzbund Rinteln (Nabu) bewogen, offensiv die Öffentlichkeit zu suchen. „Wir möchten mit solidarischen Grundeigentümern auf dieses Windkraftprojekt aufmerksam machen, das den Artenschutz im Weserbergland gefährdet“, so Dr. Nick Büscher, Chef der örtlichen Nabu-Gruppe und stellvertretender Landesvorsitzender.

Ganz konkret sieht man das Seeadlerbrutpaar bedroht, welches seit mehreren Jahren im Wesertal brütet. Darüber hinaus ist laut Nabu die unweit gelegene Auenlandschaft Hohenrode in ihrem weiteren Entwicklungspotenzial für den Naturschutz gefährdet.

Der Nabu suche nun bewusst die Konfrontation mit dem Unternehmen, das einst von Greenpeace gegründet worden ist, so Büscher in einer Pressemitteilung. Man habe gehofft, dass man dieses Projekt trotz Genehmigung einstellt, da ernste artenschutzfachliche Bedenken sowohl seitens der Stadt als auch des Nabu mehrfach vorgebracht worden sind: „Leider hat dies alles zu keinem Umdenken geführt, sodass Planet Energy sich hier nicht anders verhält als jeder beliebige Finanzinvestor – mit Rückendeckung von Greenpeace Energy“, schreibt Büscher.

Auf diesen Missstand will der Nabu nun öffentlich aufmerksam machen, indem nördlich und südlich der Weser Protestbanner aufgehängt werden. Es sei an der Zeit, sich mit aller Kraft gegen dieses Windkraftprojekt zur Wehr zu setzen, so Büscher. „Wir sind den Eigentümern dankbar, die ihre Grundstücke zur Verfügung stellen.“ Dem Mutterkonzern Greenpeace Energy solle bewusst sein, dass der Nabu das Projekt kritisch begleiten werde.

Den Zielen des Klimaschutzes erweise das Ansinnen von Planet Energy, in diesem Bereich Windkraftanlagen zu errichten, einen Bärendienst, schreibt Büscher weiter. Als Grund nennt er: Die Akzeptanz erneuerbarer Energien sei stark davon abhängig, inwiefern die Belange von Mensch und Natur berücksichtigt werden. „Dies sehen wir hier nicht verwirklicht“, so Büscher.

Der Pressesprecher von Greenpeace Energy, Christoph Rasch, reagierte auf die Rintelner Nabu-Aktivität in einer Pressenotiz an unsere Zeitung so: „ ,Planet energy‘ hat alle wichtigen Aspekte zum Natur- und Vogelschutz in Rinteln besonders sorgfältig geprüft. Der Schutz der Seeadler ist aus unserer Sicht gewährleistet. Alle Gutachten geben uns dabei recht. Und auf Basis dieser Fakten haben wir die Genehmigung zum Bau erhalten, aus der wir auch eine moralische Verpflichtung ableiten, diese umzusetzen.“

Der Greenpeace-Energy-Sprecher stellt in dem Zusammenhang die Frage, wie der Klimaschutz gelingen solle, „wenn selbst Windkraftanlagen nicht gebaut werden, die alle naturschutzgemäßen Kriterien erfüllen?“ Erneuerbare Energien seien das beste Mittel gegen den Klimawandel, der global, aber auch in Deutschland ganze Ökosysteme bedrohe, so Rasch, der fortfährt: „Das betonen auch Umweltverbände wie der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND).“ Dieser habe die Ursachen des Vogelsterbens untersucht und halte fest, dass der Bau von Windkraftanlagen „nur für einen kleinen Teil des Vogelsterbens verantwortlich ist“. Über die „wesentlich wichtigeren Gründe – wie Insektensterben, Agrargifte oder Straßen zum Beispiel –“ werde kaum eine öffentliche Debatte geführt, so Rasch: „Das vermissen wir angesichts der heutigen Protestaktion beim Nabu.“

Der Pressesprecher schließt mit den Worten: „Wir würden uns freuen, wenn nicht ein besonders sorgsam geprüftes Windenergieprojekt bekämpft wird, sondern der Klimaschutz und zum Beispiel Greifvogelopfer durch den Verkehr auf Bundesstraßen wie jene, an der heute protestiert wurde, ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt würden. Wir stellen uns gerne der von einzelnen Akteuren vorgebrachten Kritik an dem Windkraftprojekt in Rinteln, auch in einer öffentlich geführten Diskussion zu diesem Thema.“

Foto tol
Vom Nabu Rinteln aufgehängtes Protestbanner in Westendorf