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04.09.2015 "Wir wollen in Steinbergen bleiben"

Eltern der Erst- und Zweitklässler protestieren gegen Umzug nach Deckbergen

Schaumburger Zeitung / 4.9.2015

Steinbergen

„Wir wurden nicht gefragt“, „So nicht!“, „Wir wollen in Steinbergen bleiben“, „Elternwille zählt“ hieß es auf den Plakaten der Protestveranstaltung gestern Morgen vor der Grundschule (GS) in Steinbergen. Die Eltern der Erst- und Zweitklässler protestierten gegen den Beschluss der Schulleitung zur Verlegung der ersten und zweiten Klasse der Außenstelle Steinbergen zur Grundschule nach Deckbergen zum Schuljahresbeginn 2015/16 und forderten die Rücknahme des Beschlusses.

 

„Wir sind in die Entscheidung zur Verlegung nicht mit einbezogen worden“, sagt Lars Hildebrandt, Vater eines Zweitklässlers und Mitglied des Ortsrates. „Bei einer Entscheidung mit dieser Tragweite für unsere Kinder hätten wir gerne ein Mitspracherecht gehabt. Wir, die Eltern, wollen, dass sich die Politik mit diesem Beschluss noch einmal beschäftigt.“ Deshalb haben Mitglieder des Schulvorstandes der GS Deckbergen, Elternvertreter der Klasse 2c und Eltern der Erst- und Zweitklässler einen Brief an Bürgermeister Thomas Priemer geschickt. „Wir sind nämlich der Meinung, dass der Beschluss nicht rechtskonform zustande gekommen ist“, so Hildebrandt. Und Annette Bißmeier, Elternratsvorsitzende der 2c, wirft ein: „Wir können nicht nachvollziehen, warum Lehrerinnen aus Steinbergen abgezogen werden, wenn in Deckbergen Personal fehlt.“

Ortsbürgermeister Heiner Bartling zeigte sich ebenfalls von der Entscheidung überrascht, widersprach aber der Meinung, dass dadurch das Ende der Grundschule in Steinbergen eingeläutet werde. „Der Ortsrat wird alles daran setzen, die Grundschule zu erhalten“, und machte deutlich: „Bei aller Empörung, die Kommunalpolitik kann keinen Einfluss auf diesen Beschluss nehmen.“

Claudia Buschke, die neue kommissarische Leiterin der GS Deckbergen mit der Außenstelle Steinbergen, sieht dagegen keine rechtlichen Widersprüche. Der Beschluss sei mit der Landesschulbehörde und dem Schulträger abgesprochen, die Schulleitung sei allein verantwortlich für die Organisation, die Durchführung und die Inhalte des Unterrichtes. Auch der Schulvorstand müsse rein rechtlich gesehen nicht über den Beschluss abstimmen, es reiche lediglich eine Information.

„In Gesprächen mit den neuen Kollegen zum Ende des letzten Schuljahres erfuhr ich, dass der GS Deckbergen über einen langen Zeitraum 38 Lehrerstunden fehlten, die Fehlstunden durch Vertretungen kompensiert werden mussten und das Kollegium dadurch an seine Leistungsgrenzen ging. Als ich dann am Montag letzter Woche meinen Dienst in Deckbergen antrat, erfuhr ich, dass zwei Lehrkräfte bis auf weiteres ausfallen. Weil auch keine Aussicht auf Vertretungslehrer bestand, hatte ich zehn Tage Zeit, eine Lösung zu finden“, erläutert Buschke. „Nach Gesprächen mit erfahrenen Kollegen habe ich mich dann aus organisatorischen und pädagogischen Gründen zu einer Verlegung der Klassen nach Deckbergen entschlossen.“

Buschke sagt, sie könne durchaus die Empörung der Elternschaft verstehen, und sie räume auch ein, dass aus Zeitgründen die Informationen an die Eltern recht kurzfristig waren, aber: „Ich bin trotz der widrigen Umstände verantwortlich für die bestmögliche Unterrichtsversorgung. In Deckbergen hatten wir zu wenig Lehrer, um jeder Klasse einen Klassenlehrer zuzuordnen. Aber Kinder im Grundschulalter brauchen eine Bezugsperson. Das ist immens wichtig. Deshalb diese Entscheidung für dieses Schuljahr.“

Sie hoffe, dass sich die Wogen der Empörung bald glätten. „Die Eltern sollten einsehen, dass sich der Beschluss nicht gegen sie oder die Kinder richtet, sondern aus rein pädagogischen Gründen getroffen wurde. Die Eltern sollten beginnen, diesen Beschluss zu unterstützen, und die Kinder nicht aufwiegeln.“ Im Übrigen habe sie kein Verständnis dafür, dass die Eltern aus Ärgernis über diese Entscheidung durch permanente Anrufe den Schulbetrieb lahmlegen. „Ich habe es bis heute nicht geschafft, den Stundenplan zu erstellen.“

Ob am Montag sich alle Erst- und Zweitklässler in den Bus nach Deckbergen setzen, das ist höchst fraglich. „Ich werde mein Kind zur Schule schicken. Aber in Steinbergen“, so ein aufgebrachter Vater.

Das Programm für die Einschulung der 41 Kinder in die GS Deckbergen morgen, Samstag, sieht so aus: 9 Uhr Einschulungsgottesdienst in der Kirche in Steinbergen; 10 Uhr Einschulungsfeier in der Turnhalle in Deckbergen; 10.45 Uhr erste Unterrichtsstunde; 11.15 Uhr Ende des Unterrichts.

Foto: peb
Machen ihrem Ärger Luft: Diese Steinberger Eltern protestieren gegen den Beschluss zur Verlegung der ersten und zweiten Klasse nach Deckbergen