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03.12.2016 Was ist das "Steinzeichen" wert?

Mit dem Insolvenzverfahren stellt sich auch die Frage der Nachnutzung

Schaumburger Zeitung / 3.12.2016

Steinbergen

Von Hans Weimann
Die Uhr tickt im Insolvenzverfahren Steinzeichen: Bis zum 21. Dezember haben Gläubiger noch Zeit, ihre Forderungen an die Erlebniswelt Steinzeichen Steinbergen GmbH & Co KG beim Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Dr. Immo Hamer von Valtier in Hannover, oder direkt bei Gericht geltend zu machen.

Womit sich Fragen stellen: Was ist das „Steinzeichen“ wert? Was der „Jahrtausendblick“, diese Stahl-Stein-Glas-Konstruktion mit den 180 Stufen – Aussichtsturm oder Kunstwerk, je nach Blickwinkel des Betrachters? Was eine Bauhütte mit Steinmetzarbeiten? Was die „Vulkanschlucht“, der „Kletterberg“? Einen ehemaligen Steinbruch kann man auch schlecht für eine Wohnbebauung nutzen.

Fragen, die sich von Valtier als Insolvenzverwalter jetzt stellen muss. Der täte dies vermutlich aber lieber nicht, denn von Valtier hofft, dass es mit dem Steinzeichen weitergeht. In einem Telefongespräch betonte der Rechtsanwalt ausdrücklich, dass er die geplante Rettungsaktion, das Leader-Projekt, unterstütze, und er offen sei „für alle Chancen, die sich für das Steinzeichen bieten.“ Im Fokus liege, „den Erlebnispark so umzugestalten, dass er wirtschaftlich weiter betrieben werden kann“.

Mit Erholungsparks hat Valtiers Erfahrung. Er hat vor zwei Jahren als Insolvenzverwalter für den Erholungspark Irenensee bei Hannover einen neuen Investor gefunden.

Dass es mit dem „Steinzeichen“ weiter geht, daran arbeitet jetzt vor allem als Touristikfachmann Matthias Gräbner, Geschäftsführer des Touristikzentrums Westliches Weserbergland.

Ein erster Schritt gelang in Aerzen bei einer Versammlung der Leader-Gruppe (wir berichteten), nämlich, die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft für das Projekt zu begeistern. Klar sei allerdings, dass dies nur „mit einem neuen, attraktivitätssteigernden und wirtschaftlichen Konzept möglich sein wird“, sagt Gräbner.

Gräbner kann sich vorbehaltlich weiterer Informationen vorstellen, dass im Steinzeichen „Natur erleben“ mit Spiel- und Aktivitätsangeboten am besten funktionieren könnte. Simpel ausgedrückt: Eine bloße Mineraliensammlung oder die Geschichte der Steine lockt außer Hobby-Geologen keine Besuchermassen mehr an. Das Modell Kulturpark, wie es im Rahmen der „Expo“ gedacht worden ist, hat sich damit wohl erledigt.

Herausgestellt wurde in der Diskussion auch: Dem Park hat bisher eine professionelle Vermarktung und Werbestrategie gefehlt. Dabei könnte der Jahrtausendblick, eine „Landmarke“, die man von der Autobahn aus sieht, beste Werbung für den Park sein.
„Das wird nur mit einem neuen und wirtschaftlichen Konzept möglich sein.“ Matthias Gräbner Touristikfachmann

Nahziel müsse sein, sagt Gräbner, den Park im nächsten Jahr wieder zu eröffnen, in welcher Form auch immer. Wie, müsse man prüfen. Das könnte auch auf Wochenenden oder saisonal begrenzt sein, Hauptsache, der Park bleibt nicht dauerhaft geschlossen. So erhoffen sich die Touristiker, genug Zeit zu gewinnen, um ein neues Konzept für den Park erarbeiten zu können. Dabei sollen auch planungsrechtliche Anforderungen geklärt und Architekten einbezogen werden.

Dem neuen Konzept müssten außerdem die vielen Beteiligten zustimmen; dazu gehören auch die Norddeutsche Naturstein GmbH (NNG) und letztlich das Fürstenhaus, auf dessen Gelände der Park steht.

Mit dem neuen Konzept müsse man sicherstellen, dass der Park mit den bisherigen Besucherzahlen von 40 000 im Jahr wirtschaftlich arbeiten kann. Die höchste Besucherzahl hatte das Steinzeichen im Jahr 2009 mit rund 49 000 Besuchern und einem Umsatz von rund einer halben Million Euro, dann im Jahr 2011 mit rund 52 000 Besuchern. Die Mehrzahl der Besucher seit der Eröffnung waren Familien mit Kindern, danach kommen Schul-, Kindergarten- und Feriengruppen.

Unabhängig von den Rettungsplänen für das Steinzeichen bleibt der Fahrplan für die Insolvenz bestehen: Am 26. Januar ist Prüfungstermin im Amtsgericht Bückeburg.

Foto: Archiv
Wie kann man das Steinzeichen noch nutzen? Antworten darauf suchen momentan Insolvenzverwalter und Touristiker. Foto: Archiv