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04.03.2017 Draufzahlen müssen wir alle

LESERBRIEF zu: Windkraftanlagen, Planet Energy - Greenpeace

Schaumburger Zeitung / 4.3.2017

Westendorf

Da erwarten uns also zwei Windkraftanlagen, deren Höhe von einer Genehmigung zur anderen immer weiter gestiegen ist und die bald als höchste Bauwerke in der Landschaft ein deutliches Gegengewicht zu einer bisher möglichen Gestaltung als Tourismuslandschaft bilden sollen. Und das gegen den Willen der Stadt und vieler Bürger, die tagsüber den Anblick und nachts das Geblinke ertragen müssen. Und das nur, weil die höhere Politik teils aus Unverständnis von Technologie und teils aus Profitgier und erfolgter Lobbyarbeit, auf einer in dieser Form unsinnigen Grünen Welle reitet.

Diese so stark subventionierte Technik hat vor allem einen Zweck: Umverteilung von allen Verbrauchern (Strom braucht jeder) zu Kapital und Investments. Da hilf es wenig, wenn Planet Energy ständig auf die Kleinanlegerstruktur hinweist. Der Effekt ist der gleiche. Jeder zahlt mittlerweile deutlich mehr als den realen Strompreis in die Umverteilung zu wenigen Investoren. Mit der Folge, dass wir schon jetzt den zweithöchsten Strompreis weltweit zahlen, und den höchsten im Verhältnis zum verfügbaren Einkommen (Goodbye Elektromobilität). Und diese Spirale dreht weiter hoch. Auch mit den zwei Windkraftwerken im Wesertal.

Aber die Ökologie? Die bleibt auf der Strecke. In jedem Kopf moderner Windkraftwerke des vom Planet Energy eingesetzten Herstellers ENERCON sitzt kein Getriebe. Die sind getriebelos. Das erreicht man durch „Seltene Erden“. Davon steckt fast eine Tonne in einem großen Windkraftwerkskopf. Abbau und Weiterverarbeitung dieser seltenen Erden (primär in China) sind für kaum vorstellbare Umweltschäden verantwortlich. Die Bohrlöcher werden mit oxidierenden Fluiden betrieben, gegen die Fracking Fluids Trinkwasser sind. Es werden mehr radioaktive Stoffe freigesetzt (Uran und Thorium), als für uns vorstellbar. Vergleichbare Mengen in Grohnde würden einen sofortigen und dauerhaften Stopp der dortigen Stromerzeugung nach sich ziehen. Die Weiterverarbeitung mit Schwefelsäure und Ähnlichem kontaminiert darüber hinaus Landschaft und Gewässer. Und ein großer Teil dieser seltenen Erden landet in den Köpfen der Windkraft in Deutschland.

Ist die Stromerzeugung, wenn schon nicht wirtschaftlich und wenig ökologisch, wenigstens sinnvoll? Leider nicht einmal das.

Windkraftwerke haben immer schöne Nennwerte. 4800 kW zum Beispiel die Anlage in Westendorf. Das ist der Nennwert, und der wird ab Windstärke 6 (und höher) erreicht. Nicht gerade eine Windstärke, die so ständig im Wesertal vorherrscht. Beschrieben wird das als starker Wind. Auch starke Äste werden bewegt, auf dem Wasser bildet sich Gischt.

Die Energie im Wind steigt und fällt nun leider nicht linear und nicht einmal im Quadrat. Die Formel für die im Wind enthaltene Energie hat ein x hoch 3 im Zähler. Anders gesagt: Bei einer Steigerung der Windgeschwindigkeit nimmt die Leistung mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit zu. Entsprechend fällt die Ausbeute bei Windstärke 4 extrem geringer aus. Oder anders gesagt: Es bleiben statt 4800 kW noch etwa 20 kW als Ertrag. Ein Windkraftwerk erzeugt an ganz wenigen Tagen und Stunden mit viel Wind den Profit und bringt für die kontinuierliche Stromversorgung nur wenig. Nur weil es sich dreht, wird kein nennenswerter Strom erzeugt. Dieser Sachverhalt erklärt auch die analog zur „grünen“ Stromerzeugung steigenden Stromexporte Deutschlands. Ein Großteil dieser in Windkraftwerken unkontrollierbar erzeugten Energie muss einfach weg. Egal zu welchem Preis, teilweise wird noch draufgezahlt.

Draufzahlen müssen übrigens weder die Betreiber noch die Investoren, sondern wir alle.

Die Chancen schwinden, den Unsinn in Westendorf zu verhindern, aber jede Zuschrift an Greenpeace, den Landkreis, die Parteien und Politiker hilft. Gerade in Wahljahren.

Heinrich Rolfes, Auetal / Borstel