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04.04.2016 "Ungelegte Eier"

Bergstraßen-Anwohner lehnen Pläne für Ortsumgehung ab - Bürgerinitiative setzt auf weitere Planungen

Schaumburger Zeitung / 4.4.2016

Steinbergen

Von Jan Oldehus
Nach der großen Freude über die gute Nachricht ist bei einigen Steinbergern Ernüchterung eingetreten. Zwar wertet die Bürgerinitiative Ortsumgehungen Steinbergen (BIOS) die Aufnahme der Planungen zur Verkehrsentlastung des Ortes in den Bundesverkehrswegeplan (BVWP) 2030 als Erfolg ihrer Arbeit, doch macht sich wenige Tage nach Bekanntwerden der hohen Prioritätsstufen für die beiden Ortsumgehungen B238 und B83 vor allem bei jenen Unmut breit, deren Häuser an der Bergstraße stehen. Diese führt parallel zur B83, westlich von dieser, den Berg hinauf und endet oberhalb der Bahnstrecke, wenige Meter von den Gleisen entfernt, mit Blick auf Arensburger Straße (L442) und Arensburg-Park. Die heute im BVWP markierte Trasse der B83-Ortsumgehung würde, wenn denn die Planung Bestand hätte, westlich der Bergstraße verlaufen (siehe nebenstehende Karte).

„Es ist ganz klar, dass Planungen, die mal irgendwann irgendwo gestanden haben, nicht zum Anlass genommen werden, eine Ortsumgehung zu bauen“, sagt BIOS-Teamsprecher Jens Wienecke. „Wir reden hier über ungelegte Eier.“ Der Steinberger reagiert mit diesen Worten auf Vorhaltungen der Bergstraßen-Anwohner, die Initiative solle „Stellung beziehen“ zu den veröffentlichten Planungen, die ihrer Ansicht nach zu nicht hinnehmbaren Belastungen für den Siedlungsbereich rund um die Bergstraße führen würden. So kursieren laut Wienecke inzwischen E-Mails, die ebensolche Vorhaltungen zum Inhalt haben. In einem offenen Brief mit der Überschrift „Umgehungsstraße in dieser Form – nein danke!“ schreibt ein Bergstraßen-Anwohner: „Eine Verlegung der B83 in dieser Form ist mit allen Mitteln zu verhindern. Die Belastungen der jetzigen Straßenführung ist unbestritten. Eine Verlegung der B83 an den Ortsrand, dicht an eine alte Wohnsiedlung, die bis jetzt in absolut ruhiger Lage liegt, sowie das Durchkreuzen von einem naturschutzwürdigen Gebiet (Wanderwege, Amphibien, Fledermäuse usw.) kann nicht die Lösung sein! Schon vor Jahrzehnten lehnten Steinberger Bürger diese Trassenführung ab. Eine Verlegung in dieser Form wurde bis vor Kurzem immer wieder dementiert bzw. als nicht realistisch dargestellt.“

Bergstraßen-Anwohner Matthias Lorenz schreibt in einem Leserbrief, der in einer unserer nächsten Ausgaben in voller Länge abgedruckt wird: „Ganz Steinbergen ist nun froh, dass die Umgehungsstraßen kommen. Ganz Steinbergen? Nein. Eine widerspenstige Straße mit eigensinnigen Bewohnern, die den älteren Steinbergern als ,Zankenburg‘ bekannt ist, beginnt Widerstand zu leisten. Wo die einen auf die ersehnte Ruhe hoffen dürfen, wird den Bewohnern der Bergstraße nun eine Rennstrecke vor die Nase gesetzt, wenn die Planung so vollzogen wird, wie es in der SZ vom 31. März 2016 im Bild erwähnt wurde.“

BIOS-Teamsprecher Wienecke meint dazu, es handele sich bei den jetzt im BVWP 2030 öffentlich gemachten Planungen um „Ideen und Machbarkeitsstudien zu Streckenführungen, die vor einiger Zeit erstellt worden sind. Diese sind bisher die einzige Grundlage, auf der das Straßenbauamt in Hameln eine Aussage treffen kann.“ Wienecke verweist in diesem Zusammenhang auf im BVWP 2030 deutlich gemachte Einschränkungen, was die Endgültigkeit der Planungen betrifft (siehe Kasten). Der BIOS-Sprecher: „Erst eine durch Bürgerbeteiligung abgestimmte baureife Planung bringt Gewissheit, wo die Strecken verlaufen werden.“ Er setzt auf eine weitergehende Planung unter Beteiligung der Stadt Rinteln und lädt die Bergstraßen-Anwohner ein, am nächsten Treffen der Initiative am Donnerstag, 7. April, um 18.30 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus teilzunehmen.

Foto: jan
Mittägliche Ruhe auf der Bergstraße in Steinbergen. Diese Ruhe sehen Anwohner als gefährdet an, sollte die Trassenführung so kommen, wie im BVWP 2030 veröffentlicht.