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04.05.2016 Stadt schließt Neubau nicht aus

Sanierung für Kita zu teuer / Verwaltung: Bedarf für Ganztagsbetreuung ist da

Schaumburger Zeitung / 4.5.2016

Deckbergen

(pk) Die Frage, ob Deckbergen eine neue Kindertagesstätte (Kita) braucht, wird konkreter. Ausschlaggebend bei der Entscheidungsfindung, der sich am kommenden Dienstag der Ausschuss für Soziales, Jugend, Frauen und Integration stellen muss, sind zwei Aspekte: Besteht ein entsprechender Bedarf, der einen Neubau rechtfertigt, und wenn ja, wie lässt sich dieser finanzieren?

Im Zuge der jüngsten statistischen Erhebung über die Kinderzahlen in Rinteln zur Bedarfsplanung in den Kindertagesstätten ist die Stadtverwaltung in Bezug auf Deckbergen zu folgendem Ergebnis gekommen: Es bestehe sowohl ein Bedarf an einer Ausweitung der Betreuungszeiten zum Ganztagsbetrieb als auch an 15 ganztägigen Krippenplätzen. Untermauert worden sei der Bedarf dadurch, dass aus der Elternschaft heraus häufig der Wunsch nach einer Ganztagsbetreuung geäußert werde. Überdies hätten sich bereits viele Eltern gegen die Kita Deckbergen entschieden, eben weil es keine Ganztagsbetreuung gibt.

Aber, wie aus der Sachdarstellung zur Beschlussvorlage des Sozialausschusses hervorgeht: Da nicht alle Eltern von Kindern unter drei Jahren einen Krippenplatz in Anspruch nehmen, zudem nicht davon ausgegangen werden kann, dass alle Deckberger Eltern ihre Kinder in eine Krippe im Ort geben, und außerdem der Zu- und Wegzug von Familien berücksichtigt werden muss, sei der jetzt festgestellte Bedarf allenfalls eine Momentaufnahme.

Deshalb stellt die Stadtverwaltung zwei Lösungsvorschläge zur Debatte im Sozialausschuss. Bei „Variante 1“ wird die Kita saniert, das Betreuungsangebot in der Kita jedoch nicht ausgebaut. Die zwei altersübergreifenden Gruppen mit 46 Plätzen und einer Betreuungszeit bis 14 Uhr blieben erhalten.

Die Stadtverwaltung hält diese Lösung indes nicht für sinnvoll. Schließlich sei der Bedarf an einem größeren Angebot, wie ermittelt, da. Zudem müssten bei Erhalt des bestehenden Angebots kurzfristig Mängel behoben werden, die mit Kosten in Höhe von 10000 bis 15000 Euro verbunden wären. Ungleich höhere Kosten entstünden durch die langfristig notwendigen Neuerungen, wie Heizungsanlage, Sanierung und Dämmung des Dachgeschosses und so weiter. Dies schlüge einem Gutachten zufolge in der Stadtkasse mit etwa 350000 Euro zu Buche.

„Variante 2“ sieht einen Neubau mit erweitertem Angebot vor. Eine Krippengruppe mit 15 Plätzen für Kinder von einem bis drei Jahren und zwei Kindergartengruppen mit 50 Plätzen für Kinder von drei bis sechs Jahren würden eingeführt. Die Stadt Rinteln prüfe bereits „verschiedene Möglichkeiten dieses Vorhabens, unter anderem den Neubau“, ist in der Beschlussvorlage zu lesen. Die Finanzierung dieser Variante solle in Kooperation von der Stadt Rinteln und dem Träger der Kita, dem Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg, erfolgen.

„Die Kirchengemeinde wäre bereit, das Kita-Gebäude mit Grund und Boden zu verkaufen und den Verkaufserlös in den Erwerb eines neuen Grundstückes in Deckbergen einfließen zu lassen, auf dem die Stadt dann bauen könnte“, sagte Andreas Kühne-Glaser, der Superintendent des Kirchenkreises Grafschaft Schaumburg, auf dem Kirchenkreistag vor einer Woche. Er sehe in einem Neubau „die einzige Lösung“. Und den Bedarf hält auch er für gegeben. „Neben dem Zuwachs an, Nachwuchs‘ durch die zu uns kommenden Flüchtlinge steigen nun schon seit einiger Zeit wieder die Geburtenzahlen“, so Kühne-Glaser. Über die möglichen Kosten eines Neubaus schweigt sich die Beschlussvorlage aus. Bürgermeister Thomas Priemer war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Harm Schütte, der Geschäftsführer des Kindertagesstättenverbands Grafschaft Schaumburg, geht jedoch von Kosten in Höhe von mehr als einer Million Euro aus, wie er gestern im Gespräch mit unserer Zeitung sagte. Allerdings könne die Stadt Rinteln dabei auf Förderung durch das Land Niedersachsen hoffen. Demnach erhält jeder Krippenplatz, der bis Ende 2017 geschaffen wird, eine Zuwendung von jeweils 12000 Euro. Bei 15 Krippenplätzen wäre das schon eine Entlastung der Kommune von 180000 Euro, rechnet Schütte vor.

Bis auf weiteres vom Tisch scheint die Option eines privaten Investors aus Deckbergen zu sein. Der hatte vorgeschlagen, nahe der Grundschule auf seinem eigenen Grundstück im Steinsdorfer Weg eine neue Kita zu bauen und das Objekt dann an die Stadt zu vermieten (wir berichteten). Zumindest taucht dieser Vorschlag in der Beschlussvorlage nicht konkret auf.

Foto: tol
In dem alten Fachwerkhaus, in dem sich die Kindertagesstätte befindet, würde sich eine Ganztagsbetreuung räumlich nicht umsetzen lassen.