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04.02.2014 Warum interessiert die Bahnlinie niemanden?

Strecke Rinteln-Stadthagen könnte reaktiviert werden - Resonanz gering

Schaumburger Zeitung / 4.2.2014

Steinbergen

Von Jakob Gokl
Eigentlich müssten sich die Steinberger doch mehr engagieren, wundert sich Thomas Stübke. Eigentlich würde der Ortsteil dadurch doch enorm aufgewertet. Eigentlich sei eine funktionierende Infrastruktur doch der wichtigste Trumpf eines Dorfes. Eigentlich. Aber tatsächlich interessiert die Reaktivierung der Bahnstrecke Rinteln-Stadthagen, die direkt durch Steinbergen führt, momentan kaum jemanden. Ende des Monats soll die Entscheidung der niedersächsischen Nahverkehrsgesellschaft fallen, ob die Strecke unter den letzten sechs bis acht Bewerbern bleibt und damit gute Chancen hätte, auch tatsächlich realisiert zu werden.

„Wir haben in letzter Zeit einiges an Infrastruktur verloren“, meint Ortsbürgermeister Heiner Bartling auf Nachfrage. Das Einzelhandelsgeschäft Fischbeck hat die Pforten bereits vor einiger Zeit geschlossen, Nachfolgeprojekte scheiterten bisher (wir berichteten) und nun folgte auch noch die Fleischerei Seifert. Da wäre eine direkte Bahnanbindung an Rinteln doch ideal. Allerdings frage er sich, wie wirtschaftlich das letztendlich sei. „Ich würde mich sehr freuen, wenn die Bahnstrecke kommt“, betont er, „aber als Laie bin ich skeptisch, ob sich das rechnet.“ Aber genau dafür sei ja diese dreistufige Überprüfung eingeplant, damit Experten beurteilen, wie sinnvoll eine Reaktivierung ist.

Wenn die Bahnstrecke allerdings auch die zweite Bewerbungsstufe durchlaufe, werde er sich auch dafür einsetzen. „Ich werde jeden Einfluss, den ich habe, für eine Realisierung einsetzen“, so Bartling. Mit entsprechenden Finanzmitteln seien auch noch offene Fragestellungen wie beispielsweise die Schienenkreuzung mit der Bundesstraße zu lösen – beispielsweise mit einer Brücke oder einer Unterführung.

Etwas involvierter in das Geschehen rund um die Bahn ist Annette Bissmeier, Vorsitzende des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Steinbergen. Ihr geht es vor allem um die Aufwertung des Bahnhofsgeländes. Dieses wird heute in erster Linie als Fußgänger-Abkürzung und Hundewiese genutzt. Mit den obligatorischen Hinterlassenschaften, die das Gelände nicht gerade zieren. „Ein altes Problem“, so Bissmeier, „und auch bei Weitem nicht die einzige Fläche in Steinbergen.“

Nachdem in den vergangenen Tagen einige Bäume auf dem Gelände des Bahnhofs gefällt wurden, überlege man jetzt, Hinweisschilder aufzustellen, so Stübke. „Wir bitten Hundebesitzer, ihre Hinterlassenschaften selbst aufzusammeln.“

Mit dem Verkehrs- und Verschönerungsverein wolle man nun das Pflaster unter dem Schornstein freilegen und aufwerten. Allerdings ist das aus eigenen Mitteln nicht finanzierbar, erklärt Bissmeier. Daher habe man bereits im Vorjahr Fördermittel beantragt und werde das auch in diesem Jahr tun. 2014 werde sich hier allerdings wohl nichts mehr tun. Zur Jahreshauptversammlung des Vereins sei Thomas Stübke eingeladen, der dort die Mitglieder über die weitere Entwicklung informieren soll.

Vom Güterverkehr auf der reaktivierten Strecke könnte vor allem der Steinbruch enorm profitieren. Allerdings hat man sich auch dort noch keine konkreten Gedanken über eine potenzielle Reaktivierung gemacht, erklärt Verkaufsleiter Jens Hornig. Aber da Bahn- und Schiffsverkehrs bereits in anderen Werken sehr stark genutzt würden, sei das natürlich auch für Steinbergen denkbar.

Bereits jetzt hat sich die Strecke Rinteln-Stadthagen gegen 70 andere Strecken durchgesetzt, mit denen es gemeinsam von der LNVG bewertet wurde. Übrig sind noch 28, die jetzt anhand eines Kriterienkatalogs beurteilt würden, um die Zahl auf sechs bis acht zu reduzieren, so Hans-Joachim Menn; Geschäftsführer der LNVG. Im Vordergrund stehe dabei der Personennahverkehr, aber natürlich sei auch die mögliche Nutzung durch den Güterverkehr Teil des Kriterienkatalogs.

Doch wie stark die Strecke dann tatsächlich von den Steinbergern genutzt würde, das steht weiterhin in den Sternen. Zu lange lebt man bereits mit dem zunehmendem Abbau der Strecke, auch die Bückebergbahn werbe erst jetzt offensiver für ihre Fahrten, meint Bissmeier. „Das Interesse, die Bahn zu nutzen, müsste erst geweckt werden.“ Aktiv danach erkundigen würde sich bisher kaum jemand.

Foto: gok
Diese Schienen könnten wieder regelmäßig befahren werden – noch interessiert sich für sie allerdings kaum jemand